Sachse ist Weltmeister im Extremhindernislauf

Kirchberg - Ohne auch nur ansatzweise aus der Puste zu geraten, hangelt sich Jörg Eißmann an ein paar Turnringen entlang, die er an einer Seite seiner Scheune angebracht hat. "Das ist doch nichts weiter", meint der drahtige Kirchberger grinsend. Tatsächlich ist es nur ein kleiner Teil des selbstgebauten Trainingsparcours auf seinem Grundstück mit Blick über Wiesen und Wälder.

 Jörg Eißmann trainiert an einer drehenden Schnecke auf seinem selbstgebauten Parcours den Extremhindernislauf.
Jörg Eißmann trainiert an einer drehenden Schnecke auf seinem selbstgebauten Parcours den Extremhindernislauf.  © DPA

Der 49-Jährige mit dem Spitznamen "Blitz" ist in seiner Altersklasse amtierender Europa- und Weltmeister im Extremhindernislauf. OCR, kurz für "Obstacle Course Racing", hat seine Ursprünge in der militärischen Ausbildung und ist mindestens so anstrengend wie es aussieht. Tiefe Schlammlöcher gehören ebenso zu diesem Sport wie scheinbar unüberwindbare Hindernisse.

"Doch du musst jedes Hindernis schaffen, ansonsten bist du raus", erklärt der Inhaber einer mittelständischen Elektrofirma. Wie bei allen anderen Sportarten gehe es auch beim OCR ums Gewinnen, aber eben auch um Zusammenhalt. "Wenn du an einem Hindernis nicht weiterkommst, helfen dir die anderen drüber. Das ist nicht nur gnadenloser Konkurrenzkampf", beschreibt Eißmann das Besondere an seinem Sport.

Seit rund zehn Jahren wirft sich der "Blitz" regelmäßig in den Schlamm. Mit einem 18-Kilometer-Parcour beim "Strongman Run" im nordrhein-westfälischen Weeze nahm die Sportler-Karriere des Elektromeisters seinen Anfang. Zuletzt landete er dort bei rund 12.000 Startern altersübergreifend auf Platz 20. Bei seiner ersten WM in Kanada im Herbst 2017 habe es "nur" für den zweiten Platz in seiner Altersklasse (AK) gereicht.

Den Fehler hat er inzwischen wettgemacht: Im vergangenem Herbst lief er in London mit sieben Minuten Vorsprung als neuer und bislang einziger deutscher OCR-Weltmeister der Altersklasse 45-49 Jahre über die Ziellinie.

Jörg Eißmann sitzt auf seinem selbstgebauten Parcours für das Training im Extremhindernislauf.
Jörg Eißmann sitzt auf seinem selbstgebauten Parcours für das Training im Extremhindernislauf.  © DPA

OCR ist als Sportart seit 2007 in Deutschland angekommen. Anfangs noch als Extremhindernislauf, seit zwei bis drei Jahren unter der Bezeichnung OCR, erklärt Mattes Brähmig von OCRA Germany. In diesem Verband organisiert sich die Sport-Community seit vergangenem Oktober bundesweit. Brähmig schätzt diese auf 15.000 aktive Sportlerinnen und Sportler, wobei etwa zu drei Vierteln Männer und zu einem Viertel Frauen mitlaufen.

Etwa 100 bis 120 OCR-Läufe gibt es demnach jedes Jahr in Deutschland. Angefangen bei Sprintdistanzen über 300 Meter bis hin zur Ultra-Marathon-Länge und mehr als 40 Kilometern über Stock und Stein - zahllose Hindernisse inklusive. Sachsen- und bundesweit zu den Vorreitern gehört der Leipziger "CrossDeLuxe", organisiert vom Verein Sportfreunde Neuseenland. Am letzten Septemberwochenende werfen sich auch am Markkleeberger See wieder 5000 Teilnehmer freiwillig in den Schlamm.

Für Jörg Eißmann ist diese Sportart mehr als Spaß und kommt schon einer "Wundermedizin" gleich: Stress abbauen, eigene Grenzen überwinden und immer wieder aufs Neue verschieben, dabei gleichzeitig Gemeinschaftssinn erleben, sagt er.

Sein Ziel sei es, in Kirchberg ein Nachwuchs- und Trainingszentrum aufzubauen und über seine Begeisterung auch Auszubildende für sein Unternehmen zu gewinnen. Zwar könne er als Handwerker einem Lehrling kein Gehalt wie ein Industriebetrieb bieten. "Dafür aber einen verrückten Chef, mit dem man gemeinsam in der Mittagspause mal eben ein paar Hindernisse überwindet." Und ganz nebenbei über sich selbst hinauswächst.

Titelfoto: DPA

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