Uwe Böhnhardt als Deckname bei Erdogan-Einsatz: Neuer Skandal erschüttert LKA Sachsen

Sachsen - Ein neuer Skandal erschüttert das Landeskriminalamt Sachsen. Nur wenige Wochen, nachdem die Behörde im August durch die "Hutbürger"-Affäre in Verruf geriet, hat sich mindestens ein SEK-Beamter eine schwere Entgleisung geleistet.

Fotomontage/Symbolbild: Ein Beamter des SEK Sachsens gab sich für den Erdogan-Einsatz den Decknamen "Uwe Böhnhardt".
Fotomontage/Symbolbild: Ein Beamter des SEK Sachsens gab sich für den Erdogan-Einsatz den Decknamen "Uwe Böhnhardt".  © DPA

Wie Focus Online als Erstes berichtete, gab sich ein Beamter des sächsischen Spezialeinsatzkommandos (SEK) für den Großeinsatz rund um den Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland den Decknamen "Uwe Böhnhardt".

Böhnhardt (†34) bildete von 1998 bis 2011 mit Uwe Mundlos (†38) und Beate Zschäpe (43) die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Als einzig Überlebende wurde Zschäpe nach einem jahrelangen Prozess im Juli 2018 als Mittäterin wegen der Ermordung von zehn Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt und dabei eine besondere Schwere der Schuld festgestellt (TAG24 berichtete).

Das Trio war in der Zeit für zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle in ganz Deutschland verantwortlich. Mundlos und Bönhardt begingen 2011 vermutlich Suizid, nachdem sie bei einem Überfall von der Polizei entdeckt worden waren.

Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt (†34) und Uwe Mundlos (†38, v.l.) bildeten von 1998 bis 2011 der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt (†34) und Uwe Mundlos (†38, v.l.) bildeten von 1998 bis 2011 der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).  © DPA

Wie das LKA am Freitag selbst mitteilte, sollte der Name Böhnhardt im Fall des SEK-Beamten für ein Zutritt-und Berechtigungsdokument benutzt werden. "Dies wurde durch die einsatzführende Dienststelle unterbunden, ausgewertet und gemeldet", heißt es.

Zuvor hatte sich auch die Polizei Sachsen schon zu Wort gemeldet: "Beim Einsatz unseres SEK in Berlin anlässlich des Besuches des türkischen Ministerpräsidenten wurde ein Verhalten zweier Beamter aufgedeckt, das wir als völlig inakzeptabel, unmoralisch und unethisch werten. Die beiden Kollegen wurden sofort aus dem Einsatz herausgelöst und zürück beordert", heißt es von der Polizei.

Weiter erklären die Beamten: "Erste Disziplinarmaßnahmen wurden sofort gegen die betreffenden Beamten eingeleitet." Beide sollen mit einem Dienstverbot belegt werden. Wie aus der Meldung hervorgeht, meldeten Kollegen der zwei SEK-Beamten das Fehlverhalten und sorgten damit für die Aufdeckung des Skandals.

Der Präsident des LKA Sachsen erklärte: "Das Verhalten der Beamten ist vollständig inakzeptabel, im höchsten Maße verantwortungslos und an 'Dummheit' kaum zu überbieten. Es ist geeignet, die ansonsten gute Arbeit und das Ansehen meiner Beamten und der gesamten sächsischen Polizei nachhaltig zu schädigen. Das ist nicht hinnehmbar! Bereits die Eintragung des Namens eines Täters der NSU-Morde in eine Liste mit dienstlichen Angaben und im Rahmen eines dienstlichen Anlasses ist abscheulich und stellt für die Opfer und deren Angehörige eine Missachtung höchsten Maßes dar. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigen", so Petric Kleine.

Was genau sich der zweite Beamte geleistet haben soll, ist nicht klar. Gegen beide wurde bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet, sie sollen aus dem Dienst entfernt werden.

Update, 10.36 Uhr: Nach neuesten Erkenntnissen hat sich nicht ein Beamter den Namen "Uwe Böhnhardt" gegeben, sondern wurden zwei Beamte suspendiert, die eine Liste mit Decknamen erstellt haben und dabei einen Kollegen ärgern wollten, indem sie ihm den Böhnhardt-Namen verpassten. Das wurde im Vorhinein aufgedeckt.


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