Sachsens Kommunalpolitik fehlen die Frauen

Dresden - Frauen sind in Sachsens Stadt- und Gemeinderäten Mangelware. Mancherorts bleiben die Männer sogar komplett unter sich. Anders in Seifhennersdorf: Hier gibt es nicht nur eine Bürgermeisterin - auch im Rat sind die Frauen stark vertreten.

Markersdorfs Bürgermeister Thomas Knack (58, Freie Wähler) hätte gern mehr Frauen im Rat.
Markersdorfs Bürgermeister Thomas Knack (58, Freie Wähler) hätte gern mehr Frauen im Rat.  © Pawel Sosnowski

Frauen in der Politik sind oft immer noch eine Seltenheit. Im Bundestag sind es nur noch 30,9 Prozent. Zuletzt machte die Sachsen-CDU Schlagzeilen, weil es kaum Direktkandidatinnen für die Landtagswahlen gibt.

Sachsens Kommunalparlamente haben einen Frauenanteil von nur 16,7 Prozent.

Dabei werden hier die entscheidenden Weichen für die Gemeinde gestellt!

In 20 der 433 Gemeinderäte gibt es gar keine Frauen, so Innenminister Roland Wöller (48, CDU) auf Anfrage von Katja Meier (39, Grüne).

Ein reines Männergremium ist z. B. der Gemeinderat von Markersdorf bei Görlitz. Bürgermeister Thomas Knack (58, Freie Wähler) ist das Problem bewusst: "Das ist ganz schlecht.

Wir hätten gern mehr Frauen für das Ehrenamt." Für die Wahl im Mai aber gebe es aussichtsreiche Kandidatinnen. "Wir haben Frauen in einer Kita-Arbeitsgemeinschaft gezielt angesprochen, sich zu engagieren."

Immerhin seien aber vier der sieben Ortsvorsteher Frauen.

Abendliche Stadtratssitzungen wie hier in Chemnitz dauern oft stundenlang. Nicht für jede(n) attraktiv.
Abendliche Stadtratssitzungen wie hier in Chemnitz dauern oft stundenlang. Nicht für jede(n) attraktiv.  © Peter Zschage

Top dagegen Seifhennersdorf bei Zittau: Die Stadt hat nicht nur eine Rathaus-Chefin.

Die Hälfte der 14 Räte ist laut Wöller weiblich. "Eigentlich sind Frauen bei uns durch Mandatsrückgaben jetzt sogar in der Mehrheit", so Bürgermeisterin Karin Berndt (61, parteilos). Ihr sei das noch gar nicht aufgefallen. "Bei uns ist Gleichberechtigung selbstverständlich. Aber eine gesunde Mischung ist wichtig."

Zunächst seien nun die Parteien gefordert, so Grünen-Frau Meier.

Frauen müssten bei der Bewerbung um und Ausübung von Wahlämtern gefördert werden. Zudem müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Etwa durch Kinderbetreuung.

Seifhennersdorf hat sachsenweit den höchsten Frauenanteil im Gemeinderat. Auch im Rathaus hat eine Frau das Sagen: Karin Berndt (61, parteilos).
Seifhennersdorf hat sachsenweit den höchsten Frauenanteil im Gemeinderat. Auch im Rathaus hat eine Frau das Sagen: Karin Berndt (61, parteilos).  © Norbert Neumann

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