Sachsen rekrutiert Hilfssheriffs für Asylunterkünfte

Polizei-Gewerkschafter Hagen Husgen (51) lehnt das gesamte Konzept der Wachpolizei ab.
Polizei-Gewerkschafter Hagen Husgen (51) lehnt das gesamte Konzept der Wachpolizei ab.

Von Andrzej Rydzik

Dresden - Als Polizeimeister- und Kommissaranwärter zu schlecht, als Wachpolizisten gerade gut genug: 550 Wachpolizisten, die Asylunterkünfte absichern sollen, will die sächsische Regierung ab 2016 einstellen. Woher die kommen, scheint klar: Aussortierte Bewerber der Kampagne „Verdächtig gute Jobs!“ sollen es nun richten.

Am Freitag fand im Landtag die Expertenanhörung zum Wachpolizeidienst statt. Im Dezember werden die Abgeordneten abschließend über die CDU/SPD-Pläne entscheiden.

Für die Erstausstattung wird bereits mit vier Millionen Euro gerechnet. Die jährlichen Personalkosten sollen sich auf 23 Millionen belaufen.

Auf MOPO24-Nachfrage bestätigte Andreas Kunze-Gubsch (42), Sprecher des Innenministeriums (SMI), dass abgelehnte Bewerber im Alter zwischen 20 und 33 Jahren als künftige Wachpolizisten angeschrieben werden sollen.

Die Ausbildung von Polizei-Anwärtern ist langwierig, umfasst auch die Bewältigung von Konflikten mit größeren Gruppen. Für Wachpolizisten soll die Ausbildung deutlich verkürzt werden.
Die Ausbildung von Polizei-Anwärtern ist langwierig, umfasst auch die Bewältigung von Konflikten mit größeren Gruppen. Für Wachpolizisten soll die Ausbildung deutlich verkürzt werden.

„Sie besitzen ja eine gewisse Affinität für den Polizeidienst. Wenn sie ihren Job nach der verkürzten Ausbildung ordentlich machen, kann man hinterher sicherlich mit ihnen auch über eine geregelte Polizeilaufbahn reden“, erklärt der SMI-Sprecher.

Geplant ist, dass die künftigen 550 Wachpolizisten eine dreimonatige polizeiliche Basisausbildung erhalten, danach die Asylunterkünfte auch mit scharfen Waffen absichern. Die Ausbildung eines Polizeimeisteranwärters dauert 30 Monate.

Hagen Husgen (51), Landes-Chef der Polizeigewerkschaft GdP, lehnt die Pläne generell ab: „Für uns ist dies nur eine billige Variante, der Bevölkerung Aktionismus und damit Sicherheit vorzugaukeln.“

Und weiter: „Zwölf Wochen Ausbildung sind zu kurz. Ich habe auch Bedenken, ob die Ausbildung an der Waffe in dieser Zeit ausreichend sein wird. Die sichere Handhabung der Waffe in solch sensiblen und brisanten Bereichen, in denen die Wachpolizisten eingesetzt werden, steht auf einem ganz anderen Blatt."

Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) will den Wachpolizeidienst. Das Personal dafür soll aus dem Bewerbungspool der sächsischen Polizei kommen.
Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) will den Wachpolizeidienst. Das Personal dafür soll aus dem Bewerbungspool der sächsischen Polizei kommen.

Fotos: Steffen Füssel, dpa/Patrick Seeger


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