Vor Asylheimen: Salafisten buhlen um sächsische Flüchtlinge

Die Islamisten lauern vor den Unterkünften und sprechen Flüchtlinge an.
Die Islamisten lauern vor den Unterkünften und sprechen Flüchtlinge an.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - In Sachsen versuchen radikale Salafisten, neu ankommende Flüchtlinge zu bekehren. Ziel ist offenbar, junge Männer für den „Heiligen Krieg“ zu rekrutieren.

Im Visier des Verfassungsschutzes steht die Leipziger Al-Rahman-Moschee. Es war Ende September, als sich in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Neuen Messe nahezu täglich Flüchtlinge vor allem aus Syrien und dem Irak bei den Betreuern meldeten und sich nach Rückkehrmöglichkeiten in ihre Heimat erkundigten.

„Die Leute waren unter großen Strapazen aus den Kriegsgebieten geflohen und plötzlich wollten sie wieder zurück - das kam uns komisch vor“, erzählt einer der Betreuer.

Im Fadenkreuz des Verfassungsschutzes: die Leipziger Al- Rahman Moschee und ihr Imam, Hassan Dabbagh.
Im Fadenkreuz des Verfassungsschutzes: die Leipziger Al- Rahman Moschee und ihr Imam, Hassan Dabbagh.

Was auffiel: Alle diese Männer hatten zuvor Gespräche mit einem ehrenamtlich im Heim als Dolmetscher tätigen Perser geführt.

„Wir haben dann herausbekommen, dass dieser Mann falsch übersetzt und die Flüchtlinge massiv missioniert hat“, erzählt der Betreuer. Der Dolmetscher erhielt Hausverbot, sein Name wurde den Behörden übermittelt. Die fanden bald heraus, dass er zur Leipziger Islamistenszene gehört.

Inzwischen lauern die Islamisten vor den Unterkünften, sprechen dort die Flüchtlinge an. „Sie bieten ihnen Essen und Hilfe an, fahren sie auch mal durch die Gegend“, weiß der Insider.

Auch Sachsens Geheimdienst ist das bekannt. Das Landesamt für Verfassungsschutz spricht auf Anfrage von „propagandistischen und sozialen Aktivitäten“ der Salafisten vor Flüchtlingsheimen.

Rund 170 Salafisten sind nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer im Freistaat aktiv. Geistiges Zentrum der Radikalen ist die Leipziger Al-Rahman-Moschee.

Hier predigt der Deutsch-Syrer Hassan Dabbagh (41), der mit seinem Moschee-Verein in den Verfassungsschutzberichten als „extremistischer Verdachtsfall“ gelistet ist.

Auf MOPO24-Anfrage erklärte Verfassungsschutz-Sprecher Martin Döring, dass dem Geheimdienst Informationen vorliegen, „dass sich eine Person, die im Umfeld der Al-Rahman-Moschee bekannt geworden ist, dem ,Islamischen Staat‘ in Syrien angeschlossen hat.“

Sie bieten Fahrdienste an und helfen im Alltag. Salafisten versuchen, Flüchtlinge in Asylunterkünften anzuwerben.
Sie bieten Fahrdienste an und helfen im Alltag. Salafisten versuchen, Flüchtlinge in Asylunterkünften anzuwerben.
Hierbei handelt es sich um ein Gebäude der islamischen Gemeinde in Leipzig.
Hierbei handelt es sich um ein Gebäude der islamischen Gemeinde in Leipzig.

Fotos: Imago/Horst Galuschka (1), Ralf Seegers (1), ddp/Sebastian Willnow (1), action press/Björn Kietzmann (1)


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