Gutgläubiger Rentner hinterhältig abgezockt: "Total verarscht und ausgenommen!"

Sangerhausen - Immer und immer wieder hört man von ominösen Kaffeefahrten, satten Gewinnversprechen und verlockenden Geschenken. Auch der Fall von Dieter S. (83) aus Sachsen-Anhalt lässt nicht nur den Rentner selbst, sondern sicher auch Euch wütend auf den Tisch hauen.

Unterschrieben ist das Gewinnversprechen von Anita Ibach. Die kleine 1 darüber wird im Kleingedruckten erklärt: "Name wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert."
Unterschrieben ist das Gewinnversprechen von Anita Ibach. Die kleine 1 darüber wird im Kleingedruckten erklärt: "Name wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert."  © Dreifilm

Aber von vorn: Dieter S. bekam zunächst einen an ihn adressierten Brief zugeschickt. "Es hieß, ich habe 9500 Euro gewonnen", freute sich der 83-Jährige damals über die Nachricht.

Das mutmaßlich notariell beglaubigte Schreiben einer Firma aus Selfkant (Nordrhein-Westfalen) beinhaltet die Aufforderung, sich schnell zu melden, da der hohe Gewinn sonst verfalle. Dieter S. fällt auf die professionelle Aufmachung herein und bestellt ahnungslos Artikel im Wert von mindestens 50 Euro, wie es von ihm verlangt wird.

Wenige Tage später trudelt die Bestellung bei ihm ein. Eigentlich sollte ein Gewinnscheck im Paket liegen. Doch tatsächlich befinden sich nur minderqualitative Sachen darin. Und natürlich die Rechnung samt einer weiteren Aufforderung.

"Da stand, es war etwas nicht richtig ausgefüllt und ich müsste nochmal bestellen. Also habe ich das getan." Von da an setzte sich in Gang, worauf die skrupellosen Betrüger gewartet haben.

Immer mehr Bestellungen werden in der Hoffnung, endlich an den Geldgewinn zu kommen, ausgelöst. Zudem landen zahlreiche Briefe unbekannter Firmen bei Dieter S. ein. Immer wieder werden hohe Gewinne gegen geringe Bestellung versprochen. "Ich dachte, irgendwann müssen die mir doch was auszahlen. Ich hatte es ja schwarz auf weiß!"

Senior zieht die Reißleine, doch immer mehr Gewinnversprechen landen in seinem Briefkasten

Dieter S. (83) mit der Vielzahl an Gewinnversprechen, die er per Post zugeschickt bekommen hat.
Dieter S. (83) mit der Vielzahl an Gewinnversprechen, die er per Post zugeschickt bekommen hat.  © Dreifilm

Es wird immer abstruser. Pro Woche bringt der Zusteller drei Pakete zu dem Senior. Darunter auch Waren, die der 83-Jährige nicht mal bestellt hat.

Dieter S. hätte irgendwann stutzig werden sollen oder gar müssen. Doch aus Angst vor teuren Mahnungen und weiterhin hoffnungsvoll ob des großartigen Gewinnversprechens zahlt er alle Forderungen. Und zwar so lange, bis Ebbe auf seinem Konto herrscht.

"Ich habe 4000 Euro verloren, aber nie einen Scheck erhalten. Und das, obwohl ich teilweise morgens ein Schreiben im Briefkasten hatte, nachmittags nochmal zwei", zeigt er sich erbost.

Dieter S. wittert doch, dass hier etwas nicht stimmt und geht zur Polizei. Dort müssen ihm die Beamten mitteilen, dass ihnen die Abzocke durchaus bekannt ist. Zeitgleich ist Polizeisprecherin Steffi Schwan klar, dass es schwer ist, den Tätern auf die Schliche zu kommen.

Schwan: "Wir ermitteln derzeit gegen Unbekannt und müssen uns mit verschiedenen Institutionen kurzschließen. Das verlorene Geld und den Gewinn kann der Geschädigte aber nur auf dem zivilrechtlichen Weg einklagen."

Diesbezüglich macht dem Rentner die Verbraucherzentrale aber wenig Hoffnung. "Die Schreiben sind oft nicht eindeutig formuliert. Da gibt es große juristische Hürden. Außerdem kostet so eine Klage viel Geld. Der Verbraucher hat ein hohes finanzielles Risiko", erklärt Beraterin Simone Meisel. Dazu kommt, dass sich die Händler absichern, weil im eigentlichen Kaufvertrag kein Wort mehr vom Gewinn zu lesen ist. "Dann ist ein gültiger Vertrag zustande gekommen und das Geld für die von mir bestellten Waren ist weg!"

Meisel sensibilisiert mögliche weitere Betrugsopfer: "In der heutigen Zeit hat niemand etwas zu verschenken. Auf so etwas sollte man sich gar nicht erst einlassen."

Dieter S. hat die Reißleine gezogen. Dennoch holt er immer wieder Gewinnbenachrichtigungen aus dem Briefkasten. "Die haben mich total verarscht und ausgenommen", schimpft der 83-Jährige. "Aber jetzt ist Schluss. Und andere Leute, die das hier sehen, wissen dann auch Bescheid!"

Simone Meisel, Beraterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, sieht ein hohes finanzielles Risiko bei einer Klage.
Simone Meisel, Beraterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, sieht ein hohes finanzielles Risiko bei einer Klage.  © Dreifilm
Polizeisprecherin Steffi Schwan vom Polizeirevier Mansfeld-Südharz kennt die Masche der Betrüger.
Polizeisprecherin Steffi Schwan vom Polizeirevier Mansfeld-Südharz kennt die Masche der Betrüger.  © Dreifilm
Auf dem Tisch vor Dieter S. türmen sich die bestellten Artikel: "Das ist nur ein Teil. Das ganze Gelumpe würde niemals auf den Tisch passen."
Auf dem Tisch vor Dieter S. türmen sich die bestellten Artikel: "Das ist nur ein Teil. Das ganze Gelumpe würde niemals auf den Tisch passen."  © Dreifilm

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