Sachsen überwacht den Borkenkäfer aus dem All

Dresden - Mit Hightech aus dem Weltall gegen einen zehn Millimeter großen Käfer: Die Auswertung von Satellitenbildern zeigt erstmals das ganze Ausmaß der Waldschäden durch den Borkenkäfer. Ein erschreckendes Bild.

Die Infrarot-Fotos des Erdsatelliten Sentinel 2 (hier in einer Simulation) helfen den Forstexperten, die regionale Verteilung der Borkenkäferschäden zu erfassen.
Die Infrarot-Fotos des Erdsatelliten Sentinel 2 (hier in einer Simulation) helfen den Forstexperten, die regionale Verteilung der Borkenkäferschäden zu erfassen.  © Astrium/EADS dpa

"Bisher haben wir die Schäden eigentlich nur über die Festmeter Schadholz erfassen können, die aus dem Wald geholt wurden", so Forstminister Wolfram Günther (47, Grüne). 

Er informierte sich am Mittwoch im Forstamt Dresden-Klotzsche über ein Projekt, das Waldschäden mithilfe von Daten des Weltraumsatelliten Sentinel 2 erfasst.

Das Verfahren ist so aufwendig wie einfach: Dabei werden Infrarotbilder der Europäischen Raumfahrtagentur ausgewertet. 

Auf den Fotos erscheint das Chlorophyll der Bäume rot. Flächen mit intakten Bäumen erscheinen in dunkler Farbe, geschädigte Flächen in helleren Rottönen. Vergleicht man die Bilderreihe von 2017 bis heute, zeigen sich krasse Veränderungen.

"Wir haben es mit Waldschäden durch den Borkenkäfer in einer noch nie dagewesenen Dimension zu tun", sagt Projektleiter Dirk-Roger Eisenhauer (59). 

Eingeschränkter Blick: Die kahlen Stellen im Waldbild sind zu erkennen. Aber nur aus dem Weltall ergibt sich ein vollständiges Bild.
Eingeschränkter Blick: Die kahlen Stellen im Waldbild sind zu erkennen. Aber nur aus dem Weltall ergibt sich ein vollständiges Bild.  © imago images / Dieter Mendzigall
Das Wandern ist des Müllers Frust: Viele Waldstücke im Nationalpark Sächsische Schweiz sind bereits kahl.
Das Wandern ist des Müllers Frust: Viele Waldstücke im Nationalpark Sächsische Schweiz sind bereits kahl.  © imago images / Dieter Mendzigall

56.000 Hektar Schadfläche verteilt sich über ganz Sachsen

Forstminister Wolfram Günther (47, Grüne, l.) und Projektleiter Dirk-Roger Eisenhauer (59): Die Karte auf dem Monitor zeigt das Ausmaß der Schäden.
Forstminister Wolfram Günther (47, Grüne, l.) und Projektleiter Dirk-Roger Eisenhauer (59): Die Karte auf dem Monitor zeigt das Ausmaß der Schäden.  © Marko Förster

Die Käferlarven fressen sich durch die Rinde und kappen damit die natürliche Nährstoffzufuhr der Bäume. Sie sterben ab. Betroffen sind vor allem Fichte und Kiefer auf einer Gesamtschadensfläche von 56.000 Hektar, verteilt über ganz Sachsen.

"Was wir bisher nicht wussten, ist, wie sich die Schadflächen in Sachsen regional und lokal verteilen", so Ullrich Scheidereit (52), Referatsleiter im Umweltministerium. 

Durch die neuen Erkenntnisse können nun gezielter Schäden beseitigt, Risiken beurteilt und Flächen für die schnelle Wiederbewaldung bestimmt werden. Das hilft, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Plage noch längst nicht vorbei ist. 

Im November werden die letzten Satellitenbilder im Rahmen des Projekts ausgewertet. Dann erwarten die Experten von Sachsenforst eine weitere Ausweitung der Schadflächen.

Titelfoto: Astrium/EADS dpa

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