Sachsen will Auslieferung von Ex-V-Mann und Neonazi

Blick auf eine Kreuzung in Zwickau. Hier soll V-Mann „Primus“ alias Ralf Marschner zwei Läden betrieben haben.
Blick auf eine Kreuzung in Zwickau. Hier soll V-Mann „Primus“ alias Ralf Marschner zwei Läden betrieben haben.

Dresden/Bern - Die sächsische Justiz wird in der Schweiz die Auslieferung von Ralf Marschner (44), Neonazi und früherer V-Mann des Verfassungsschutzes beantragen. Marschner gilt als Schlüsselfigur für die Aufklärung des NSU-Komplexes.

Gegen Marschner, der von 1992 bis 2002 in Zwickau als V-Mann „Primus“ zumindest im Umfeld des Terror-Trios NSU tätig war, liegt seit Ende 2012 im Zusammenhang mit einer Insolvenzverschleppung ein Vollstreckungshaftbefehl vor. Doch Marschner lebt seit Jahren in der Schweiz.

Es gehe in erster Linie darum, eine Vollstreckungsverjährung zu vermeiden, so Ministeriumssprecher Jörg Herold. Ohne Antrag auf Auslieferung könne das 2009 vom Amtsgericht Chemnitz gegen Marschner verhängte Urteil zu einer Zahlung von 4500 Euro ab 2017 nicht mehr vollstreckt werden. Marschner hatte nicht gezahlt - daher der Haftbefehl.

Hoffnung auf eine Auslieferung macht man sich im Justizministerium aber nicht! Denn Insolvenzverschleppung sei in der Schweiz nicht strafbar, so Herold. Zudem liegt die verhängte Strafe unter der im Europäischen Haftbefehlgesetz geregelten Mindeststrafe von vier Monaten. Marschner war V-Mann in der Zwickauer Neonazi-Szene.

In dieser Zeit soll er die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, in seinen Firmen beschäftigt haben.

Foto: dpa/Jan Woitas


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