Erschreckende Zahlen: Rechter Hass in Sachsen hat zugenommen

Dresden - Ist Sachsen wirklich eine Hochburg rechtsextremer Hassgewalt? Nicht im Vergleich mit anderen ostdeutschen Ländern, so eine Studie des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden. Doch die rechte Hassgewalt hat in Sachsen stark zugenommen.

Ebenfalls im Sommer 2015 kam es zu Demos und Gewalt vor diesem Dresdner Flüchtlingsheim.
Ebenfalls im Sommer 2015 kam es zu Demos und Gewalt vor diesem Dresdner Flüchtlingsheim.  © Roland Halkasch

Die Studie untersucht die Jahre 2011 bis 2016. Besonders im Zuge der "Flüchtlingskrise" hätte die Gewalt sprunghaft zugenommen, so Studienautor Prof. Uwe Backes (59): "Bei einem Viertel der untersuchten Fälle wiesen die Gewalttaten eine lebensbedrohliche Intensität auf." Die wichtigsten Erkenntnisse:

Die Ost-Länder haben allesamt einen deutlich höheren Anteil an rechten Gewalttätern, teils dreimal so hoch wie in West-Ländern.

Aber: Sachsen ist nur im Vergleich mit West-Ländern eine Hochburg, nicht innerhalb der Ost-Bundesländer. Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verzeichneten 2014-16 jeweils die meisten rechten Gewalttaten pro 100.000 Einwohner. Sachsen stand aber kontinuierlich unter den Top 6.

Bis 2013 richtete sich rechte Gewalt vor allem gegen Polizei und politische Gegner, ab dann aber immer öfter gegen Ausländer. Wurden 2011 noch rund 20 solcher Taten angezeigt, waren es 2015 bereits 120.

Die Opfer dieser Hassgewalt seien meist Personen, denen die Täter negative Gruppenmerkmale zuschreiben - also z.B. die "falsche" Hautfarbe.

Der Hass hört nicht auf: 2018 sorgten die Ereignisse in Chemnitz für bundesweite Schlagzeilen.
Der Hass hört nicht auf: 2018 sorgten die Ereignisse in Chemnitz für bundesweite Schlagzeilen.  © dpa/Jan Woitas

Viele Täter seien nicht mehr "jugendliche Schläger", sondern deutlich älter, besonders während der Flüchtlingskrise. Offensichtlich seien nun auch Menschen in den Strudel der Radikalisierung geraten, die unter anderen Bedingungen nicht gewalttätig geworden wären.

Oft gebe es keine Verbindungen ins rechtsextremistische Milieu. "Anti-Asyl-Proteste spielen eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung", so Backes. Genauso wie Facebook & Co..

Die Studie in Auftrag gegeben hat Integrationsministerin Petra Köpping (60, SPD): "Wir wollen wissen, ob unsere Instrumente die richtigen sind, um rechtsextremer Gewalt entgegenzuwirken."

Hassgewalt sei offensichtlich keine Jugendsünde mehr, sondern werde in weiteren Gesellschaftsschichten salonfähig.

Prof. Dr. Uwe Backes (59) hat die Studie mit seinem Mitautoren erstellt.
Prof. Dr. Uwe Backes (59) hat die Studie mit seinem Mitautoren erstellt.  © Norbert Neumann
Ausschreitungen im August 2015 vor einer Asylunterkunft in Heidenau. Die rechte Hassgewalt hat zugenommen, so die Studie.
Ausschreitungen im August 2015 vor einer Asylunterkunft in Heidenau. Die rechte Hassgewalt hat zugenommen, so die Studie.  © imago images/epd

Titelfoto: Roland Halkasch

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0