Sächsische Rentnerin wurde Opfer von Riesenwels

Hilde Patolla (76) wurde im Stauseebad Cossebaude von einem Riesenwels gebissen.
Hilde Patolla (76) wurde im Stauseebad Cossebaude von einem Riesenwels gebissen.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Es ist die Horror-Vorstellung eines jeden Badegastes - im Stauseebad Cossebaude wurde sie wahr: Eine Rentnerin wurde im Wasser von einem Raubfisch attackiert und verletzt.

Die Bissspuren sind eindeutig: Der Angreifer unter Wasser ist ein Wels, mindestens 1,50 Meter groß. Es ist windig, das Wasser im Stauseebecken rau an diesem Montagmorgen im Juli. Stammgast Hilde Patolla (76) war die Erste im Wasser. „Ich schwamm einige Minuten auf dem Rücken Richtung Wassermitte“, erinnert sie sich.

Wenige Meter vor der letzten Boje passierte es: „Plötzlich spürte ich einen fürchterlichen Schmerz am linken Oberschenkel. Etwas hatte zugeschnappt. Reflexartig trat ich mit dem Bein danach, traf es mit der Ferse. Da ließ es ab.“

„Fürchterlicher Schmerz“: Die Welszähne bohrten sich über eine Länge von 10 und 15 Zentimetern in den Oberschenkel der Rentnerin.
„Fürchterlicher Schmerz“: Die Welszähne bohrten sich über eine Länge von 10 und 15 Zentimetern in den Oberschenkel der Rentnerin.

Unter Schock schwamm sie sofort Richtung Ufer. „Ich stieg aus dem Wasser, da triefte das Blut aus dem Schenkel.“ Mitarbeiter des Bades versorgten die Wunde. Sie ging zum Arzt, machte Fotos ihrer Verletzungen. „Kleine Narben sind bis heute zu sehen.“

Der Vorfall geschah im Sommer 2014. Zunächst traute sich die Rentnerin nicht, öffentlich über den Biss zu reden. „Ich hatte Angst, dass das Bad dann schließen muss.“ Erst viel später, nach einem Treffen mit der Badleitung, entschloss sich die Rentnerin, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Badbetreiber ist die Dresdner Bäder GmbH. Das Tochterunternehmen der Stadt spricht nur ungern über den Vorfall. Erst nach wiederholter Nachfrage räumt Sprecherin Kathrin Heiser ein: „Es ist korrekt, dass damals eine Verletzung vorlag.“ MOPO24 zeigte dem Anglerverband Elbflorenz (225 Mitgliedsvereine) die Biss-Fotos.

Begutachteten die Beweisfotos: René Häse (33, re), Geschäftsführer des Anglerverbands Elbflorenz und Diplom-Fischereiingenieur Peter Kluß (59).
Begutachteten die Beweisfotos: René Häse (33, re), Geschäftsführer des Anglerverbands Elbflorenz und Diplom-Fischereiingenieur Peter Kluß (59).

„Die Zähne sind bürstenartig. Es sieht aus wie ein typischer Welsbiss“, sagt Geschäftsführer und Angler René Häse (33). „Das Tier ist geschätzt über zehn Jahre alt, zwischen 1,50 und 1,70 Meter groß.“ Es ist für den Anglerverband der erste dokumentierte Welsbiss an einem Menschen.

„Der Wels ist kein Menschenfresser, flieht in der Regel sogar“, so Experte Häse. Aber: Von Mai bis Juli ist Laichzeit, die Nester am Boden werden vom Männchen bewacht. „Das Opfer wird wohl über das Laichnest geschwommen sein. Der Wels hat Frau Patolla vermutlich attackiert, um seinen Nachwuchs zu verteidigen“, sagt Häse.

Die Lösung der Dresdner Bäder GmbH: „Wir haben dem Anglerverband die Bissverletzung schriftlich angezeigt und um ein verstärktes Befischen des Stausees gebeten.“ Da der Wels hauptsächlich nachtaktiv ist, erlaubt Verpächter Vattenfall dem Verband seit April 2015, nachts im Stausee zu fischen.

Hilde Patolla lässt sich vom Wels aber nicht vertreiben, liebt das ungechlorte Gewässer. „Aber ich verhalte mich jetzt anders. Ich schwimme nicht mehr raus, bleibe immer nahe am Ufer.“

Diesen Riesenwels (2,14 Meter) zog ein Angler im Juli 2015 bei Strehla aus der Elbe.
Diesen Riesenwels (2,14 Meter) zog ein Angler im Juli 2015 bei Strehla aus der Elbe.

Fotos: Ove Landgraf (2), Hermann Tydecks (1), Privat (1)


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