Sachsens historisches Bauteile-Archiv wird verramscht

Vereins-Chef Uwe Bielefeld sitzt
auf den Guss-Säulen des alten
Bahnhofs Dresden-Neustadt.
Eine Säule wiegt eine Tonne.
Vereins-Chef Uwe Bielefeld sitzt auf den Guss-Säulen des alten Bahnhofs Dresden-Neustadt. Eine Säule wiegt eine Tonne.  © fotojump

Trebsen - Es ist ein Unikat in Ostdeutschland: Seit der Wende werden im Sächsischen Bauteilearchiv Trebsen historische Teile denkmalgeschützter Gebäude aufbewahrt, darunter Sandsteine der Dresdner Frauenkirche und Bleiglasfenster des alten Reichsgerichts. Doch jetzt wird das Archiv aufgelöst, ein Großteil der Exponate verramscht.

Uwe Bielefeld (61) zerreißt es fast das Herz. Jahrzehntelang hat der Chef des Fördervereins Rittergut Trebsen e.V. Sachsens großen Denkmal-Schatz vermehrt und gepflegt.

Mehr als 20.000 Exponate lagern heute im Bauteilearchiv, neben original Sockelteilen der Frauenkirche auch der alte Kristallleuchter aus dem Rathaus Zwickau, Renaissance-Balkendecken aus Freiberg und Guss-Säulen vom Bahnhof Dresden-Neustadt.

Doch damit ist jetzt Schluss. Weil das wertvolle Archiv dringend aus seinem hochwassergefährdeten Domizil, der alten Papierfabrik Trebsen, ausziehen muss und der Freistaat offenbar kein Interesse mehr an seinem Denkmal-Schatz hat, wird das Archiv nun aufgelöst.

 Aus Gründerzeithäusern geborgen:
Kacheln und ganze Kachelöfen. Im Bergelager zum
Verkauf: Treppengeländer-Säulen

aus Gründerzeithäusern.
Aus Gründerzeithäusern geborgen: Kacheln und ganze Kachelöfen. Im Bergelager zum Verkauf: Treppengeländer-Säulen aus Gründerzeithäusern.  © fotojump

„2015 ist die Förderung des Archivs eingestellt worden und neue Räume stellt uns der Freistaat auch nicht zur Verfügung“, erzählt Bielefeld traurig.

Im vorvergangenen Jahr musste der Förderverein schon sein Bildungszentrum für handwerkliche Denkmalpflege schließen. Hunderte Restauratoren waren hier seit 1994 aus- und weitergebildet worden.

„Doch auch dafür war plötzlich kein Geld mehr da“, sagt Bielefeld. Auf Morgenpost-Nachfrage teilte das Innenministerium mit, dass die Förderung aus Mitteln des Landesprogrammes Denkmalpflege aufgrund rückläufiger Nachfrage nach den Bildungsangeboten eingestellt worden sei.

Am 18. März kann sich nun jedermann ein Stück Frauenkirche kaufen oder ein Bleiglasfenster aus dem Reichsgericht.

Bielefeld: „Nur etwa zehn Prozent der Sammlung, überwiegend Stuck, Schlösser und Beschläge, können wir ins Rittergut auslagern.“

Auch das vom Verein seit über zwei Jahrzehnten betriebene Bergelager - ein Warenhaus, in dem Restauratoren historische Baumaterialien erwerben können, die aus Abbruchhäusern geborgen wurden - muss nun aufgelöst werden.

„Da lagern etwa 50.000 Teile vom Kachelofen über Türen bis hin zum alten Treppengeländer“, beschreibt Bielefeld. Den Erlös will der Verein für den Aufbau eines Geoinformationszentrums im Rittergut verwenden.

Bauteilearchiv-Chef Uwe Bielefeld
(61) zeigt ein Bleiglasfenster
mit Wappen aus dem alten
Amtsgericht Leipzig.
Bauteilearchiv-Chef Uwe Bielefeld (61) zeigt ein Bleiglasfenster mit Wappen aus dem alten Amtsgericht Leipzig.  © fotojump