Sind Sachsens Schüler politisch ungebildet, Frau Minister?

Im Gespräch mit Morgenpost-Redakteurin Juliane Morgenroth (38): Kultusministerin Brunhild Kurth (60, CDU) und Peter Lorenz (53), Chef des Landeselternrates.
Im Gespräch mit Morgenpost-Redakteurin Juliane Morgenroth (38): Kultusministerin Brunhild Kurth (60, CDU) und Peter Lorenz (53), Chef des Landeselternrates.

Von Juliane Morgenroth

Dresden - Haben die PEGIDA-Demos ihren Ursprung auch im sächsischen Schulsystem, weil politische Bildung vernachlässigt wird, wie Kritiker behaupten? Kultusministerin Brunhild Kurth (60, CDU) weißt das im Gespräch mit MOPO24 scharf zurück.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger (55), hatte kritisiert, dass Naturwissenschaften in Sachsen bevorzugt würden, politische Bildung aber weniger Aufmerksamkeit als anderswo habe.

Ähnlich äußerten sich der Landesschülerrat und die Dresdner Politik-Professorin Anja Besand (43).

Damit konfrontiert sagt Ministerin Kurth zu MOPO24: „Gesellschaftswissenschaftliche Fächer haben einen Unterrichtsanteil von einem Viertel bis hin zu einem Drittel und liegen damit voll im Bundestrend. Ich ärgere mich über solche Einschätzungen, dass die Schule Schuld hat an der Massivität der PEGIDA-Demonstrationen.“

Ministerin Brunhild Kurth wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Ministerin Brunhild Kurth wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Die Lehrer leisteten exzellente Arbeit - auch wenn es an einigen Stellen noch besser laufen könne.

Sie sieht bei der Erziehung zur Demokratie aber vor allem das Elternhaus in der Pflicht: „Und erst dann kommt die Schule.“

Aktionismus lehnt sie ab - wie auch ein Extra-Fach Politische Bildung: „Jedes Fach ist dafür geeignet. Auch Mathematik. Aktuelle Themen kann ich nicht aussparen als Lehrer. Die Fakten der demokratischen Grundordnung auswendig zu pauken, macht aus Schülern noch keine Demokraten.“

Es komme auf die Schulkultur an. Daher will sie - unabhängig von PEGIDA - an allen Schularten noch mehr für Schüleraustausch und Schulpartnerschaften werben, um Weltoffenheit zu fördern.

Schulen müssten ihre Türen öffnen.

„In der Schülergeneration sind Ängste gar nicht so vorhanden. Wichtig ist die Atmosphäre im Elternhaus.“

Schule allein mache keine bessere Gesellschaft.

Unterstützung bekommt sie vom Chef des Landeselternrates, Peter Lorenz (53): „Eltern müssen Verantwortung übernehmen und nicht alles der Schule überlassen. Was wir heute säen, werden wir morgen ernten.“

Aber: „Internationale Projekte an Schulen müssen mehr publik gemacht und besser unterstützt werden.“

Fotos: Steffen Füssel


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