Schlimme Attacken auf Kirchen: Steckt Hass dahinter?

Chemnitz/Bad Lausick - Tatort Kirche: Seit Jahresbeginn häufen sich Einbrüche, Brandstiftung und Vandalismus in sächsischen Kirchen und Kapellen. Stecken Anschläge auf das Christentum dahinter?

Seit 1105 Gottehaus: Manfred Schön (69) vor dem beschädigten Flügelaltar der ältesten erhaltenen romanischen Kirche in Sachsen.
Seit 1105 Gottehaus: Manfred Schön (69) vor dem beschädigten Flügelaltar der ältesten erhaltenen romanischen Kirche in Sachsen.  © Klaus Jedlicka

Am vergangenen Montag drang ein Täter in die St. Kilianskirche in Bad Lausick (bei Grimma) ein. "Unter anderem wurde der spätgotische Flügelaltar von 1490 beschädigt", klagt Manfred Schön (69), Vorsitzender des Kirchenfördervereins.

"Der Heiligen Katharina wurden beim Entfernen des Kreuzes Finger ab-, der Figur des Apostels Philippus der Kreuzstab herausgerissen." Der Sachschaden geht in die Tausende, wird genau noch ermittelt.

Beinahe hätte zudem eine Altarkerze ein Feuer ausgelöst, die der Täter auf den Turm gebracht hatte und brennen ließ. Sie wurde noch rechtzeitig entdeckt. Weil nichts gestohlen und auch in der Sakristei ein Kreuz auseinander gerissen wurde, ist für Schön klar: "Der Täter muss aus religiös geprägten, gegen das Christentum gerichteten Motiven heraus gehandelt haben."

Erst am 21. April wurden in der Kirche St. Markus auf dem Chemnitzer Sonnenberg Altarraum, Kanzel und Keller beschädigt - mehrere Zehntausend Euro Schaden (TAG24 berichtete).

Nur zwei Nächte später wurden an der Petrikirche am Theaterplatz mehrere Bleiglasfenster eingeschlagen und randaliert. Sachschaden: 3 000 Euro. In beiden Fällen ermittelte die Polizei denselben Täter - ein 24-jähriger Asylbewerber aus Pakistan.

Hier drang der Vandale in die Kirche ein: Das eingeschlagene Bleiglasfenster wurde notdürftig "geflickt".
Hier drang der Vandale in die Kirche ein: Das eingeschlagene Bleiglasfenster wurde notdürftig "geflickt".  © Klaus Jedlicka

Er soll gesundheitliche Probleme haben. Das Chemnitzer Amtsgericht erließ inzwischen einen Unterbringungsbefehl zur Einlieferung des 24-Jährigen in eine psychiatrische Fachklinik. Hat er auch die Bad Lausicker Kirche verwüstet? "Es wurde umfangreiches Spurenmaterial über Fingerabdrücke hinaus gesichert", sagt Michael Fengler (37), Sprecher der Polizeidirektion Leipzig. Die Ergebnisse könnten frühestens kommende Woche vorliegen.

Ist nach den Vorfällen jetzt das Prinzip der "Offenen Kirche" in Gefahr? Matthias Oelke (58), Sprecher der Evangelischen Landeskirche, sieht keinen generellen Anstieg der Einbruchszahlen: "Zuletzt wurden jährlich 376 Straftaten mit einer Schadenssumme von 184 000 Euro gezählt. Oft ist dabei der Einbruchschaden höher als die Diebstahlsumme."

Insgesamt gibt es rund 1500 Kirchen und Kapellen in Sachsen.

Entwaffnete Märtyrin: Der Heiligen Jungfrau Katharina auf dem Altar wurde das Schwert abgenommen.
Entwaffnete Märtyrin: Der Heiligen Jungfrau Katharina auf dem Altar wurde das Schwert abgenommen.  © Klaus Jedlicka
Blinde Zerstörungswut in einer der insgesamt 1500 sächsischen Kirchen und Kapellen: In der St. Kilianskirche von Bad Lausick wurde randaliert und zerstört.
Blinde Zerstörungswut in einer der insgesamt 1500 sächsischen Kirchen und Kapellen: In der St. Kilianskirche von Bad Lausick wurde randaliert und zerstört.  © Klaus Jedlicka

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