Sturm "Fabienne" wütete in Sachsen: Stromleitung reißt und tötet Rinder

Stollberg - Das Sturmtief "Fabienne" ist am Sonntag auch über Sachsen gezogen. Pünktlich am Tag des kalendarischen Herbstanfangs wirbelte der Sturm durch den Freistaat. Starkregen und heftiger Wind verursachten zahlreiche Schäden. Im Erzgebirge wollen Anwohner sogar einen Tornado gesichtet haben.

Ein abgedecktes Dach verteilt sich in Hirschfeld auf einem Feld.
Ein abgedecktes Dach verteilt sich in Hirschfeld auf einem Feld.  © Mike Müller

Die Feuerwehr-Leitstelle in Chemnitz teilte am späten Sonntagabend mit, dass fast alle verfügbaren Kräfte im Einsatz seien. Besonders schwer habe es die Region um Stollberg (Erzgebirgskreis) getroffen. Dort flogen die Dächer zweier Häuser davon, wie ein Sprecher sagte. Bäume fielen auf Autos und versperrten Straßen und Gleise. Ein Firmengebäude im benachbarten Thalheim musste den Angaben nach gestützt werden und ist einsturzgefährdet.

Zwischen 18 und 20 Uhr war eine 140 Kilometer breite Unwetterfront über Sachsen gezogen. "Anrufer berichteten uns von einem Tornado im Erzgebirge", sagte der Feuerwehrsprecher. Es seien Extremniederschläge und Gewitterzentren beobachtet worden. "Die Schäden durch das Wetter sind erheblich. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Straßen und Gleise wieder frei zu bekommen."

In Hauptmannsgrün stürzte ein großer Ahornbaum gegen eine Hauswand und beschädigte ein weiteres Gebäude und einen Skoda. Hier entstand ein Schaden von 10.000 Euro.

Auf der Autobahn 72 zwischen der Anschlussstelle Zwickau-West und dem Parkplatz Waldkirchen stürzten mehrere Bäume auf die Fahrbahn. Bis 23:30 Uhr musste die Autobahn in beiden Richtungen mehrfach kurzzeitig gesperrt werden. Es bildete sich ein fünf Kilometer langer Stau.

Wegen zahlreicher umgestürzter Bäume musste der Zugverkehr auf den Strecken der Vogtlandbahn und des Trilex am Sonntagabend komplett eingestellt werden. Die Züge fuhren noch zu den nächstgrößeren Bahnhöfen, in denen sie verbleiben sollten, wie das Unternehmen Länderbahn mitteilte. Ein Busnotverkehr konnte den Angaben zufolge nicht eingerichtet werden. Mitarbeiter hätten sich aber um die Reisenden gekümmert und den Weitertransport organisiert.

Die Länderbahn ging am Abend davon aus, dass die Züge am Montagmorgen wieder fahren - allerdings werde es voraussichtlich noch zu Beeinträchtigungen kommen. Wie die Deutsche Bahn mitteilt, können Personen, die ihre bereits gebuchte Reise aufgrund von Fabienne in den betroffenen Regionen nicht antreten konnten, ihre Tickets gebührenfrei zurückgeben oder bis eine Woche nach Störungsende flexibel nutzen.

Auch am Montag ist es weiterhin herbstlich. Bei gerade mal bis zu 14 Grad kann es immer wieder regnen, auf dem Fichtelberg kann es auch schneien. Dazu weht laut dem Deutschen Wetterdienst ein stürmischer Wind. Am Dienstag bleibt es dann bei bis zu 15 Grad weitgehend trocken. Auf den Donnerstag können sich nochmal alle Sonnenanbeter in Sachsen freuen, es werden noch einmal bis zu 23 Grad!

Update 15.03 Uhr:

Im Osterzgebirge ist aufgrund des Sturmtiefs eine Mittelspannungsleitung zerrissen und auf ein Feld gefallen. Vier Rinder sind dabei verendet, teilte die Feuerwehr Glashütte (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) mit. 150 Haushalte seien circa anderthalb Stunden ohne Strom gewesen.

Überhaupt hatte die Feuerwehr rund um Dresden viel zu tun: Die Einsatzkräfte zählten in der sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge aufgrund des Sturms 23 Einsätze, wie die Feuerwehr Dresden mitteilte. In Dresden waren es sieben, im Raum Meißen 3. "Verletzt wurde aber niemand", sagte Thomas Bellmann von der Feuerwehr Dresden. Mehrere Fahrzeuge seien aber durch herabfallende Äste getroffen worden.

Update 12.20 Uhr:

Im Tierpark Hirschfeld stürzte jeder zweite Baum um. Viele trafen Ställe und Gehege. Ein Stamm tötete ein Wollschwein. "Hier sieht es aus wie im Krieg", stöhnte Bürgermeister Rainer Pampel (61, parteilos). "Ob es eine Windhose oder ein Tornado war, wissen wir nicht. Auf jeden Fall sind die Zerstörungen entsetzlich!" Der Tierpark bleibt mindestens eine Woche lang geschlossen.

Innerhalb weniger Minuten entwurzelte und zerstörte der Sturm nahezu alle Bäume auf dem Gelände des Tierheims Waldfrieden. Querliegende Baumstämme blockierten die Zufahrt, Telefon, Strom- und Wasserversorgung fielen aus. Nun sammelt der Tierschutzverein Stollberg Spenden.

Update 9.45 Uhr:

Noch immer kommt es nach dem Sturmtief zu Störungen im Bahn-Netz. Wie ein Pressesprecher der Länderbahn mitteilt, bestehen weiterhin Sperrungen auf einzelnen Abschnitten der Vogtlandbahn. Der Trilex in Ostsachsen rollt dagegen wieder ohne Probleme.

"Unregelmäßigkeiten gibt es auch noch, da einige unterwegs gestoppte Züge an ihre richtigen Ausgangsbahnhöfe überführt werden müssen", heißt es in einer Mitteilung. Im Laufe des Vormittags hofft man auf wieder auf eine Normalisierung.

Update 9 Uhr:

Auch den Zoo der Minis wurde von Sturmtief Fabienne nicht verschont. Wie der Verein auf Facebook mitteilt, wurde das Leopardengehege von einer großen Fichte getroffen: "Soweit das Unglück. Glück war, das Kollegen abends vor Ort waren und noch rechtzeitig unsere Leopardin LiLa einsperren konnten. Sie sitzt sicher und trocken in ihrem Innenbereich und wir müssen sehen, wie wir den Schaden schnellstmöglich beseitigen können."

Auch Bäume stürzten durch das Sturmtief auf Straßen.
Auch Bäume stürzten durch das Sturmtief auf Straßen.  © Niko Mutschmann
Ein abgedecktes Mehrfamilienhaus in der Lessingsstraße in Stollberg.
Ein abgedecktes Mehrfamilienhaus in der Lessingsstraße in Stollberg.  © Bernd März
In Zwönitz stürzte ein Baum auf einen Pkw.
In Zwönitz stürzte ein Baum auf einen Pkw.  © Bernd März

Titelfoto: Niko Mutschmann