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Sächsischer Wein: Genuss mit langer Tradition

Die Sächsische Weinstraße ist eines der eher unbekannteren Weinanbaugebiete in Deutschland. Aber es hält gleich mehrere Rekorde und die Weine aus Sachsen sind überraschend geschmackvoll. Es lohnt sich absolut! Mehr verraten wir Euch im Text.
Schloss Wackerbarth an der Sächsischen Weinstraße in Radebeul.
Schloss Wackerbarth an der Sächsischen Weinstraße in Radebeul.

Sachsen - Wer an Weinbaugebiete in Deutschland denkt, dem fällt meist Franken oder die Pfalz ein, Rheingau oder auch Baden und Mosel. Kaum jemand allerdings denkt an Sachsen. Eigentlich ungerecht, denn Sachsen hält gleich mehrere Rekorde: Mit 462 Hektar ist es das kleinste Weinbaugebiet Deutschlands und zudem auch Europas nordöstlichste Weinregion! Zentrum der Sächsischen Weinstraße, die von Diesbar-Seußlitz über die wichtigen Weinstädtchen Meißen und Radebeul bis nach Pirna führt, ist Dresden.

Tatsächlich sind die südexponierten Hänge des Elbtals ideal für den Weinanbau geeignet: Die zarten Reben finden hier sehr günstige Wachstumsbedingungen. Das Klima ist eher mild und ausgeglichen und selbst der Herbst kommt auf sanften Pfoten. Die Böden aus verwittertem Granit und Sand sind an den steilen Elbtalhängen in der Lage, die Sonnenwärme zu speichern. Dichte angrenzende Wälder schützen vor den kalten Nordwinden, sprich: Es geht ihnen gut, den Reben Sachsens.

Die Weinberge werden vorwiegend manuell bewirtschaftet – über die Hälfte von ihnen sind Hang- und Steillagen. Diese terrassierten Weinberge prägen die Landschaft und geben ihr zusammen mit dem besonders milden Klima einen fast südländischen Charme.

Weinanbau erstmals anno 1161 erwähnt

Der Weinbau an der Oberen Elbe wird erstmals im Jahre 1161 erwähnt – in einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Otto aus Meißen, der dem Zisterzienserkloster einen Weinberg überließ. Der Berg im Meisatal (bei Meißen) gilt als der älteste der sächsischen Weinregion. Eine Legende besagt, dass Bischof Benno, der im Jahre 1106 verstarb, den ersten Rebstock eigenhändig gepflanzt hat. Der Weinanbau bei Radebeul wird zwar erstmals 1271 erwähnt, man vermutet aber, dass auch er viel älter sein könnte, seine Geschichte sogar bis ins zehnte Jahrhundert zurückreiche.

Damals waren Elbweinbauern nicht ihre eigenen Herren. Zwar besaßen sie Grund und Boden, hatten aber eine Abgabepflicht an den Landesherren oder Klostervogt. Die stellten auch die Regeln für Anbau- und Erntebedingungen auf – und diktierten die Preise für den köstlichen Elbwein.

Bischöfe und Mönche förderten den Weinbau – auch wegen des Eigenbedarfs

Es heißt, dass die ansässigen Bischöfe und Mönche den Weinanbau im Elbtal in hohem Maße förderten. Und zwar auch deshalb, weil sie einen beachtlichen Eigenbedarf am süffigen Rebensaft hatten. So kam es, dass im Laufe der Jahre die Anbaufläche entlang der Elbe von Wehlen bis Wittenberg immerhin 5.000 Hektar maß. Schon im 15. Jahrhundert konnte man von einem Trend sprechen, denn nun entdeckte auch das Bürgertum der Stadt das florierende Weingeschäft an den Hängen, das daraufhin zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig Sachsens avancierte. Nur noch der Silberbergbau war von größerer Bedeutung.

Nach der Erfolgswelle folgte die Krise

Sächsischer Wein ist ein Genuss.
Sächsischer Wein ist ein Genuss.

