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8500 Menschen, 37 Straftaten, 18 Verletzte: Das war der Chemnitzer Demo-Samstag

Drei große Demonstrationen in Chemnitzer Innenstadt mit insgesamt über 8500 Teilnehmern

Pro Chemnitz-Kundgebung, AfD-Trauermarsch sowie die Gegendemo “Herz statt Hetze“ gingen am Samstag in Chemnitz meist friedlich über die Bühne.

Chemnitz - Demo-Marathon überlebt: In der Stadt gab es am Samstag drei Großdemos mit mindestens 8500 Menschen verschiedener Lager (TAG24 berichtete per Live-Ticker). Die vorläufige Bilanz: Mindestens neun Verletzte und 25 Straftaten.

Das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" hatte zur Kundgebung"Herz statt Hetze" aufgerufen. Einige formulierten das Motto etwas um.
Das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" hatte zur Kundgebung"Herz statt Hetze" aufgerufen. Einige formulierten das Motto etwas um.

Um 15 Uhr startete die erste Kundgebung "Herz gegen Hetze" auf dem Parkplatz vor der Johanniskirche. Die Stadträte Susanne Schaper (40, Linke) und Petra Zais (61, Grüne) eröffneten die Anti-Rechts-Kundgebung, zu der etwa 4000 Menschen gekommen waren.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (56, SPD) richtete sich an die Teilnehmer der um 16 Uhr startenden rechtspopulistischen Demos: "Wer sich rechten Hetzern anschließt, macht sich mit denen gemein, die den Hitlergruß zeigen." Ob das die "Rechten" gehört haben, ist fraglich. Die Polizei, die mit Beamten aus ganz Deutschland vor Ort war, hatte die Kundgebungen sauber getrennt.

Um 16.15 Uhr forderte "Pro Chemnitz"-Chef Martin Kohlmann (41) vorm "Nischel" Selbstjustiz: "Wir müssen uns selber schützen, wenn der Staat seine Hausaufgaben nicht mehr wahrnimmt."

Wenig später löste seine Bewegung die Demo auf, um sich dem AfD-Schweigemarsch anzuschließen.

AfD-Trauermarsch kommt ins Stocken

Zur Politprominenz, die in Chemnitz anrückte, gehört auch der Grüne Cem Özdemir (52).
Zur Politprominenz, die in Chemnitz anrückte, gehört auch der Grüne Cem Özdemir (52).

Viel Erfolg hatte der Demozug nicht. Zwar sammelten sich vor dem AfD-Büro in der Theaterstraße rund 4500 Menschen, doch der für 17 Uhr geplante Umzug mit Thüringens AfD-Landessprecher Björn Höcke (46) an der Spitze startete erst über eine Stunde später.

Gegen 19.15 Uhr - nach etwa 250 Lauf-Metern - löste die Polizei den Schweigemarsch auf. Begründung: "Die Demonstrations-Versammlungszeit ist bereits überschritten, eine Umgehung der Bahnhofstraße/Zschopauer Straße ist aus gefahrenabwehrrechtlichen Gründen nicht möglich." Höcke rief zu einer friedlichen Rückkehr zum AfD-Büro auf, doch vielen passte das nicht.

"Widerstand"- und "Wir sind das Volk"-Rufe ertönten vom "Nischel", wo sich rund 2000 Menschen sammelten. Die Polizei forderte die rechten Protestler auf, das Werfen von Gegenständen auf Beamte zu unterlassen und nach Hause zu gehen. Ungefähr eine Stunde lang zog sich das Scharmützel hin, am Ende wurde den Rechten aber erlaubt, am Ort, an dem Daniel H. (†35) starb, Kränze abzulegen.

Die Polizei hatte die Lage diesmal im Griff, nur am Rande gab es Verletzte.

Trotz 1800 Polizisten blieb es nicht immer friedlich

Beim "Schweigemarsch" von AfD und Pegida liefen Partei-Rechtsaußen Björn Höcke (46) und Pegida-Gründer Lutz Bachmann (45) in vorderster Reihe mit.
Beim "Schweigemarsch" von AfD und Pegida liefen Partei-Rechtsaußen Björn Höcke (46) und Pegida-Gründer Lutz Bachmann (45) in vorderster Reihe mit.

Mindestens 25 Straftaten registrierte die Polizei. Details wurden jedoch noch ausgespart. Bei den Straftaten handelte es sich um Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Rangeleien mit der Polizei lieferten sich auch Teilnehmer aus einer Gruppe von 300 Personen, die versucht hatten, zu der Versammlung der AfD vorzudringen. Insgesamt gab es mindestens neu Verletzte.

Abseits der Demonstrationen wurde gegen 19.35 Uhr im Chemnitzer Ortsteil Markersdorf in der Wolgograder Allee ein 20-jähriger Afghane von vier vermummten Menschen angegriffen und geschlagen. Der Mann erlitt leichte Verletzungen. Die Polizei prüft, ob es sich bei den Tätern möglicherweise um ehemalige Versammlungsteilnehmer handeln könnte.

Die Chemnitzer Polizei ermittelt nach der Anzeige eines MDR-Teams auch zu einem Vorfall in einer Privatwohnung am Rande der Demos. Zu Details konnte eine Sprecherin noch nichts sagen. Der Sender selbst sprach von einer "Attacke" und einem Angriff auf zwei erfahrene Reporter, wobei einer verletzt wurde. Der eine MDR-Reporter soll von einem Bewohner gestoßen worden sein, als er an der Wohnung klingelte, um vom Balkon aus zu filmen.

Insgesamt waren 1800 Beamte im Einsatz. Die sächsischen Beamten wurden von Kollegen aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und der Bundespolizei unterstützt - darunter Reiterstaffeln, Diensthunde, Wasserwerfer und Sonderfahrzeuge.

Die Polizei sprach von insgesamt 9500 Teilnehmern an allen Veranstaltungen - nochmal 1000 Personen mehr, als die Versammlungsbehörde angab.

Update, 15.45 Uhr:

Die Polizei korrigiert die Anzahl der allgemeinen Straftaten von 25 nach oben auf 37 - mehrheitlich Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Das Ende der Fahnenstange sei vermutlich noch nicht erreicht, da viele Anzeigen erst im Nachgang gestellt würden. Außerdem werden nun 18 statt ursprünglich 9 Menschen als verletzt gemeldet.

Polizeipräsidentin Sonja Penzel gab Sonntagmittag noch zu Protokoll, dass auch die Gruppe des SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol, der sich jedoch selbst nicht unter den Opfern befand, attackiert wurde.

Der SPD-Vize-Vorsitzende schrieb selbst über Twitter: "Ich bin entsetzt. Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen. Alle SPD Fahnen zerstört und einige wurden sogar körperlich angegriffen." Die Ermittlungen laufen.

Auch Journalisten sollen attackiert worden sein.

Manuela Schwesig (44, SPD, Ministerpräsidentin von Meck-Pomm) bezog in Chemnitz Stellung gegen die Antidemokraten.
Manuela Schwesig (44, SPD, Ministerpräsidentin von Meck-Pomm) bezog in Chemnitz Stellung gegen die Antidemokraten.
Auch der "Nischel" von Karl Marx wurde ins Demogeschehen einbezogen.
Auch der "Nischel" von Karl Marx wurde ins Demogeschehen einbezogen.

Fotos: DPA, frank schneider, xcitepress/ce

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