Sachsens Steuerfahnder auf der Spur von Millionenbetrügern

Leipzig - Umsatzsteuerkarusselle, schwarze Kassen, verschleierte Erlöse - dem Fiskus entgehen durch Steuerbetrug jedes Jahr zig Millionen Euro. Doch nicht alle Betrüger bleiben unentdeckt. Im letzten Jahr spürten Sachsens Steuerfahnder 65,8 Millionen Euro hinterzogene Abgaben auf.

Finanzminister Matthias Haß (52, CDU): "Der Staat muss sich anstrengen, wenn er auf Augenhöhe mit den Steuerbetrügern bleiben will."
Finanzminister Matthias Haß (52, CDU): "Der Staat muss sich anstrengen, wenn er auf Augenhöhe mit den Steuerbetrügern bleiben will."  © Thomas Türpe

Mit 37,2 Millionen Euro entfiel mehr als die Hälfte des aufgedeckten Schadens auf die Umsatzsteuer. Vor allem der Großhandel mit Unterhaltungselektronik sei anfällig für Steuerbetrug, erklärte Sachsens Finanzminister Dr. Matthias Haß (51, CDU) am Freitag bei der Bilanz-Vorstellung.

So waren sächsische Fahnder maßgeblich an der Aufdeckung eines deutsch-italienischen Umsatzsteuerkarussells beteiligt, bei dem zahlreiche (Schein-)Firmen Tablets und Druckerpatronen untereinander "handelten", so den Steuerzahler um rund zehn Millionen Euro betrogen. Haß: "Die haben sich Steuern erstatten lassen, die sie nie gezahlt haben."

Eine harte Nuss für Cheffahnder Alexander Scherf-Strödel (49) und sein Team, die sich durch zehn Terabyte Daten aus beschlagnahmten Handys und Festplatten der knapp 20 Verdächtigen kämpfen mussten. "Ich muss ja jedem einzelnen nachweisen, dass er wissentlich in die Betrugskette eingebunden war", so Scherf-Strödel.

Landeten in diesem Fall die Hintermänner tatsächlich mal im Gefängnis, sehen Sachsen Steuerfahnder ihre harte Arbeit oft nur unzureichend abgeschlossen. "Als Ermittler sind wir häufig unzufrieden mit dem, was dann hinten herauskommt", kritisiert der Cheffahnder. Hintergrund: Die gerade in Wirtschaftsstrafsachen überlastete Justiz braucht oft Jahre, um Steuerverfahren zu verhandeln. Wegen überlanger Verfahrensdauer enden solche Prozesse dann nicht selten mit einem Deal - und milden Strafen für die Hinterzieher.

Ein Steuerfahnder, fotografiert bei einer Hausdurchsuchung.
Ein Steuerfahnder, fotografiert bei einer Hausdurchsuchung.  © Patrick Pleul/dpa

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0