Krebserregende Brotaufstriche? Rossmann lässt Produkte in den Regalen

Ob man sich im Firmensitz in Burgwedel den eigenen Aufstrich noch auf's Brot schmiert?
Ob man sich im Firmensitz in Burgwedel den eigenen Aufstrich noch auf's Brot schmiert?  © dpa/Holger Hollemann

Sachsen - Das Verbrauchermagazin "Öko-Test" hat eine Warnung für den veganen Aufstrich "Tartex Brotzeit Tomate" der Drogeriekette Rossmann ausgesprochen. Das Unternehmen weicht aus.

Billig sind Tartex-Produkte nicht. Für ein 125g-Fässchen des besagten Tomaten-Aufstrichs muss der Verbraucher bei Rossmann 1,99 Euro berappen. Dafür kann er auch einwandfreie Zutaten erwarten. Und mit denen wirbt die Allos Hof-Manufaktur, die die Marke herstellt, auf ihrer Internetseite auch: "hochwertige Zutaten" sowie "100 Prozent bio und besonders schonend verarbeitet".

Bio und vegan - das klingt gesund! Allerdings hat Öko-Test für seine aktuelle Ausgabe 22 Brotaufstriche getestet und in 17 eine erhöhte Konzentration bedenklicher Mineralölkohlenwasserstoffe gefunden. In vier Marken-Produkten von Bio Primo (Müller), Ener Bio (Rossmann), dm Bio und eben Tartex fand das Labor sogar aromatische Kohlenwasserstoffe (Moah), die als "möglicherweise krebserregend" eingestuft sind.

Das klingt überhaupt nicht gesund und auch nicht nach Genuss zum Reinbeißen.

Vegane Produkte stehen wegen bedenklicher Inhaltsstoffe schon seit Längerem am Pranger.
Vegane Produkte stehen wegen bedenklicher Inhaltsstoffe schon seit Längerem am Pranger.  © Screenshot/Tartex

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat bei den betroffenen Herstellern um eine Stellungnahme gebeten. Laut Spiegel Online hat nur die Drogeriekette Müller die "Bio Primo Gourmet Pastete Kräuter" zurückgerufen. Das Produkt wurde auch sofort aus den Regalen und "dauerhaft in dieser Zusammensetzung" (Müller) aus dem Sortiment genommen.

dm hat seine "Bio Pastete Tomate" als "freiwillige Vorsichtsmaßnahme" ebenfalls sofort aus den Regalen geräumt. Allerdings nur vorläufig, bis der Sachverhalt abschließend geklärt ist. "Die gesetzlichen Anforderungen" seien nach eigenen Angaben "voll erfüllt".

Nur Rossmann habe auf die Anfrage ablehnend reagiert und teilt die Kritik von Foodwatch nicht: "Eine abschließende gesundheitliche Bewertung zu Moah liegt nach heutigem Kenntnisstand derzeit nicht vor". Das Produkt bleibt also zum Weiterverkauf in den Regalen. Das gilt auch für den von "Öko-Test" mit mangelhaft bewerteten Aufstrich "Ener Bio Paprika-Chili Pflanzliche Pastete" (Rossmann).

Unverantwortlich, meint Foodwatch.

Sowohl Rossmann als auch Allos ließen Foodwatch wissen, dass die Mineralölbelastung regelmäßig kontrolliert werde. Dabei sehe Rossmann "durchaus eine Hintergrundbelastung von Lebensmitteln". Technisch gesehen ließen sich Rückstände allerdings nicht vermeiden.

Auch Allos hat nach eigenen Angaben nachgeforscht und mögliche Verunreinigungen im Kokosfett ausgemacht: "Der Eintrag von Mineralölbestandteilen muss bei der Verarbeitung der Kokosnuss zum Kokosfett erfolgt sein." Die Firma wolle vorerst nur den Lieferanten wechseln.

Ein Verkaufsstopp kommt aber auch hier nicht infrage.

"Manufaktur" heißt heute vor allem hochpreisige "Luxusgegenstände" und "Exklusivität".
"Manufaktur" heißt heute vor allem hochpreisige "Luxusgegenstände" und "Exklusivität".  © Screenshot/Allos

Allos stellt sich gerne als "Hof-Manufaktur" und im Dienst "für Mensch und Natur" dar.

Tatsächlich gehört das 1974 gegründete "Selbstversorger-Projekt" längst zur niederländischen Wessanen-Gruppe - ein börsennotierten Konzern! Umsatz 2016: 570 Millionen Euro.

Am Ende nutzt Allos - wie die anderen Hersteller übrigens auch - eine Lücke aus: Bis heute wurden keine verbindlichen Grenzwerte für aromatische (Moah) und gesättigte (Mosh) Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln festgelegt.

Lediglich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stuft Mosh als "potenziell besorgniserregend" ein.

Moah gilt sogar als "möglicherweise krebserregend und erbgutverändernd".


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