Zeitmessung mal anders! Dieser Sachse ist Herr der Sonnenuhren

Das beschauliche Taubenheim ist das Mekka für Sonnenuhren.
Das beschauliche Taubenheim ist das Mekka für Sonnenuhren.

Von Torsten Hilscher

Bautzen - Sie macht keine Geräusche, blinkt nicht, hat keine Batterie, keine Systemabstürze - eine Sonnenuhr ist von der Technik unabhängig. Nur das Wetter muss eben stimmen. Das sächsische Taubenheim nahe Bautzen ist das Mekka für Sonnenuhren-Liebhaber. Dort wohnt auch der einzige Sonnenuhr-Macher Sachsens.

Wenn Peter Domschke (76) in Taubenheim/Spree unterwegs ist, trifft er buchstäblich an jeder Ecke auf seine Arbeit - überall Sonnenuhren. Vor allem an den typisch Oberlausitzer Umgebindehäusern des 1500 Einwohner zählenden Ortes.

Domschke hat zu jeder eine Geschichte parat. Denn er stellte sie entweder selbst her oder restaurierte sie. „Darüber hinaus bin ich der offizielle Sonnenuhren-Beauftragte unserer Gemeinde“, sagt er und zeigt stolz die Urkunde des Bürgermeisters.

Peter Domschke (76) vor seiner Lieblingsuhr am Kindergarten des Ortes. Man beachte die große Sonne oben und die kleine auf der Uhr links.
Peter Domschke (76) vor seiner Lieblingsuhr am Kindergarten des Ortes. Man beachte die große Sonne oben und die kleine auf der Uhr links.

Gelernt hat Domschke die seltene Profession beim Guru der Taubenheimer Uhrenkunst, Martin Hölzel, geht aus der Orts-Chronik hervor.

Der Grafiker und Kunstlehrer hatte in den 1970ern die Tradition aufleben lassen. Als Hölzel 1994 starb, war Domschke legitimer Nachfolger.

Schon das Atelier des heutigen Grafikdesigners liegt ganz im Bann kosmischer Weiten - nicht nur der Sonne. Auf utopischen Bildern sind Phantasie-Welten zu sehen. Sie wirken täuschend echt.

Kein Wunder: „Weil ich aus politischen Gründen als Ingenieur nicht weiterkam, machte ich mich zu DDR-Zeiten mit Spezialfotografie selbständig“, so Domschke. Sein privates Labor lieferte hochpräzise Reproduktionen.

Sonne für die Friedenstaube. Diese Uhr restaurierte Domschke.
Sonne für die Friedenstaube. Diese Uhr restaurierte Domschke.

Das Wissen um Fotografik, aber auch sein Können als Ingenieur sind für den Uhrenbau unentbehrlich. „Jede Sonnenuhr ist eine Spezialanfertigung“, betont Domschke.

Zunächst nimmt er mit einem rechtwinkligen Lochgnomon (eine Art Schattenfänger mit Loch) die Ausrichtung des jeweiligen Hauses samt Wandneigung ab. Danach richtet er dann den Zeiger, Gnomon, und die Stundenstriche aus. Viel Aufwand, viel Arbeit, weswegen die Preise für eine Uhr auch bei etwa 1000 Euro beginnen.

Selbst Übereck-Uhren sind möglich! Die Motive richten sich meist nach der Geschichte des Hauses und seiner Herren.

Domschkes Grundstück zieren gleich mehrere Sonnenuhren. Nur seine PC-Bildschirmschoner im Atelier schlagen aus der Art: Sie zeigen den Mond ...

Deutlich zu sehen auf dieser restaurierten Sonnenuhr: Hier wohnte mal ein Feuerwehrmann.
Deutlich zu sehen auf dieser restaurierten Sonnenuhr: Hier wohnte mal ein Feuerwehrmann.

Fotos: Steffen Füssel


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0