Eine Erfolgswelle schwappte über Sachsens Elbhänge – doch es folgten auch Krisenzeiten. Die Auflösung der Klöster führte sofort zu einem starken Rückgang des Weinanbaus. Kriegszeiten ließen die Gebiete weiter schrumpfen. Da die Bauern einen höheren Bedarf an Getreideflächen hatten und ferner eine Klimaverschlechterung eintrat, folgte eine erste echte Misere. Im 18. Jahrhundert kamen zudem noch starke Konkurrenten auf: Bier und Schnaps erfreuten sich wachsenden Zuspruchs. Außerdem entdeckte die Bevölkerung ihre Vorliebe für Kaffee und Tee und begann den Wein zu vernachlässigen. Ende des 19 Jahrhunderts kam dann das vorübergehende K.O.: Die Reblaus war eingeschleppt und gab den Weinpflanzen den Rest. Erst ein Vierteljahrhundert später wurden reblausresistente Pflanzen aus Übersee nach Sachsen gebracht, um den Patienten Weinanbau aus dem Koma zu holen.

Die Wiederbelebung gelang zwar – doch das Weinanbaugebiet blieb verhältnismäßig klein. Zum Vergleich: Waren es im 18. Jahrhundert noch 16 Quadratkilometer, hatte bis Ende des Zweiten Weltkriegs kaum mehr als ein Quadratkilometer überdauert. Heute sind es immerhin wieder rund 4,6 Quadratkilometer.

Seit 1938 besteht in der Meißner Bennostraße die Sächsische Winzergenossenschaft, in der die Weinbauer der Region organisiert sind. Diese bewirtschaften etwa zwei Drittel der Fläche. Das restliche Drittel gehört zum Sächsischen Staatsweingut, das seit 25 Jahren im Radebeuler Schloss Wackerbarth (siehe unten) seine Heimat hat.

Kurz und gut: Die Sächsische Weinstraße

In Deutschland gibt es sieben ebenso berühmte wie bedeutende Weinstraßen. Die Sächsische Weinstraße ist die kürzeste von ihnen. Aber sie hat es in sich: Auf 55 Kilometer verteilen sich herrliche Wandergebiete, in denen rund 40 Weinrestaurants zu vielen, vielen Weinproben einladen. Wer noch mehr sehen und erleben will, begibt sich am besten auf den Sächsischen Weinwanderweg. Der misst stattliche 90 Kilometer und geht durch die typischen Anlagen des Terrassenweinbaus im Elbtal. Von vielen Aussichtspunkten hat man einen schönen Blick über das Tal und für durstige Kehlen stehen viele Weinstuben am Wegesrand zur Verköstigung bereit.

Kleine Weinkunde: Das sind Sachsens Tropfen

Die Sächsischen Weine sind trockene Weine ohne Restzucker, neben dem Klima sorgen die Mineralien des Bodens für ihren Geschmack. Das kleinste Weinbaugebiet Deutschlands behauptet sich mit vier Großlagen: Seußlitzer Schlossweinberg, Radebeuler Lößnitz, Meißner Spaargebirge und Dresdner Elbhänge. Und 16 Einzellagen – wie Seußlitzer Heinrichsburg, Radebeuler Johannisberg, Weinböhlaer Gellertberg oder Meißner Kapitelberg. Alle zusammen produzieren etwa 14.000 Hektoliter Wein pro Jahr.

Unter den 21 Weinsorten, die im Elbtal wachsen und gedeihen, sind viele Weiße anzutreffen: Die Sorte Goldriesling ist nur im Elbtal zu finden, ansonsten gibt es viele bekannte Namen: Müller-Thurgau, Scheurebe, Riesling, Traminer, Weißburgunder, Grauburgunder. Seltener sind die Roten (19 Prozent Anteil am Anbau) mit Spätburgunder und Blauem Portugiesen. Übrigens: Der Meißner „Schieler“ ist keine Weinsorte, sondern eine alte sächsische Bezeichnung für einen aus roten und weißen Rebsorten gekelterten Wein.

