Sächsischer Baum-Professor macht alte Bäume zum Nationalerbe

Dresden - Wie alt wird ein Baum wirklich in Sachsen? Achtzig, zweihundert oder gar fünfhundert Jahre? Damit es einmal tatsächlich einen tausendjährigen Baum in Deutschland gibt, lässt der Dresdner Forst-Professor Andreas Roloff (64) nun einige der hoffnungsvollen Kandidaten als Nationalerbe ausrufen. Als einer der ersten erhielt ein wunderschöner Ginkgo bei Riesa den Titel.

Die über 200 Jahre alte Babisnauer Pappel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Von hier aus hat man einen schönen Rundumblick.
Die über 200 Jahre alte Babisnauer Pappel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Von hier aus hat man einen schönen Rundumblick.  © Ronald Bonß

Besonders jetzt ist dieser mächtige Baum im Schloßpark Jahnishausen eine Augenweide: Durch die leuchtend goldgelbe Färbung tritt die einmalige Blattsilhouette noch prägnanter in Erscheinung.

Das Exemplar ist zwar erst 210 Jahre alt – damals wurden Ginkgos erstmals aus China eingeführt. Doch er hat tatsächlich das Potenzial, eines Tages über 1000 Jahre alt zu werden.

Ein 1000-Jähriger hierzulande ist dem Professor trotz aller Expertise nicht bekannt. Andreas Roloff: "In Deutschland werden zu viele dieser Bäume verstümmelt oder gekappt, um sie vermeintlich verkehrssicher zu machen."

Roloff gewann ausgerechnet die Motorsägen-Fabrikantentochter Eva Mayr-Stihl für die Finanzierung des Nationalerbe-Projekts. Mit ihr und einer Handvoll Baumwissenschaftler bildet er eine Kommission, welche die entsprechenden Kandidaten aussuchen, prämieren und mit einem Erhaltungskonzept versehen.

Mit dem Nationalerbe-Titel ist freilich kein offizieller Schutzstatus für den Baum verbunden. Doch bei den bisherigen Ausrufungen hat die Kommission erhebliche Aufmerksamkeit erzielt – plötzlich wussten die Nachbarn, was für ein Schatz hier wächst. Roloff: "Es gab größere Wertschätzung als etwa bei einem Naturdenkmal. Das macht mich jetzt schon stolz und happy."

Etwa sieben Baumarten können in unseren Breiten die Tausend kratzen: Sommer- und Winterlinde, Stiel- und Traubeneiche, Esskastanie, Ginkgo und Eibe. Heute wird der dritte Baum als Nationalerbe ausgerufen: eine Eibe mit vier Metern Stammumfang in Schleswig-Holstein.

Info: nationalerbe-baeume.de

Diese "Sachsen" haben Jahrhunderte auf dem Buckel

Prof. Andreas Roloff (64) verleiht Bäumen den Titel des Nationalerbes.
Prof. Andreas Roloff (64) verleiht Bäumen den Titel des Nationalerbes.  © Holm Helis

Wenn man in Dresden nach Kandidaten für das Nationalerbe sucht, kommt man an der Kaditzer Linde nicht vorbei. Sie steht neben der Emmauskirche, hat einen Stammumfang von zehn Metern und ist nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 700 und 900 Jahren alt.

Beim Dorfbrand 1818 wurde sie schwer beschädigt, erwies sich aber als Überlebenskünstlerin.

Wer monumentale Stieleichen mit einem Umfang bis acht Metern besuchen möchte, wird am Schöpsdamm in Pillnitz fündig. Und im benachbarten Schlossgarten steht die inzwischen über 230 Jahre alte Kamelie.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist die 211 Jahre alte Babisnauer Pappel, um die sich so einige Legenden ranken. Hier kann man in alle Richtungen schauen, auch über Dresden hinweg.

Als ältester Baum Sachsens wird noch immer die Friedhofslinde in Collm bezeichnet. Sie ist eine von 50 Linden in Deutschland, die von Orts-Chronisten und Hobby-Historikern als "tausendjährig" bezeichnet werden. Roloff: "Wie in Collm sind die Bäume zwischen 500 und 800 Jahre alt, und dann wurde großzügig gerundet."

Noch ältere Bäume findet man im Naturkundemuseum Chemnitz. Sie sind weltberühmt und weit über 200 Millionen Jahre alt. Leider ist der "Versteinerte Wald" mausetot und kommt somit für das Nationalerbe-Projekt nicht wirklich infrage.

Die Nationalerbe-Kommission hat derzeit 30 weitere sächsische Methusalems auf dem Schirm und ist für Vorschläge noch offen.

Dieser Ginkgo im Schlosspark Jahnishausen wurde schon zum Nationalerbe erklärt.
Dieser Ginkgo im Schlosspark Jahnishausen wurde schon zum Nationalerbe erklärt.  © privat
Überlebenskünstlerin: Die Kaditzer Linde überlebte sogar einen verheerenden Brand.
Überlebenskünstlerin: Die Kaditzer Linde überlebte sogar einen verheerenden Brand.  © Ronald Bonß
Bei starken Stürmen büßte die Babisnauer Pappel schon einen Teil ihrer Krone ein.
Bei starken Stürmen büßte die Babisnauer Pappel schon einen Teil ihrer Krone ein.  © Ronald Bonß
Die Collmer Linde bietet nicht nur einen einzigartigen Anblick. Sie gilt auch als ältester Baum Sachsens.
Die Collmer Linde bietet nicht nur einen einzigartigen Anblick. Sie gilt auch als ältester Baum Sachsens.  © Kristin Schmidt
Der versteinerte Wald im Museum für Naturkunde Chemnitz ist buchstäblich steinalt.
Der versteinerte Wald im Museum für Naturkunde Chemnitz ist buchstäblich steinalt.  © Uwe Meinhold

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0