Übel gemobbt von Schülern im Internet: Wer schützt unsere Lehrer vor Verleumdung?

Görlitz - Ein besonders schwerer Fall von Mobbing gegen Lehrer erschüttert derzeit das Augustus-Annen-Gymnasium in Görlitz.

Auch Lehrer werden immer wieder Opfer von Cybermobbing. Der Freistaat will das Problem mit Aufklärung und Prävention bekämpfen.
Auch Lehrer werden immer wieder Opfer von Cybermobbing. Der Freistaat will das Problem mit Aufklärung und Prävention bekämpfen.  © imago images/Ute Grabowsky

Schüler hetzten im Internet gegen mehrere Pädagogen, scheuten sich nicht vor üblen Beleidigungen oder gar schamlosen Beschuldigungen. Der Staatsanwalt ermittelt inzwischen. Doch wer schützt die Lehrer vor solchen fiesen Online-Gemeinheiten?

Immer wieder finden Schüler Plattformen, auf denen sie im Schutz der Anonymität gegeneinander hetzen können - und gegen Lehrer. Die Klassiker wie "Spickmich" oder "Schulradar" wurden bereits eingestellt.

Erst Anfang der Woche wurde die App "Lernsieg", auf der Schüler ihre Lehrer anonym "bewerten" konnten, nach nur drei Tagen vom Netz genommen. Doch auf Facebook und in WhatsApp-Gruppen wird munter weiter gehetzt.

In Görlitz wurde eine Instagram-Seite genutzt, um über verschiedene Lehrer in unterschiedlicher Intensität zu lästern. Es ging sogar soweit, dass einem unsittliche, sexuelle und strafbare Handlungen unterstellt wurden. Jens Drummer vom Schulverwaltungsamt: "Was da stand, entbehrte jeglicher Grundlage."

Das Gymnasium setzte den Hetzern ein Ultimatum, sich zu bekennen und bei den betroffenen Lehrern zu entschuldigen. Des Weiteren wurde versucht, die Vorfälle in den Klassen pädagogisch aufzuarbeiten. Mittlerweile besitzt die Schulleitung die Administratoren-Rechte der betroffenen Seite und stellte Strafantrag.

Kultusminister Christian Piwarz äußert sich zu dem Thema

Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU).
Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU).  © Holm Helis

"Cybermobbing und Verbreitung von Hass und Hetze in den sozialen Medien sind keine Kavaliersdelikte", stellt Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU) klar. "Die Schule kann hier einen Beitrag leisten, bei den Schülern ein Bewusstsein für die Tragweite ihrer digitalen Fußabdrücke zu schaffen." Doch auch die Elternhäuser seien in der Verantwortung.

Auch wenn es bereits verschiedene schwere Fälle von Mobbing an sächsischen Schulen gab, werden sie - anders als Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung und Sachbeschädigung - statistisch nicht erfasst. Piwarz: "Mobbingfälle, die Schulpsychologen und Beratungslehrern in der Beratung bekannt werden, unterliegen der Verschwiegenheit."

Im Ministerium setzt man mehr auf Aufklärung und Prävention - allein am Dienstag nahmen 470 Lehrer an einer Weiterbildung zur Medienkompetenz teil. Sprecher Dirk Reelfs: "Als eine wichtige Präventionsmaßnahme kann man dabei durchaus die Überarbeitung von über 100 Fachlehrplänen bezeichnen."

Den Görlitzer Schülern, gegen die wegen Verleumdung, Beleidigung und übler Nachrede ermittelt wird, drohen im Fall der Enttarnung Konsequenzen.

So dürfen 18-Jährige sehr wohl mit Geld- und Freiheitsstrafen rechnen, für Jugendliche gibt es noch Sanktionen. Allerdings sind unter 14-Jährige strafunmündig.

Heute kann man sich beim Mobben in der Anonymität des Internets verstecken. Doch die fiesen Botschaften sind besonders bitter für die Opfer.
Heute kann man sich beim Mobben in der Anonymität des Internets verstecken. Doch die fiesen Botschaften sind besonders bitter für die Opfer.  © imago images/Westend61
Früher gingen auch Zettel mit abwertenden Botschaften durch die Reihen des Klassenzimmers.
Früher gingen auch Zettel mit abwertenden Botschaften durch die Reihen des Klassenzimmers.  © dpa/Peter Endig

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