Ehrenamtliche zweiter Klasse: Sachsens Retter fühlen sich nicht genug gewürdigt!

Dresden - Stell dir vor, ein Unglück ist geschehen und keiner hilft. Ein Alptraum! Damit es nicht so weit kommt, bitten die ehrenamtlichen Aktiven von Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten jetzt selbst öffentlich um Unterstützung. Die Freiwilligen frusten gewaltig. Ihr Vorwurf: Das Innenministerium ignoriert ihre Bedürfnisse und Forderungen bei der Novelle des Sächsischen Gesetzes über Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz (SächsBRKG).

Katastrophenschützer der Malteser tragen einen Verletzten fort - bei Blaulicht-Einsätzen arbeiten ehrenamtliche und professionelle Retter Hand in Hand.
Katastrophenschützer der Malteser tragen einen Verletzten fort - bei Blaulicht-Einsätzen arbeiten ehrenamtliche und professionelle Retter Hand in Hand.  © Imago

"Die Gesetzesvorlage ist eine Katastrophe", wettert Markus Kremser (44) von der Helferinitiative "#status6" (das heißt "nicht einsatzbereit“ im Datenfunk der Sicherheitsbehörden). "Wir sind tieftraurig, enttäuscht. Wir haben dem Ministerium monatelang zugearbeitet. Doch aus der Verwaltung kommt kein positives Signal", sagt der Görlitzer.

Er spricht für rund 3.000 ehrenamtliche Helfer von Arbeiter-Samariter-Bund, Bundesverband Rettungshunde, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst.

Sachsens Katastrophenschützer fühlen sich derzeit als Ehrenamtliche zweiter Klasse. "#status6" kämpft für die sogenannte Helfergleichstellung - die juristische Gleichstellung der ehrenamtlichen Katastrophenschützer gegenüber den Kameraden von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.

Zudem fordern sie seit Jahren finanzielle Unterstützung, um angemessene Bedingungen für Arbeit, Ausbildung und Unterbringung bieten zu können. Fakt ist: Zurzeit können viele Einheiten von gepflegten Sanitäranlagen, Sozial- und Seminarräumen nur träumen.

Ein Wasserretter vom Deutschen Roten Kreuz sucht den Dippelsdorfer Teich nach einem Vermissten ab. Die Ehrenamtlichen investieren viele Stunden ihrer Freizeit zum Wohl der Allgemeinheit.
Ein Wasserretter vom Deutschen Roten Kreuz sucht den Dippelsdorfer Teich nach einem Vermissten ab. Die Ehrenamtlichen investieren viele Stunden ihrer Freizeit zum Wohl der Allgemeinheit.  © Tino Plunert

Im Fokus des Helfer-Interesses steht außerdem der Anspruch auf Erstattung von Verdienstausfall und Freistellung von der Arbeit bei Einsätzen – auch unterhalb der Katastrophenstufe (zum Beispiel beim Fund einer Fliegerbombe, wenn ehrenamtliche Retter ein Altersheim evakuieren).

Um das flächendeckend umzusetzen, "bedarf es dringend einer Ergänzung im Gesetz", sagt Dietmar Link, Vorstand im Johanniter-Landesverband Sachsen.

"Verbessern sich die Bedingungen nicht, bleiben uns die ehrenamtlichen Helfer weg und das System des Katastrophenschutzes wird empfindlichen Schaden nehmen. Welche Kosten dann auf den Freistaat zukommen würden, ist kaum vorstellbar“, mahnt Link.

Er erkennt an, dass die Politik mehr Geld in Brand- und Katastrophenschutz pumpt. Landkreisen und kreisfreien Städte werden zukünftig Investitionshilfen gewährt. Er sorgt sich aber, dass die Mittel nicht "in enger Abstimmung aller Beteiligter“ eingesetzt werden könnten.

Der Vize-Vorsitzende des Innenausschusses, Oliver Fritzsche (41, CDU), nimmt die Sorgen ernst. "Wir werden jetzt prüfen, ob die Intention des Gesetzgebers zur Helfergleichstellung den Erfordernissen der Praxis gerecht wird."

Er ist überzeugt: "Am Ende werden wir ein Gesetz haben, das allen Beteiligten so weit wie möglich entgegenkommt und noch in dieser Legislaturperiode beschlossen werden kann."

Ein verunglückter Kletterer wird mit dem Hubschrauber ausgeflogen - ohne die freiwilligen Spezialkräfte der Bergwacht Sachsen wären solche Bergungen im Gelände nicht durchführbar.
Ein verunglückter Kletterer wird mit dem Hubschrauber ausgeflogen - ohne die freiwilligen Spezialkräfte der Bergwacht Sachsen wären solche Bergungen im Gelände nicht durchführbar.  © Marko Förster
Im Landtag gab es kürzlich eine Anhörung zur Gesetzes-Novelle. 40 ehrenamtliche Helfer verliehen dabei vor und im Landtag ihrer Unzufriedenheit Ausdruck.
Im Landtag gab es kürzlich eine Anhörung zur Gesetzes-Novelle. 40 ehrenamtliche Helfer verliehen dabei vor und im Landtag ihrer Unzufriedenheit Ausdruck.  © PR/Johanniter
Christian Eckhardt engagiert sich im Katastrophenschutz. Er ist seit 2005 bei den Johannitern aktiv und arbeitet auch als Fachdozent für Sanitätsdienst, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz im Verein.
Christian Eckhardt engagiert sich im Katastrophenschutz. Er ist seit 2005 bei den Johannitern aktiv und arbeitet auch als Fachdozent für Sanitätsdienst, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz im Verein.  © PR/Johanniter
Ehrenamtler der Wasserwacht Pirna helfen der Polizei bei der Suche nach einer Frau am Kiessee Birkwitz.
Ehrenamtler der Wasserwacht Pirna helfen der Polizei bei der Suche nach einer Frau am Kiessee Birkwitz.  © Daniel Förster

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