Mutter und Sohn (†10) tot in Höhle gefunden: Polizei geht von brutalem Verbrechen aus

Madrid/Santa Cruz de Tenerife - Der Tod einer Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa (TAG24 berichtete) geht laut spanischer Polizei auf ein skrupelloses Verbrechen zurück.

Mitglieder der Guardia Civil führten einen Einsatz wegen der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes durch.
Mitglieder der Guardia Civil führten einen Einsatz wegen der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes durch.  © Andres Gutierrez/El Día/dpa

"Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden", sagte ein Sprecher der Ermittler am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Am mutmaßlichen Tatort rund 15 Kilometer von der Gemeinde Adeje entfernt sei viel Blut gewesen.

Der 43 Jahre alte Ehemann wurde schon vor der Entdeckung der Leichen vorläufig festgenommen. Der kleine Bruder des toten Jungen hatte der Polizei zuvor von einem brutalen Angriff des Vaters erzählt und so eine große Suchaktion ausgelöst.

Noch am Donnerstag bestritt der Verdächtige, etwas mit dem Tod seiner Frau und seines Kindes zu tun zu haben. Er soll am Freitag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Autopsie der Leichen könnte Aufschluss zur Tat bringen.

Die Leichen wurden nach Medienberichten von einem deutschen Freiwilligen entdeckt. Er gehörte zu einem Suchteam von 100 Menschen.

Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Regionalzeitung "Diario de Avisos", der Verdächtige weise "leichte Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuten". Bei seiner Festnahme habe der Mann heftigen Widerstand geleistet, erklärte der Vertreter des Madrider Innenministeriums auf den Kanaren, Juan Salvador León.

In der Vernehmung habe der Mann beteuert, seine Frau und sein Sohn seien noch am Leben gewesen seien, als er die Höhle verlassen habe. Ein Sprecher der Polizei sagte, es gebe noch "sehr vieles zu klären".

Der kleine Bruder des toten Jungen, nach verschiedenen Angaben fünf bis sechs Jahre alt, war am Dienstagnachmittag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock aufgegriffen worden. Die Behörden schätzen, dass das Kind zuvor an die fünf Stunden lang auf der Insel umher geirrt war.

Polizisten und Mitglieder der Feuerwehr suchten nach Mutter und Sohn.
Polizisten und Mitglieder der Feuerwehr suchten nach Mutter und Sohn.  ©  Andres Gutierrez/El Día de Tenerife/dpa

Der Fünfjährige habe anschließend der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die beiden Kinder brutal attackiert, berichteten Medien. Dem Kleinen sei nach eigenen Angaben dann die Flucht gelungen.

"Der Kleine war sehr erschrocken, zitterte, hatte viel Angst und bat darum, dass man ihn nach Deutschland bringt", sagte eine Frau, die den Jungen aufgriff und zur Polizei brachte, der Zeitung "El Día". Der Junge wurde derweil von Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Laut Medien hatten sich die Eltern schon vor einiger Zeit getrennt.

Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga sagte, der Deutsche wohne den Erkenntnissen zufolge schon seit einiger Zeit dauerhaft in der 43.000-Einwohner-Gemeinde, sei aber nicht gemeldet gewesen.

Seine in Deutschland wohnende Familie sei regelmäßig zu Besuch gekommen. Die 39 Jahre alte Frau und die Kinder waren laut Bürgermeister erst am Montag auf Teneriffa eingetroffen. Gegen den Festgenommenen lägen in Spanien keine Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vor.

Ein Offizier der Guardia Civil während der Suchaktion nach der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes.
Ein Offizier der Guardia Civil während der Suchaktion nach der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes.  © Andres Gutierrez/El Día/dpa

Die deutsche Familientragödie löste nicht nur in Adeje, sondern in ganz Spanien große Bestürzung, Anteilnahme und Interesse aus.

Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich auf Twitter mit tiefem Bedauern und Erschütterung: "Aus Adeje (Teneriffa) erreichen uns die schlimmsten Nachrichten. Eine Frau und ihr Sohn sind ermordet worden. Die Macho-Gewalt schlägt wieder doppelt zu", schrieb der Sozialist. Sánchez verurteilte die Gewalt gegen Frauen und die häusliche Gewalt, die in Spanien dieses Jahr bereits 18 Frauen das Leben kostete.

Nachbarn des Deutschen in Adeje wussten wenig zu berichten. Nachbarin Nati, die nach eigenen Angaben "seit eineinhalb Jahren Tür an Tür" mit dem Mann wohnte, sagte zu "Diario de Avisos", der Mann habe sich abgeschottet. "Er saß immer auf der Terrasse, hat sich gesonnt, und las jeden Tag fünf oder sechs Stunden lang Zeitung. Gearbeitet hat er wohl nicht."

Andere Nachbarn erzählten, der Deutsche sei oft nur aus dem Haus gegangen, um mit einem Hund spazieren zu gehen.

Update 21.50 Uhr:

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung haben spanische Polizeibeamte den 43-jährigen Vater vorläufig festgenommen und sein Haus in Adeje durchsucht.

Update 21.57 Uhr:

Nach Angaben der Polizei in Bayern stammt die Familie aus Sachsen-Anhalt. Die bayerischen Ermittler hatten sich eingeschaltet, weil spanische Medien ein Foto von einem Facebook-Profil eines Mannes aus Traunstein verbreitet hatten. Er heiße genauso wie der Tatverdächtige, sagte eine Sprecherin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Dabei stammten die umgebrachte Deutsche, ihr Sohn und der festgenommene Ehemann aus Sachsen-Anhalt, sagte die Sprecherin weiter. Sachsen-Anhalts Innenministerium machte keine Angaben zur Herkunft der Familie und verwies auf das Bundeskriminalamt.

Der jüngste Sohn (5), der überlebt hat, soll am Freitag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Autopsie der Leichen könnte Aufschluss zur Tat bringen.

Titelfoto: Andres Gutierrez/El Día/dpa

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