Als Ursprung wird die sächsische Aussprache für „Schüler“ vermutet, da sich diese nur den billigen Fusel als „Zechwein“ leisten konnten – im Gegensatz zu den begüterten Herren, die lieber Prädikatsweine süffelten.

Aufzucht und Hege: Vom „Baby“ zur stattlichen Rebe

Damit es nie an Nachschub mangelt, werden allein im Meißner Umland jedes Jahr bis zu 50.000 Reben neu gepflanzt. Sie werden in einer Rebschule aufgezogen, verbringen sechs Wochen im Gewächshaus und anschließend ein Jahr im Freiland. Im zweiten Jahr schließlich klettern die Jungpflanzen bereits an Gerüsten empor. Im Elbtal bringen die Weinpflanzen bis zu 40 Jahre lang Erträge von etwa 60 Hektoliter pro Hektar. Faustregel: Für Weißwein benötigt man rund 150 Kilogramm Trauben pro Hektoliter (100 Liter). Rotweintrauben sind etwas ergiebiger: 130 Kilogramm ergeben 100 Liter Rotwein.

Vor Schädlingen schützen und immer schön düngen

Die Weinpflanzen brauchen natürlich Pflege. Sie werden regelmäßig gedüngt und gegen Schädlinge geschützt, damit Heuwurm, Milben, Mehltau und Sauerwurm chancenlos bleiben. Nach der Weinlese, werden die Trauben abgebeert (vom Traubenstiel entfernt) und gequetscht, die Fruchtmasse wird geschwefelt, um Sauerstoff zu entziehen und so das Bakterienwachstum zu hemmen. Durch das anschließende Pressen entsteht der Most. Nach der Gärung und dem Absetzen der Hefe wird der Most umgefüllt. Eiweiße sowie metallische Stoffe werden entzogen, damit der Wein schön klar bleibt. Es folgt noch eine Filterung: der sogenannte zweite Umstich.

Nun wird gelagert: Ein leichter Weißwein wie der Goldriesling ruht drei Monate, der schwere Ruländer 1,5 Jahre. Im Meißner Weinkeller, dessen Teilstücke bereits um 1700 von Mönchen in Granit gehauen wurden, lagern auf drei Etagen bis zu eine Million Liter Wein in Fässern und in Stahltanks.

Elegant: Das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Die Sächsische Weinstraße zieht sich von Meißen bis Pirna.
Die Sächsische Weinstraße zieht sich von Meißen bis Pirna.

Dort, wo schon August der Starke fürstliche Feste feierte und Grafen residierten, ist heute Europas erstes Erlebnisweingut zu finden: Schloss Wackerbarth ist eine barocke Schloss- und Gartenanlage am Fuße der örtlichen Weinberge. Das sächsische Staatsweingut bietet ein wunderschönes Ambiente für prickelnde Feste – schließlich ist im Schloss auch die älteste Sektkellerei Sachsens untergebracht.

Nicht nur feiern lässt es sich hier gut, Lehrreiches steht auch auf dem Plan. Zum Beispiel viele Informationen über die Weinbautradition in Sachsen. Die im Schloss ansässige Sächsische Weinakademie verbindet Programme für Profis aus Weinbau und Gastronomie mit Angeboten für Genießer, die ihr Wissen um Wein und Sekt erweitern und vom Können der Winzer profitieren wollen.

Alles andere als „trocken“ ist zum Beispiel das Sensorik-Seminar: Hier wird erlernt, wie man anhand Aroma, Geschmack und Farbe des Weines das Anbaugebiet erkennen kann. Auch Wissenswertes über Weine und die dazu passenden Speisen bekommen die Gäste vermittelt. Für Menschen, die mehr über Sachsens Weine erfahren möchten, bietet das Schloss eine stilvolle Gelegenheit, dieses bei einem mehrgängigen Menü zu tun. Das Gasthaus des Schlosses wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Wer keine Zeit hat, dorthin zu reisen, kann sich aber auch im Internet bilden – das Magazin von Andronaco beschäftigt sich mit länderübergreifenden Themen rund um Wein und Weinspezialitäten.

Bildquelle:
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