Sachsens Bundestags-Frischlinge erzählen: So war unser erster Tag im Parlament

Die Neuen im Parlament (im Uhrzeigersinn): Frank Müller-Rosentritt (FDP), Jens Lehmann (CDU), Torsten Herbst (FDP), Alexander Krauß (CDU), Siegbert Droese (AfD), Sören Pellmann und sein Roter Bär (Die Linke).
Die Neuen im Parlament (im Uhrzeigersinn): Frank Müller-Rosentritt (FDP), Jens Lehmann (CDU), Torsten Herbst (FDP), Alexander Krauß (CDU), Siegbert Droese (AfD), Sören Pellmann und sein Roter Bär (Die Linke).  © DPA/Privat

Berlin - Als der neue Bundestag am Dienstag zu seiner ersten Sitzung zusammentraf, waren auch 38 Sachsen im Parlament. 17 dieser frisch gewählten Abgeordneten nahmen zum allerersten Mal im Hohen Hause Platz. Wie sich das angefühlt hat, wollte TAG24 von sechs sächsischen „Novizen“ wissen.

In seinem Leben habe es bisher drei hochemotionale Momente gegeben, berichtete der Leipziger Jens Lehmann (49, CDU) . „Das war mein Olympiasieg, dann der Moment, als Leipzig die deutsche Olympiabewerbung zugesprochen bekam, und jetzt der Einzug in den Bundestag.“

Fürs erste Selfie vorm Bundesadler holte sich der Ex-Bahnradsportler einen anderen Ex-Champion an die Seite - den Kunstturn-Weltmeister Eberhard Gienger, der seit 2002 für die Union im Bundestag sitzt.

Mit Maskottchen reiste der Linke Sören Pellmann (40) an. Ein von seiner Schwester gehäkelter roter Teddybär verfolgte die erste Sitzung mit und ist fortan auf Twitter Pellmanns Öffentlichkeitsarbeiter (@RoterBaerBTW). Was dem Leipziger Grundschullehrer sofort auffiel: „Das Parlament ist ziemlich undiszipliniert, jeder quatscht dazwischen.“ Seine letzte Klasse, eine vierte, sei da wesentlich gesitteter gewesen.

Etwas anders empfindet das der Dresdner Torsten Herbst (44), der mit dem Chemnitzer Frank Müller-Rosentritt (35) für die FDP erstmals im Bundestag sitzt. „Das Parlament ist lebendig, es geht zackig zur Sache“, freut sich Herbst. Nur der viele Papierkram regt die auf digital getrimmten Liberalen auf. „Für alles Mögliche gibt es Formulare“, ächzt Müller-Rosentritt. Und als Herbst den Schlüssel für sein Büro abholen wollte, traf er doch tatsächlich auf eine Mitarbeiterin der Bundestagsverwaltung, „... die an einer Schreibmaschine saß und mit Karteikarten und Registern hantierte“.

FDP-Mann Müller-Rosentritt ist dennoch voller Dankbarkeit: „Mein Beispiel zeigt, dass ich in einem Land lebe, wo auch ein ,Otto Normalbürger‘ aus dem Leben heraus in die höchste Volksvertretung gewählt werden kann.“

So denkt auch Alexander Krauß (41) , der CDU-„Novize“ aus dem Erzgebirge. „Eine große Ehre und Verantwortung ist das für mich“, erzählt der Gewinner eines Direktmandates. Freundlich und kollegial sei es am ersten Tag zugegangen, meint Krauß. „Und selbst der Möhreneintopf in der Bundestagskantine war lecker.“

Stellvertretend für die zehn AfD-Neulinge erzählt der Leipziger Abgeordnete Siegbert Droese (48) von seiner Berlin-Premiere. „Der Tag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst, das war schon sehr feierlich.“ Der Streit um den Alterspräsidenten verhagelte dem AfD-Politiker dann jedoch etwas die Feststimmung. Auf offene Ablehnung sei er jenseits der Debatten aber nicht gestoßen. „Wenn man sich auf den Gängen oder im Aufzug trifft, wird freundlich gegrüßt“, berichtet Droese.

Ein unangenehmes Andenken an seinen ersten Tag im Parlament hat er dann aber doch mit nach Leipzig gebracht: „Die Sitze sind ziemlich unbequem, da habe ich mir gleich einen Nerv eingeklemmt ...“


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