Neues Gesetz gilt ab sofort: Fachkräfte aus dem Ausland haben es jetzt leichter

Dresden/Chemnitz - Heute tritt ein neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Vertreter aus Politik und sächsischer Wirtschaft begrüßen es sehr. "Das Gelbe vom Ei ist das Gesetz aber noch lange nicht", sagt Matthias Lißke (60), Chef der Wirtschaftsförderung Erzgebirge.

Die Wirtschaft will Fachkräfte nach Deutschland locken, die wie dieser Einwanderer aus Somalia zum Beispiel in der Industrie als Schweißer arbeiten.
Die Wirtschaft will Fachkräfte nach Deutschland locken, die wie dieser Einwanderer aus Somalia zum Beispiel in der Industrie als Schweißer arbeiten.  © Patrick Pleul/dpa

"In den kommenden zehn Jahren werden allein in Sachsen etwa 300.000 ‎Erwerbspersonen fehlen, da weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen als ‎ältere in den verdienten Ruhestand gehen", erklärt Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD).

Da reißen Lücken auf, die Azubis, Rückkehrer oder Arbeitslose allein nicht schließen können. Schon jetzt beklagen Branchen wie das Handwerk oder das Gesundheitswesen den Fachkräftemangel. Sachsens Wirtschaft braucht qualifizierte Zuwanderung - darin sich sämtliche Verbände und Kammern einig.

Das neue Gesetz soll nun helfen, dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen und qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern. Ab heute können auch Fachkräfte zur Arbeitsplatzsuche kommen, wenn sie Deutsch sprechen und ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Vorrangprüfung, bei der geklärt wird, ob nicht auch ein inländischer Bewerber zur Verfügung steht, soll entfallen, wenn der ausländische Bewerber Qualifikation und Arbeitsvertrag nachweisen kann. Visa sollen schneller vergeben werden.

"Ob viele Fachkräfte nach Deutschland kommen, hängt vor allem davon ab, wie es gelingt, zwei zentrale Hürden – den Spracherwerb im Ausland und die berufliche Anerkennung in Deutschland – zu bewältigen", sagt Frank Vollgold, Sprecher der sächsischen Arbeitsagentur. Das sieht auch Matthias Lißke (60) so, Chef der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. Er sagt: "Das Interesse der Firmen ist groß. Ebenso der Beratungsbedarf. Der 'Flaschenhals' des neuen Gesetzes ist die Anerkennung ausländischer Abschlüsse aus Industrie und Handwerk. Das wird ganz schwer, denn diese sind international nicht vergleichbar."

Von den rund 85.000 ausländischen Arbeitnehmern, die gegenwärtig im Freistaat in einem regulären Job arbeiten, kommen 61 Prozent aus der EU. Für sie gilt sowieso die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Die übrigen 39 Prozent kommen aus Drittstaaten. Die meisten ausländischen Arbeitnehmer in Sachsen stammen aus Polen (19.789), Tschechien (11.129), Rumänien (5839) und Syrien (3575).

Im Gesundheitsbereich werden händeringend Kräfte gesucht. Deutschland wirbt um ausländische Pflegekräfte. Es konkurriert dabei mit vielen anderen Ländern Westeuropas.
Im Gesundheitsbereich werden händeringend Kräfte gesucht. Deutschland wirbt um ausländische Pflegekräfte. Es konkurriert dabei mit vielen anderen Ländern Westeuropas.  © Christian Charisius/dpa

Titelfoto: Patrick Pleul/dpa

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