Immer mehr Ärzte in Sachsen kommen aus dem Ausland

Dresden – Hoch motiviert und gut ausgebildet: Gut 14 Prozent aller berufstätigen Ärzte in Sachsen kommen aus dem Ausland. Besonders für Mediziner aus den Nachbarländern wird der Freistaat immer attraktiver.

2700 Ärzte aus 98 Ländern arbeiten in Sachsen (Symbolbild).
2700 Ärzte aus 98 Ländern arbeiten in Sachsen (Symbolbild).  © 123RF

An den großen Kliniken sind die ausländischen Spezialisten schon gar nicht mehr wegzudenken - im ländlichen Raum allerdings gibt es laut der Sächsischen Landesärztekammer immer Bedarf an den "Halbgöttern in Weiß".

Knapp 2700 ausländische Mediziner aus 98 Nationen sind derzeit bei der Sächsischen Landesärztekammer gemeldet. Die meisten stammen aus der Tschechischen Republik (389), der Slowakei (278) und Polen (249). In den letzten vier Jahren hat sich die Anzahl der syrischen Ärzte von 52 auf 223 sogar mehr als vervierfacht.

"Der Bedarf an Ärzten ist vor allem in ländlichen Regionen besonders hoch, weil gerade junge Ärzte schon wegen der Infrastruktur lieber in Großstädten arbeiten möchten", erzählt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

"Dabei sind die medizinischen Möglichkeiten auf dem Land manchmal besser als in der Stadt. Nur das wissen die jungen Kollegen oftmals nicht." Bodendieck betont ausdrücklich, dass viele Kliniken in Sachsen sehr froh über die Unterstützung durch ausländische Ärzte sind, da manche Stationen sonst nur eingeschränkt arbeiten könnten.

25 Jahre lang leitete das Ehepaar Kuttner (Mi.) die Hausarztpraxis in Zittau. Jetzt haben die jungen Ärztinnen aus Tschechien Katerina Horn (37) und Dominika Karásková (33) die Praxis an der Dornspachstraße übernommen.
25 Jahre lang leitete das Ehepaar Kuttner (Mi.) die Hausarztpraxis in Zittau. Jetzt haben die jungen Ärztinnen aus Tschechien Katerina Horn (37) und Dominika Karásková (33) die Praxis an der Dornspachstraße übernommen.  © Rafael Sampedro

Von einem Ärztemangel will der Präsident der Landesärztekammer nicht sprechen - offenbar ein politisches Reizthema. Aber: Gute Mediziner brauche es immer.

"Der Bedarf entsteht durch das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung, die hohe Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen und die Tendenz der Teilzeittätigkeit bei Ärzten, weil sie verständlicherweise Beruf und Familie besser vereinbaren möchten", so Bodendieck. Aktiv abgeworben werde das Fachpersonal im Ausland aber nicht, heißt es vonseiten der Kammer.

Auf Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz 2016 müssen ausländische Ärzte ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen, wenn sie einen Antrag auf Berufserlaubnis oder Approbation in Sachsen stellen. Gibt es diesen Nachweis nicht, ordnet die Landesdirektion Sachsen eine Fachsprachenprüfung an.

"Der Arzt muss sich in der Prüfung spontan und weitgehend fließend mit Patienten und Kollegen verständigen, eine umfassende Anamnese erheben sowie komplexe Texte und Fachdiskussionen zu medizinischen Themen verstehen und wiedergeben sowie Befunde erklären können", so Bodendieck. Im vergangenen Jahr lag die Durchfallerquote bei 22 Prozent.

Erik Bodendieck begrüßt die Prüfung ausdrücklich. Denn: Gute Medizin sei schließlich zu 90 Prozent gute Kommunikation.

Die Ärztinnen Katerina Horn (37) und Dominika Karásková (33) leiten seit April eine Hausarztpraxis in Zittau.
Die Ärztinnen Katerina Horn (37) und Dominika Karásková (33) leiten seit April eine Hausarztpraxis in Zittau.  © Eric Münch

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