Dulig rechnet ab: Das könnte in Sachsen besser laufen

SPD-Landes-Chef Martin Dulig (43) am Donnerstag bei der Vorstellung seiner Ideen in 
Dresden.
SPD-Landes-Chef Martin Dulig (43) am Donnerstag bei der Vorstellung seiner Ideen in Dresden.  © DPA

Dresden - Halbzeit bei der Großen Koalition Sachsen. Für eine erste Bilanz prescht nun Juniorpartner SPD vor und serviert gleich Vorschläge, wie es weitergehen soll - garniert mit einem Hauch Selbstkritik.

„Wir arbeiten in dieser Koalition besser als in unserer ersten Koalition zusammen“, sagt SPD-Landes-Chef und Vize-MP Martin Dulig (43) mit Blick auf die gemeinsame Regierungszeit 2004 bis 2009. „Sowohl wir als auch die CDU haben dazu gelernt.“ Allerdings würden viele „Reparaturmaßnahmen“ erst in drei, vier Jahren und später „voll greifen“. Dabei bezieht sich Dulig auf die CDU/FDP-Koalition 2009-2014.

Auch wenn das Land seiner Ansicht nach nun gut regiert werde, könne es mehr. Dafür wollen die Genossen den „Sachsenplan Heimat 4.0“ ausarbeiten. Kern: eine Bildungsoffensive mit

  • weiterer Senkung des Betreuungsschlüssels, Einbeziehung der Vor- und Nachbereitungszeiten;
  • Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, Einrichtung des „Runden Tischs Ganzstagsschule“;
  • Integration des Horts in die Grundschule;
  • Schaffung von Jugendzentren für Schüler an Oberschulen und Gymnasien,
  • Reform der Lehrerausbildung, jedoch erst in der nächsten Legislaturperiode. Der Plan soll Ende 2018 vorliegen.

Meine Meinung: "Vorwärts, Genossen!"

TAG24-Redakteur Torsten Hilscher hat sich Gedanken zum Kurs der SPD gemacht.
TAG24-Redakteur Torsten Hilscher hat sich Gedanken zum Kurs der SPD gemacht.  © Steffen Füssel

Ein Kommentar von Torsten Hilscher

Die sächsische SPD will ein Bildungspapier ausarbeiten. Es ist Teil des ebenfalls geplanten „Sachsenplans 4.0“.

Klingt erstmal gut. Sollte aber Anlass sein, die sozialdemokratischen Leistungen auf diesem Feld genauer unter die Lupe zu nehmen. Nicht im Schulwesen, denn das ist ministeriell in CDU-Hand. Sondern beim Thema Lehrer und Universitäten. Das nämlich wird durchs SPD-geführte Wissenschaftsministerium betreut.

Die Landeszentrale für politische Bildung hat noch immer keinen Chef, obwohl Vorgänger Frank Richter am 12. November kündigte. „Dabei gibt es in diesem Land viel zu tun bei politischer Bildung“, sagt Richter enttäuscht. Aber SPD und CDU pokern hinter den Kulissen um einen genehmen Neu-Direktor.

Zu den Unis: Dresden verliert die Voll-Juristenausbildung, in Leipzig verkümmert die anerkannte Sektion Journalistik, Chemnitz wartet weiter auf eine Lehrer-Ausbildung über die Grundschulstufe hinaus.

Auch die Ideen für das Papier lassen aufhorchen: Hort an der Grundschule, Ausbildungsgarantie für Jugendliche. Genossen, das war alles schon mal da!

Dass Landes-Chef Martin Dulig postuliert, sollte das neue Schulgesetz nicht greifen, werde man „eine erneute Änderung anstreben“, macht wütend. Es darf also weiter auf Kosten der Kinder experimentiert werden?! Gerade wo an dieser Front nach 26 Jahren Bastelei im Osten und fast 50 Jahren Herumprobieren im Westen nun endlich mal Klarheit und Ruhe herrschen sollte.

Die Krone setzt der Blick nach Hamburg auf: Von dort will die Sachsen-SPD bei der Berufsausbildung lernen. Hilfe! Das können wir selbst besser. Liebe SPD: Mehr Realismus bitte.


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