Diese Sächsin bloggt aus Abu Dhabi!

Nahost-Publizistin Antje Döhring (45) berichtet MOPO-Reporter Torsten Hilscher (47) in einem Dresdner Café.
Nahost-Publizistin Antje Döhring (45) berichtet MOPO-Reporter Torsten Hilscher (47) in einem Dresdner Café.

Von Torsten Hilscher

Dresden/Abu Dhabi - Die Dresdnerin Antje Döhring (45) wohnt schon seit vielen Jahren im Ausland. Zunächst in Saudi-Arabien, dann in Libyen und Indien; jetzt in Abu Dhabi. Wie der Alltag dort ist und wie sie Sachsen von der Ferne aus wahrnimmt, lest Ihr hier.

Die archaische Wüste und das futuristische Abu Dhabi - Gegensätze, die dem modernen Menschen viel bieten, wenn er in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) seinen Alltag verbringt. Wer hier Arbeit und Familie hat, dem mangelt es an nichts. „Doch zweimal im Jahr Dresden muss schon sein“, sagte Antje Döhring. „Acht Wochen im Sommer, zwei im Winter. Dann tanke ich Heimat.“

In diesem Winter hatte die gebürtige Sächsin allerdings Pech: weit und breit kein Schnee. Vor allem zum Leidwesen der 16 und 10 Jahre alten Töchter. Trotzdem war es wieder ein rundes Weihnachtsfest wie aus einem altdeutschen Bilderbuch. Mit (Schwieger-)Eltern, Gansessen und allem Drum und Dran - samt Christbaum. Zwischen den Wäldern des Vorerzgebirges bei Dippoldiswalde, wo ihr Mann herkommt.

Liebt die Wüste und ihre Vielfalt: Antje Döhring mit ihrem Mann André. Der Ingenieur kommt aus dem Raum Dippoldiswalde.
Liebt die Wüste und ihre Vielfalt: Antje Döhring mit ihrem Mann André. Der Ingenieur kommt aus dem Raum Dippoldiswalde.

Von dort geht es bei jedem Heimaturlaub auch immer wieder nach Dresden. „Denn da gibt’s, was ich im stylischen und glitzernden Abu Dhabi so vermisse: eine Kneipe, ein Szenelokal, ein echtes Theater.“ Ansonsten schwärmt Antje Döhring aber von dem mit reichlich Öl gesegneten Flecken Erde.

„Es ist das Beispiel eines superliberalen Feudalstaates. Man experimentiert mit erneuerbaren Energien; schon jetzt gibt es einen Stadtplan für 2030. Alles ist sehr strukturiert und effizient.“

Döhring hat einen guten Einblick: Ihr Mann arbeitet als Projektleiter für große Bauvorhaben. Die gebürtige Sächsin selbst betreibt im Internet einen „Wüsten“-Blog (sandmarie2014.blogspot.ae), in dem sie - von Abu Dhabi aus - Land und Leute vorstellt und ein Auge auf die neuesten Entwicklungen hat. Der jüngste Report beschreibt den Drehort der aktuellen „Star-Wars-Folge“ vor den Toren des Emirats.

Da hilft der Abschluss als Journalistin an der Uni Leipzig Anfang der Neunziger.

Antje Döhring (45) lebt und arbeitet seit Langem im Nahen Osten. Zweimal im Jahr bucht sie mit ihrer Familie einen langen Urlaub ins heimatliche Sachsen.
Antje Döhring (45) lebt und arbeitet seit Langem im Nahen Osten. Zweimal im Jahr bucht sie mit ihrer Familie einen langen Urlaub ins heimatliche Sachsen.

Erste umfassende Reiseberichte aus der Wüste schrieb sie vor mehr als 15 Jahren als Kolumnistin für die „Morgenpost“ aus Saudi-Arabien, wo ihr Mann damals als Ingenieur tätig war. Später in Indien arbeitete sie im Import-Bereich, in Libyen an der österreichischen Außenhandelsstelle.

In Abu Dhabi absolvierte Antje Döhring nun einen Abschluss als Deutsch-Englisch-Lehrer mit britischem Zertifikat. Parallel entstanden zwei Bücher, eines davon für Jugendliche. In der Freizeit zieht es sie mit Freundinnen zu zünftigen Ladies‘ Nights in der blinkernden City. Durchaus mit Alkohol.

„Zumindest in diesem Emirat ist das kein Problem“, sagt sie und zückt lachend das Foto einer Weinhandlung, die sie im Wüstenstaat gern besucht. „Und mit meinem Mann frische ich gerade bei einem polnisch-syrischen Paar die Kenntnisse im Standard-Tanz auf.“

Wolkenkratzer schießen in Abu Dhabi wie Pilze aus dem Boden. Hier die Jumeirah Towers.
Wolkenkratzer schießen in Abu Dhabi wie Pilze aus dem Boden. Hier die Jumeirah Towers.

Überhaupt sei Abu Dhabi mit einem Ausländeranteil von 85 Prozent, wo Menschen aus fast 200 Staaten und unterschiedlichsten Religionen und Lebensvorstellungen miteinander auskommen, ein Paradebeispiel für friedliche Koexistenz.

Eine Art Modellstaat. Aber auch ein Land mit klaren Grenzen: „Keine Witze über die Religion und die Herrscherfamilie. Null Drogen.“

Das Drei-Stände-System ist in dem Golfstaat gesetzt. „Oben die Scheichs und die Einheimischen, dann wir Fachleute vor allem aus dem Westen, dann die Lohn-Gastarbeiter“, weiß Antje Döhring.

Wobei auch Letztere, im Gegensatz zum berüchtigten Katar, abgesichert seien und Rechte hätten. Für Kaste zwei und drei aber gelte in jedem Fall: Ab nach Hause, wenn die Arbeitserlaubnis erlischt. Ein Wiedersehen ist dann erst wieder als Urlauber möglich.

So sieht sie ihr Dresden

Nach einer Panne beim Wüsten-Trip: Weil sich das Auto eingegraben hat, müssen Ketten fürs Herausziehen geschleppt werden.
Nach einer Panne beim Wüsten-Trip: Weil sich das Auto eingegraben hat, müssen Ketten fürs Herausziehen geschleppt werden.

„Ich hänge an meiner Heimatstadt, bin mit Leib und Seele Dresdnerin“, sagt Antje Döhring - auch nach den vielen Jahren, die sie jetzt schon im Ausland zubringt. Die PEGIDA-Debatte hat natürlich auch sie verfolgt - und irritiert.

„Da ergibt sich ein Bild unzufriedener Kleinbürger, die - sicher nicht zu Unrecht - meinen, zu kurz zu kommen. Es war meines Erachtens ein Fehler der Politik, sie anfangs nicht ernst zu nehmen oder gar als „Nazis“ in eine Ecke zu drängen.“

Dass ausgerechnet der Islam als Sündenbock herhalten muss, versteht sie aber nicht. Döhring: „Der Islam ist für diese Menschen nur ein Ersatzfeindbild. Es ist ja eine allgemeine Missbilligung von ,denen da oben‘, der ,Lügenpresse‘, allem ,Fremden‘ usw. spürbar.“

Sie wünscht sich, diese Menschen würden einmal nach Abu Dhabi kommen, „um zu erleben, wie bereichernd und friedlich das Neben- und Miteinander zahlloser Nationalitäten und Religionen sein kann“.

Fotos: privat (3), imago (4)