Trauriger Spitzenreiter! Sachsen ist Deutschlands Klauhochburg

Im Elektronikhandel landen meist Speichermedien wie SD-Karten in den Taschen der Langfinger.
Im Elektronikhandel landen meist Speichermedien wie SD-Karten in den Taschen der Langfinger.

Von Jan Berger

Sachsen - Klauen die Sachsen wie die Raben? Zwei Jahre nacheinander führte der Freistaat ganz souverän die Statistik für Ladendiebstähle in allen deutschen Flächenländern an! Lediglich in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gab es je 100 000 Einwohner mehr Langfinger-Attacken auf Warenregale. Die Branche rüstet jetzt massiv auf.

Verstohlen blickt eine Mittzwanzigerin über ihre Schulter. Was sie sieht, gefällt ihr: Die Verkäuferin am anderen Ende des Ganges wirkt gerade abgelenkt.

Lautlos gleitet ein teures Schminkset in die Jackentasche - es wird auf dem Bon nicht auftauchen. Routiniert schiebt die junge Frau ihren Wagen mit den Pfennigartikeln zur Kasse - Gelegenheit macht Diebe.

Stellt am Mittwoch die Kriminalitätszahlen für 2015 vor: Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU).
Stellt am Mittwoch die Kriminalitätszahlen für 2015 vor: Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Pro 100.000 Einwohner wurden 2014 in Sachsen 548 Ladendiebstähle angezeigt. Damit hält der Freistaat unter den Flächenländern vor Sachsen-Anhalt (515) und Nordrhein-Westfalen (494) die absolute Spitzenposition. Im Jahr davor war es nicht anders.

Zum Vergleich: Die Bayern sind mit einer Quote von 281 beim Ladenklau nur halb so kriminell. Falls jetzt jemand wieder die „üblichen Verdächtigen“ benennen will: Sachsen ist eines der Länder mit der geringsten Ausländerquote.

Innerhalb Sachsens gibt es naturgemäß ein Stadt-Land-Gefälle. Während klebrige Finger in Leipzig (1141 pro 100 000 Einwohner - Berlin: 989), Dresden (872) und Chemnitz (752) häufiger vorkommen, leben in Mittelsachsen (280) und im Erzgebirge (235) eher die etwas ehrlicheren Häute.

In der Hosentasche aber nicht auf dem Kassenzettel: Lippenstifte und teures Make-up verschwinden besonders häufig aus den Regalen.
In der Hosentasche aber nicht auf dem Kassenzettel: Lippenstifte und teures Make-up verschwinden besonders häufig aus den Regalen.

Am Mittwoch stellt Innenminister Markus Ulbig (CDU) die heiß ersehnten und bisher streng gehüteten Kriminalitätszahlen für 2015 vor, in denen sich auch erstmals die Flüchtlingsphänomene widerspiegeln sollen.

Dem Vernehmen nach sind die Ladendiebstahl-Zahlen gar leicht gesunken. Und der Polizeipräsident wird mit einer Aufklärungsquote von über 90 Prozent glänzen.

Das ist allerdings nur ein Zehntel der Wahrheit - die Dunkelziffer der nicht angezeigten Delikte liegt wohl bei 90 Prozent.

David Tobias von der Handelskammer Sachsen: „Für eine wirkungsvolle Abschreckung ist auch eine konsequente Bestrafung durch die Staatsanwaltschaft unumgänglich. Angesichts oft eingestellter Verfahren sehen Händler teilweise keinen Sinn mehr in einer Anzeige.“ Das gibt zu denken.

Und darauf fahren Langfinger ab...

Vor allem kleine, teure Gegenstände sind bei Ladendieben beliebt.
Vor allem kleine, teure Gegenstände sind bei Ladendieben beliebt.

Was ist bei den Dieben am beliebtesten? Langfinger aus der Beschaffungskriminalität nehmen vor allem, was sich leicht zu Geld machen lässt: Kaffee, Tabak, Schokolade und Spirituosen.

Gelegenheitsdiebe schnappen sich bevorzugt kleine, aber teure Produkte. Im Drogeriemarkt sind das Parfüm, Rasierklingen, Lippenstifte oder Make-up. Im Elektronikhandel schlagen sie gern bei Speichermedien und Konsolenspielen zu, greifen auch nach Smartphones sowie deren Zubehör.

Bei der Bekleidung werden hochwertige Marken bevorzugt, vor allem bei Jeans und Dessous - durchschnittlicher Wert pro Diebstahl: 65 Euro. Aber auch modische Accessoires wie Brillen, Tücher oder Schmuck werden an der Kasse vorbei geschleust.

Auch in Baumärkten nehmen einige die Selbstbedienung ganz wörtlich: Hier gehören Elektrowerkzeuge und vor allem das Zubehör zu den Lieblingsprodukten der Langfinger.

Fotos: dpa/imago


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