Sachsens Unis starten ins Wintersemester, doch die Hörsäle bleiben oft leer

Dresden - Studierende an Sachsens Hochschulen werden auch im Wintersemester nur selten die Hörsäle bevölkern. Knapp 85 Prozent der Vorlesungen und Übungen sollen wegen Corona über das Internet laufen.

So voll werden die Hörsäle der TU Dresden nicht mehr allzu schnell. Wegen der Corona-Pandemie müssen viele von zu Hause aus studieren.
So voll werden die Hörsäle der TU Dresden nicht mehr allzu schnell. Wegen der Corona-Pandemie müssen viele von zu Hause aus studieren.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Das Wintersemester beginnt für viele Studierende in Sachsen, wie das vergangene Sommersemester zu Ende ging: Wegen der Corona-Pandemie werden sie viele Vorlesungen und Übungen am Computer von zu Hause oder dem Wohnheim aus verfolgen.

"Etwa 85 Prozent der Lehrveranstaltungen werden virtuell stattfinden", sagte der Sprecher der Technischen Universität Dresden, Konrad Kästner. 

Jedoch sollen vor allem Studienanfängern möglichst viele Präsenzveranstaltungen angeboten werden, um ihnen den Studienbeginn zu erleichtern und "Teambildung" zu ermöglichen, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei den Universitäten und Hochschulen.

Kästner zufolge ist die Uni für den virtuellen Lehrbetrieb jetzt besser gerüstet als im Frühjahr, als sie bei Ausbruch der Pandemie darauf schnell umstellen musste. 

Jetzt gebe es ausreichend Bild- und Tontechnik etwa für Videokonferenzen, die Lehrkräfte seien geschult und würden beraten, sagte Kästner. 

Der Vorlesungsstoff sei digital aufbereitet und könne von den Studenten sogar mehrfach abgerufen werden. Auch Klausuren oder Prüfungen seien oft digital möglich.

Statt 900 stehen nur 100 Plätze im Audimax zur Verfügung

So leer dürften die Hochschul-Säle im Wintersemester dagegen häufiger aussehen.
So leer dürften die Hochschul-Säle im Wintersemester dagegen häufiger aussehen.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die Fakultät Maschinenwesen veranstaltet in der nächsten Woche eine universitätsübergreifende Konferenz. Dabei gehe es nicht nur um das jetzige, überwiegend digitale Semester, sondern auch darum, wie bei einer Rückkehr zur Präsenzlehre digitale Formate fortgeführt werden könnten, wie der Studiendekan Maschinenbau, Stefan Odenbach, erläuterte. 

Schwerpunkte seien sowohl digitale Gesamtkonzepte für Vorlesungen, Übungen und Seminaren, als auch die Frage, wie in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern das Problem der "digitalen Praktika" gelöst werden könne.

"Die Erfahrungen, die wir als Dozenten gemacht haben, wollen wir teilen, damit alle profitieren", sagte Odenbach.

Doch bei einigen Praktika geht es laut Kästner nicht immer ohne persönliche Anwesenheit, ohne dass jemand "einen Bunsenbrenner zur Hand nimmt", wie er sagte. Es werde auch Vorlesungen mit Teilnehmern geben - mit großzügigen Abstände zwischen den Hörern. 

Die Folge: In dem rund 900 Zuhörer fassenden Audimax der Universität verbleiben dann gerade einmal 100 Plätze. "Wir hoffen, dass im Frühjahr wieder mehr Präsenzveranstaltungen angeboten werden können", sagte Kästner.

"Kein rein digitales Semester"

Die TU Chemnitz bekommt gerade eine neue Universitätsbibliothek.
Die TU Chemnitz bekommt gerade eine neue Universitätsbibliothek.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der am 12. Oktober an der Technischen Universität Chemnitz beginnende Lehrbetrieb werde "hybrid" durchgeführt, sagte Uni-Sprecher Mario Steinebach.

Es werde "kein rein digitales Semester". Manche Lehrveranstaltungen könnten digital nicht durchgeführt werden. Vor allem Studierenden im ersten Semester sollen möglichst viele Angebote in Präsenz oder Teilpräsenz erhalten.

Die Digitalisierung der Lehre habe an der TU Chemnitz im vergangenen Sommersemester einen deutlichen Schub erhalten, sagte Steinebach. "Innerhalb kurzer Zeit wurden von den Dozierenden neue Konzepte für Lehrveranstaltungen im digitalen Raum erarbeitet, von denen auch die Studierenden des Wintersemesters 2020/21 profitieren werden."

Statt einer Immatrikulationsfeier im Gewandhaus werden die Erstsemester an der Universität Leipzig diesmal am 4. November im Paulinum - Aula und Universitätskirche Sankt Pauli mit einer Feier begrüßt. Die Plätze dafür würden verlost. 

Neue Studierende, denen der Zugang verwehrt bleibt, könnten die Veranstaltung mit Freunden und Familie live von zu Hause aus verfolgen, hieß es.

Trotz Corona mehr als 40.000 Bewerbungen an Leipziger Uni

Dozent Frank Stallmach referiert in einem Studio des Zentrums für Medien und Kommunikation an der Universität Leipzig.
Dozent Frank Stallmach referiert in einem Studio des Zentrums für Medien und Kommunikation an der Universität Leipzig.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir wollen den Studierenden generell Präsenzphasen oder -anteile ermöglichen", sagte Uni-Sprecher Carsten Heckmann. Es werde in Uni-Räumen Lehrveranstaltungen sowohl mit Anwesenden als auch auf digitalem Wege geben. 

Andere Veranstaltungen würden digital beginnen, dann aber auch einen Block "vor Ort" beinhalten. "Aber natürlich werden wir weiterhin auch reine Online-Lehre haben. Es wird ein Mix und wir werden je nach Erfahrung und Infektionslage Anpassungen vornehmen."

Die Beliebtheit der Leipziger Uni sei trotz Corona ungebrochen, sagte Heckmann. "Für das Wintersemester sind mehr als 40.000 Bewerbungen eingegangen. Damit liegen wir auf dem Vorjahresniveau."

Nico Eisbrenner vom Studentenrat bezeichnete die Situation an der Uni aus "hygienischer Sicht" als angemessen. Es blieben aber Fragezeichen. 

Noch seien nicht alle Räume mit Video-Technik ausgestattet. Auch sei nicht klar, was geschehe, "wenn die Corona-Ampel auf Orange springt". 

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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