Schock für Senioren! Kosten für Pflegeheime explodieren

Dresden - In Sachsens Pflegeheimen steigen die Pflegekosten, explodieren teils regelrecht. So müssen manche Bewohner jetzt monatlich Hunderte Euro mehr bezahlen. Die Rente reicht dafür längst nicht mehr in allen Fällen.

Über 50.000 Sachsen leben in Pflegeheimen, müssen mit teils erheblich steigenden Kosten rechnen.
Über 50.000 Sachsen leben in Pflegeheimen, müssen mit teils erheblich steigenden Kosten rechnen.  © DPA

Über 50.000 Senioren leben in rund 900 sächsischen Pflegeheimen. Viele Bewohner wurden in den letzten Wochen über steigende Heimkosten informiert. So auch Lisbeth Exner (107!), die im Dresdner DRK-Heim an der Magdeburger Straße wohnt.

"Ihr Beitrag ist von 1322 auf 1734 Euro gestiegen. Das sind seit Januar 412 Euro mehr. Dafür reicht ihre Rente nicht mehr", klagt Sohn Dietrich Exner (80). "Die Kosten für die Verbesserung der Pflege werden damit hart auf die Heimbewohner umgelegt." Die spüren Wandel aber erst mal nur im Geldbeutel: "Hier ist noch alles beim Alten geblieben", sagt die hochbetagte Seniorin.

245 Euro mehr muss ein Bewohner im Dresdner AWO-Heim an der Jonsdorfer Straße tragen. "Die gestiegenen Kosten sind zum größten Teil auf Kostensteigerungen der Pflege, insbesondere auf eine bessere Bezahlung des Pflegepersonals, zurückzuführen", erklärt Ulrike Novy, Sprecherin des AWO-Landesverbandes.

Gerade in Sachsen gebe es "einen sich zunehmend verschärfenden Mangel an Pflegefachkräften", so Novy. Entgeltsteigerungen seien zudem immer Ergebnisse von Pflegesatz-Verhandlungen.

Lisbeth Exner (107) muss für ihren Heimplatz jetzt 412 Euro mehr bezahlen. Das übersteigt ihre Rente, was auch Sohn Dietrich (80) ärgert.
Lisbeth Exner (107) muss für ihren Heimplatz jetzt 412 Euro mehr bezahlen. Das übersteigt ihre Rente, was auch Sohn Dietrich (80) ärgert.  © Petra Hornig

Diese werden individuell zwischen Pflegekassen, Sozialleistungs-Trägern und Heim-Trägern geführt. Folge: In den kommenden Monaten und Jahren kommen die teureren Entgelte auf alle Pflegeheimbewohner zu.

"Erhöhungen von bis zu 500 Euro sind Pflegebedürftigen kaum zuzumuten", kritisiert Thomas Neumann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Wir fordern, dass es für die Bewohner Höchstgrenzen für Zuzahlungen gibt, maximal 15 Prozent der Gesamtpflegekosten." Aber: Dafür müssten die Gesetze geändert werden, worauf auch die AWO hinweist.

Denn bislang läuft es genau andersrum: Nur die Höchstgrenzen der Pflegekassen-Zuschüsse sind festgelegt! "Solange der Leistungsbetrag der Pflegekassen gedeckelt ist, gehen die Entgeltsteigerungen tendenziell zulasten des Pflegebedürftigen", empfiehlt auch DRK-Sprecherin Franziska Weiß, die "Verteilung der Kostenlast neu zu überdenken".

Reichen Rente und Vermögen nicht aus, um die Heimkosten zu zahlen, bleibt den Pflegebedürftigen als letzter Ausweg noch der Gang zum Sozialamt. "Ich kenne das Problem und kann die Sorgen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen sehr gut nachvollziehen", sagt Sozialministerin Barbara Klepsch (53, CDU).

Sie bringt ein staatliches "Pflegewohngeld" zur Entlastung ins Spiel.

Wie in vielen anderen sächsischen Heimen stiegen im Januar auch in der DRK-Seniorenwohnanlage an der Yenidze in Dresden die Kosten.
Wie in vielen anderen sächsischen Heimen stiegen im Januar auch in der DRK-Seniorenwohnanlage an der Yenidze in Dresden die Kosten.  © Petra Hornig

Titelfoto: Petra Hornig

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