Bewerber bekommt Millionen-Entschädigung, weil Uni Leipzig eine Frau einstellen wollte

Das Landgericht Leipzig gab dem verhinderten Professor überraschend Recht. Uni-Rektorin Schücking (rechts) soll ihn zugunsten einer Mitbewerberin benachteiligt haben.
Das Landgericht Leipzig gab dem verhinderten Professor überraschend Recht. Uni-Rektorin Schücking (rechts) soll ihn zugunsten einer Mitbewerberin benachteiligt haben.  © Ralf Seegers, DPA

Leipzig - Weil Leipzigs Uni-Rektorin Beate Schücking eine freie Professorenstelle lieber an eine Frau vergab, muss Sachsen nun zahlen. Ein abgelehnter Mitbewerber hatte erfolgreich geklagt - er galt als der kompetenteste Kandidat.

Das Landgericht Leipzig gab dem Kläger Shahram Azizi Ghanbari aus Zittau recht. Bis 2029 muss der Freistaat Sachsen Ghanbari nun so bezahlen, als ob er die Professorenstelle an der Uni Leipzig 2012 angetreten hätte. Das heißt, sein Verdienst wird angerechnet, der Freistaat zahlt die Differenz zum Professorengehalt.

"Es geht um Forderungen von etwa 1,1 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Pensionsansprüche", erklärte Ghanbaris Anwalt Robert Uhlemann "Spiegel Online".

Die Geschichte beginnt im Jahr 2009. Damals schrieb die Uni Leipzig eine Professur für "Kompetenzentwicklung und lebenslanges Lernen" aus. Erst in der zweiten Runde im Jahr 2012 bewarben sich fünf Kandidaten, darunter auch Ghanbari.

Die Sache schien klar, die von der Berufungskommission eingeholten Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass Ghanbari von allen Kandidaten die beste Wahl war. Der Fakultätsrat stimmte dem Berufungsvorschlag im Juni 2012 zu. Uni-Rektorin Schücking wollte jedoch die Zweitplatzierte aus dem Berufungsvorschlag ernennen.

Nachdem Ghanbari in zwei Instanzen gescheitert war, gab ihm das Landgericht Leipzig Mitte Mai Recht.
Nachdem Ghanbari in zwei Instanzen gescheitert war, gab ihm das Landgericht Leipzig Mitte Mai Recht.  © Ralf Seegers

Doch laut dem Landgericht Leipzig hatte Schücking dazu keine Berechtigung. "Von dem Berufungsvorschlag hätte die Rektorin nicht ohne Weiteres abweichen dürfen, gerechtfertigt wäre ein Abweichen etwa bei personalwirtschaftlichen und -politischen Erwägungen. Solche lagen nicht vor", so das Landgericht Leipzig in einer Erklärung.

Doch damit ist die Posse um die Professorenstelle noch längst nicht beendet. Denn im Laufe des Bewerbungsverfahrens machten auf einmal Gerüchte gegen Ghanbari wegen sexueller Nötigung die Runde.

Doch Nachforschungen der Uni ergaben, dass diese Anschuldigungen haltlos waren. Trotzdem wollte die Uni-Rektorin an ihrer Entscheidung festhalten.

An dieser Stelle kommt das Gericht zu dem Schluss, dass Schücking das Gerücht selbst in die Welt gesetzt habe.

"Das Gericht ist davon ausgegangen, dass sich die Rektorin von sachfremden Erwägungen hat leiten lassen, weil sie das über den Kläger verbreitete Gerücht sexueller Belästigung über einen am Auswahlverfahren Beteiligten der Universität in einer Sitzung des Fakultätsrates lanciert habe", stellt das Gericht unter Berufung auf Zeugenaussagen fest.

Ghanbari hätte die Stelle also bereits im Jahr 2012 erhalten müssen, heißt es. Besonders bitter: Bevor das Landgericht Leipzig dem verhinderten Professor Recht gab, scheiterte Ghanbari vor dem Verwaltungsgericht in Bautzen in zwei Instanzen.

Uni-Rektorin Schücking weist die Vorwürfe zurück. "Ich habe das Gerücht in Bezug auf die sexuelle Nötigung nicht in die Welt gesetzt", erklärte sie in einer Stellungnahme. Das Urteil sei aus ihrer Sicht unverständlich - vor allem, weil Ghanbari mit seiner Klage bisher gescheitert war.

Es wird erwartet, dass der Freistaats Sachsen gegen das überraschende Urteil in Berufung gehen wird. Die Professorenstelle ist übrigens noch immer unbesetzt.


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