Katholische Kirche verscherbelt Sommerresidenz

Dresden/Bautzen - Hier haben Bischöfe Urlaub gemacht. Das "Piushaus" in der Oberlausitz ist ein beeindruckendes Geschichtszeugnis. Jetzt steht das "sächsische Castel Gandolfo" für wenig Geld, aber mit einigen Belastungen, zum Verkauf.

Das "Piushaus" in der Oberlausitz war einst bischöfliche Sommerresidenz. Zwischen 1971 und 2006 beherbergte es einen katholischen Kindergarten. Links im Park eine Marienstatue.
Das "Piushaus" in der Oberlausitz war einst bischöfliche Sommerresidenz. Zwischen 1971 und 2006 beherbergte es einen katholischen Kindergarten. Links im Park eine Marienstatue.  © Holm Helis

"Jetzt wird es spannend." Veronika Paul öffnet eine Flügeltür im ersten Stock. Paul arbeitet als Baureferentin für das Bistum Dresden-Meißen und das Domkapitel Dresden.

Das "Piushaus", das sie zeigt, steht auf einer Anhöhe in Schirgiswalde (bei Bautzen). Hier urlaubten in drei Jahrhunderten die katholischen Bischöfe aus Sachsen, als ihr Amtssitz noch in Bautzen lag. Am 23. August wird es von der Sächsischen Grundstücksauktionen AG in Dresden versteigert.

Ein kleiner Saal ist zu sehen, verhangene Fenster, staubige Luft. Aber an den Wänden ein Panoramabild mit Motiven aus Brasilien: Europäische Kolonial-Eroberer stehen Indianern gegenüber.

Gedruckt ist die Szenerie auf Tapeten. "Die stammen aus dem Jahr 1838", sagt Bauingenieurin Paul. Im Nachbarzimmer hängen sogar Tapeten von 1828, sie zeigen antike Szenen. "Gedruckt in Paris", schwärmt Paul.

Die Auskunftsfreudigkeit der sonst in Immobiliendingen eher schweigsamen Kirche hat Gründe. Zwischen 1959 und 1970 nutzte eine Kirchenmusikschule das Haus. Aber seit 2006 steht es leer. Der katholische Kindergarten, der bis dahin hier ansässig war, zog in eine ausgebaute Scheune auf dem fast 11 000 Quadratmeter großen Areal.

Seit dem Umzug der Kinder erhält ein Hausmeister das "Piushaus" mehr schlecht als recht. Im Erdgeschoss bröseln feuchte Wände, die Tapetenzimmer vergammeln, der Park verwildert.

Aber das leere Haus (600 Quadratmeter) braucht Heizung und Sicherung, die Tapeten müssten dringend restauriert werden - Das alles wächst dem Domkapitel über den Kopf. Doch Verkaufsversuche übers Internet scheiterten.

Das Einstiegsgebot liegt nun bei 195 000 Euro.

Die bunten Tapeten stammen aus dem Jahr 1838. Eine Restaurierung ist längst überfällig.
Die bunten Tapeten stammen aus dem Jahr 1838. Eine Restaurierung ist längst überfällig.  © Holm Helis
Ein zweiter Saal ist mit Pariser Tapeten aus dem Jahr 1828 ausgestaltet.
Ein zweiter Saal ist mit Pariser Tapeten aus dem Jahr 1828 ausgestaltet.  © Holm Helis
Dieser dritte Saal beeindruckt durch seine Illusionsmalereien an der Decke und an den Wänden.
Dieser dritte Saal beeindruckt durch seine Illusionsmalereien an der Decke und an den Wänden.  © Holm Helis
Will verkaufen: Generalvikar Andreas Kutschke (44) vom Bistum ist zugleich Leitender Domdekan im Domkapitel Dresden, dem das "Piushaus" gehört.
Will verkaufen: Generalvikar Andreas Kutschke (44) vom Bistum ist zugleich Leitender Domdekan im Domkapitel Dresden, dem das "Piushaus" gehört.  © Thomas Türpe

Titelfoto: Holm Helis


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