Asylbewerber-Familie darf ihre Katzen nur im Tierheim besuchen

Leisnig - Zwei getigerte Katzen werden jetzt ein Fall für den sächsischen Landtag. Die Abgeordnete Susanne Schaper (Linke) will prüfen lassen, ob die Ausländerbehörde einer Asylbewerber-Familie das Halten von Haustieren verbieten darf. Den "politischen Katzen" droht ein ungewisses Schicksal.

Landtagsabgeordnete Susanne Schaper (Linke) fordert Aufklärung.
Landtagsabgeordnete Susanne Schaper (Linke) fordert Aufklärung.  © Uwe Meinhold

Herzzerreißende und tränenreiche Szenen spielen sich nahezu täglich im Tierheim Leisnig ab. Dann besucht die irakische Familie Alogaili ihre beiden Lieblinge "Noshe" und "Chico", die nicht mehr bei ihnen leben dürfen. Die Ausländerbehörde Mittelsachsen hatte die Familie aufgefordert, die Katzen abzugeben.

Das Landratsamt beruft sich auf eine Hausordnung, die für alle Gemeinschaftsunterkünfte und für durch den Landkreis angemietete Wohnungen gilt. Das Büro des Landrates weist darauf hin, dass für alle Asylbewerber und Geduldete hygienisch unbedenkliche Unterkünfte bereitgestellt werden müssen.

Dabei sind die Tiere gut gepflegt, geimpft und der Kater kastriert. "Das kann nicht jeder deutsche Katzenbesitzer vorweisen", sagt Tierheim-Chefin Rosi Pfumpfel. "Aber wir sehen, dass die Katzen jetzt etwas verstört sind." Erst wenn die irakische Familie kommt, schmiegen sie sich an die Gitter, schnurren und essen. Eigentlich müsste das Tierheim die Katzen an Interessenten abgeben, das bringt man derzeit nicht übers Herz.

"Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid oder Schaden zufügen", zitiert Landtagsabgeordnete Susanne Schaper den Paragraf 1 des Tierschutz-Gesetzes. Die angeordnete Trennung verstoße dagegen. Schaper: "Der Behörden-Irrsinn in Sachsen scheint keine Grenzen zu kennen." Über eine Kleine Anfrage fordert sie nun Aufklärung.

Bereits drei Jahre lebt die irakische Familie (zwei Kinder) in Sachsen, vor einem Jahr bekam sie Noshe und Chico geschenkt. Solange das Asylverfahren ausgesetzt oder abgeschlossen ist, dürfen sie nicht selbst aktiv werden und eine eigene Wohnung anmieten.

Die Trennung wird somit auf unbestimmte Zeit anhalten, wenn der Landrat sich kein Herz fasst und den Einzelfall prüft.

Die Flüchtlingsfamilie Alogaili muss ins Tierheim gehen, um ihre Lieblinge zu besuchen. Bürokratische Dickschädel haben ihren Willen durchgesetzt.
Die Flüchtlingsfamilie Alogaili muss ins Tierheim gehen, um ihre Lieblinge zu besuchen. Bürokratische Dickschädel haben ihren Willen durchgesetzt.  © Sven Bartsch

Titelfoto: Sven Bartsch


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