Jetzt wappnet sich Sachsens Polizei gegen den Terror

Die größte Herausforderung besteht aber darin, die Köpfe der Polizisten auf die Terrorgefahr einzustellen.
Die größte Herausforderung besteht aber darin, die Köpfe der Polizisten auf die Terrorgefahr einzustellen.

Sachsen - Sind unsere Polizisten gegen die neuen Gefahren durch Terroranschläge gerüstet? In den Entscheidungsgremien wird jetzt die Wappnung der sächsischen Polizei vorbereitet.

Laut Horst Kretzschmar, Präsident der Bereitschaftspolizei, besteht bei drei Schwerpunkten dringender Handlungsbedarf: Bei der Ausrüstung, in der Ausbildung und in den Köpfen der einzelnen Beamten.

In Situationen mit Terrorgefahr ist unverzügliches Handeln gefordert. Zwar gibt es in Deutschland vorzüglich ausgebildete Spezialeinsatzkommandos, die auf solche Lagen vorbereitet sind.

Doch es braucht eine Weile, bis die Kräfte an der Gefahrenstelle sind. So lange muss der einfache Beamte vor Ort die richtigen Entscheidungen treffen - etwa bei einem Selbstmordattentäter.

Reden ist Silber

Horst Kretzschmar (56), Präsident der sächsischen Bereitschaftspolizei, muss seine acht Hundertschaften für den Terror wappnen.
Horst Kretzschmar (56), Präsident der sächsischen Bereitschaftspolizei, muss seine acht Hundertschaften für den Terror wappnen.

Horst Kretzschmar: „Jeder Polizist, der heute in der Stadt unterwegs ist, muss sich bewusst sein, dass er jetzt derjenige ist, der die Gefahr erkennen und schnellstens handeln muss. Das erwartet der Bürger auch mit Recht von ihm.“ Und da muss sich in den Köpfen der Beamten einiges ändern."

Denn bisher folgten Polizisten im Einsatz einem fest antrainierten Stufenprogramm, wonach Konflikte zunächst deeskalierend durch das gesprochene Wort gelöst werden sollten. Erst wenn das nichts half, wurde es mit leichtem Zwang versucht.

Kretzschmar: „Bei einem Sprengstoff-Attentäter kann man nicht erst reden, da muss man sofort auf der obersten Stufe rein.“

Neue Wege sind nötig

Die neue Heckler & Koch löst die bisherigen Polizeipistolen ab. Rechts: Zu wenig Beweglichkeit: Kretzschmar lehnt die bayrische „Lord-Helmchen“ Schutzausrüstung ab.
Die neue Heckler & Koch löst die bisherigen Polizeipistolen ab. Rechts: Zu wenig Beweglichkeit: Kretzschmar lehnt die bayrische „Lord-Helmchen“ Schutzausrüstung ab.

Für diesen Paradigmenwechsel müssen die Einsatzkräfte freilich trainiert werden.

Kretzschmar: „Die Erkenntnis kam mir schon einen Tag nach Paris, dass wir jetzt neue Wege auf der Ausbildungsschiene gehen müssen.“ Derzeit werden neue Schulungsprogramme erarbeitet und beraten, spätestens im nächsten Jahr soll es losgehen."

„Wenn wir die Konzepte dann umsetzen wollen, benötigen wir Schießstätten“, sagt der Präsident der Bereitschaftspolizei.

„Und wir brauchen Ausbildungsbasen, wo man solche Terrorlagen wie in Paris simulieren kann.“ Was bisher nur die Spezialeinheiten übten, sollen auch gewöhnliche Polizisten beherrschen.

Technik wird aufgestockt

Das Sonderfahrzeug SW4 der Bereitschaftspolizei ist viel zu alt. Der Freistaat bestellt jetzt drei neue gepanzerte Bergefahrzeuge.
Das Sonderfahrzeug SW4 der Bereitschaftspolizei ist viel zu alt. Der Freistaat bestellt jetzt drei neue gepanzerte Bergefahrzeuge.

Und auch bei der technischen Ausstattung sind jetzt erhebliche Investitionen nötig.

Dafür ist der Bund zuständig, der aber pro Jahr nur 13 Millionen Euro für alle Bundesländer zahlt. Noch im Sommer forderte Kretzschmar, dass der Bund mehr Verantwortung übernimmt.

Doch inzwischen hat man auch in Berlin die Zeichen der Zeit erkannt. Horst Kretzschmar: „Das Budget für dieses Jahr wurde jetzt kräftig aufgestockt. Es ist eine positive Tendenz erkennbar.“ Somit kann die Bereitschaftspolizei die nötigen Investitionen angehen.

Das ist auch dringend nötig. Ein großer Teil der Spezialfahrzeuge ist 20 Jahre und älter. Besonders die Befehlskraftwagen für die Einsatzleitung oder Transportmittel für die Ausrüstung sind schon lang nicht mehr auf dem Stand der Technik.

Eine Lehre aus Paris: Die Ausbildung der Polizisten - auch bei der Spurensicherung - muss umgestellt werden.
Eine Lehre aus Paris: Die Ausbildung der Polizisten - auch bei der Spurensicherung - muss umgestellt werden.

Als erste Reaktion auf die neue Terrorgefahr sollen jetzt drei gepanzerte Fahrzeuge angeschafft werden, die auf die Standorte Dresden, Leipzig und Chemnitz verteilt werden.

Denn der bisherige Sonderwagen SW4, der für Räumung, Bergung und Evakuierung genutzt werden kann, ist bereits 25 Jahre alt. Kretzschmar: „Hier geht der Freistaat in Vorleistung, weil wir diese Fahrzeuge dringend brauchen.“

In diesen Wochen bekommen Sachsens Polizisten auch neue Pistolen. Die neue Heckler [&] Koch hat gegenüber der alten P7M8 entscheidende Vorteile: die Kapazität erhöht sich von acht auf 13 Schuss, der Lauf ist länger und damit zielgenauer und die Entsicherung benötigt weniger Kraft.

Künftig achten die Einkäufer der Polizei auch auf den Stichschutz bei Schutzwesten. Die höchste Schutzklasse wird nur für Sondereinsätze zurückgelegt - der Beamte ist mit solch einer Rüstung viel zu unbeweglich.

So wird auch erwogen, ob man den ballistischen Schutz für einzelne Einheiten erhöht.
So wird auch erwogen, ob man den ballistischen Schutz für einzelne Einheiten erhöht.

Foto: dpa (2)/Uwe Anspach, imago (2), Ralf Seegers (2), PR (1)


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