TV-Gast fällt durch Lügendetektor-Test und wird kurz darauf tot in Wohnung gefunden

Salford - Nach dem mutmaßlichen Selbstmord eines Show-Gasts wurde die umstrittene Jeremy Kyle Show abgesetzt. Der Mann hatte eine Woche zuvor einen Test mit einem Lügendetektor nicht bestanden, woraufhin er das Studio-Gelände weinend verlassen haben soll.

14 Jahre lang moderierte Jeremy Kyle seine in der Öffentlichkeit umstrittene Show.
14 Jahre lang moderierte Jeremy Kyle seine in der Öffentlichkeit umstrittene Show.  © Twitter Screenshot @HerrLanger

Schon seit Längerem gilt die in Großbritannien ausgestrahlte Jeremy Kyle Show als umstritten, da sie im Verdacht steht, ihre Gäste in der Öffentlichkeit vorzuführen.

Nachdem einer dieser Gäste nun tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde, hat der britische TV-Sender ITV die Absetzung der Chat-Show bekanntgegeben.

Baggerfahrer Steven Dymond (63) trat am 2. Mai 2019 in der Jeremy Kyle Show auf. Dort musste er zusammen mit seiner Freundin Jane Callaghan einen Lügendetektor-Test absolvieren, den er jedoch nicht bestand. Worum es in dem Test genau ging, ist unbekannt. Laut Zeugenaussagen soll er das Studio-Gelände nach dem Auftritt aufgewühlt und voller Tränen verlassen haben.

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Seine Leiche wurde am 9. Mai in einem Wohnblock in Portsmouth gefunden. Die Rettungssanitäter des South Central Ambulance meinten, Dymond sei schon "seit einigen Tagen" tot gewesen. Die Sendung mit ihm wurde von ITV unverzüglich aus dem Fernsehen genommen. Sie hätte am Montag dieser Woche ausgestrahlt werden sollen.

Einem Bericht der Daily Mail zufolge kam inzwischen heraus, dass Steven Dymond einem Haftbefehl entgehen konnte, nachdem er im Februar diesen Jahres wegen Geldbußen von mehr als 4300 britischen Pfund aus dem Jahr 1997 nicht vor Gericht erschienen war.

Durchgesickerte ITV-Mail enthüllte Stellungnahme zur Jeremy Kyle Show

Knapp eine Woche nach der abgedrehten Episode wurde Steven Dymond tot in seiner Wohnung aufgefunden.
Knapp eine Woche nach der abgedrehten Episode wurde Steven Dymond tot in seiner Wohnung aufgefunden.  © Twitter Screenshot @The_MartinX

Ein Sprecher der britischen Regierung beurteilte die Entscheidung von ITV als "äußerst vernünftig" und meinte, dass der Tod Dymonds "besorgniserregend" sei und einen "Wendepunkt" darstelle. Er mahnte zudem, dass "Rundfunkveranstalter und Produktionsfirmen für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Teilnehmer verantwortlich" seien.

Moderator Jeremy Kyle wollte das Geschehen nicht kommentieren, als er vor seinem Haus in Windsor gesichtet wurde. Ein ITV-Sprecher bestätigte, dass Kyle keine Stellungnahme abgeben werde. Eine durchgesickerte E-Mail von Geschäftsführerin Carolyn McCall enthüllte derweil, dass ITV den Mitarbeitern mitteilte, die Aussetzung des Programms sei kein "Spiegelbild der Show", sondern ein Schutz vor der "Reaktion, die wir auf diesen Tod erwarten".

McCall ergänzte außerdem: "Angesichts der Schwere der jüngsten Ereignisse haben wir beschlossen, die Produktion der Sendung einzustellen. Die Jeremy Kyle Show hat ein treues Publikum und wird seit 14 Jahren von einem engagierten Team produziert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für das Ende der Show gekommen."

Die umstrittene Sendung rief trotz vieler kritischer auch einige positive Reaktionen hervor. So gelang es beispielsweise zwei Freundinnen vor einem Jahr, mit Hilfe der Jeremy Kyle Show nachzuweisen, dass es sich bei ihnen um Halbschwestern handelt (TAG24 berichtete) - ein gelungener PR-Stunt sowohl für das Show-Format als auch für ITV.

Normalerweise zieht die Redaktion es vor, nicht über versuchte Suizide zu berichten. Da sich der Vorfall aber komplett im öffentlichen Raum abgespielt hat, hat sich die Redaktion entschieden, es zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

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