Bereits aus dem All zu sehen! Seit zwei Wochen brennt der Amazonas lichterloh

São Paulo - Es sind unheimliche Bilder, die von einer der wahrscheinlich größten Naturkatastrophen der letzten Jahre zeugen. Durch die Waldbrände im Amazonas-Becken ist die brasilianische Millionen-Metropole São Paulo von dichtem Rauch eingehüllt.

In São Paulo sind Autofahrer nun auch mitten am Tag mit eingeschaltetem Scheinwerfer unterwegs. Bewohner der riesigen Stadt berichten von schwarzem Regen.
In São Paulo sind Autofahrer nun auch mitten am Tag mit eingeschaltetem Scheinwerfer unterwegs. Bewohner der riesigen Stadt berichten von schwarzem Regen.  © Andre Lucas/dpa

Schon am Montagnachmittag war São Paulo - eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt - in eine umfassende Dunkelheit getaucht. Seitdem breitet sich die riesige Rauchwolke weiter südöstlich bis zum Atlantik aus.

Die Waldbrände im brasilianischen Regenwald sind so immens, dass sie auch nach Wochen noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten.

Inzwischen ist die Naturkatastrophe selbst vom Weltall aus zu sehen. Allein seit vergangenem Wochenende haben Satellitenbilder mehr als 9000 neue Waldbrände in Brasilien entdeckt, wie die "Daily Mail" berichtet.

Das brasilianische Weltraumforschungszentrum INPE hat allein in diesem Jahr circa 72.000 Brände und damit einen Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2013 registriert.

Gegenüber dem gleichen Zeitraum von 2018 entspricht das einem Anstieg von 83 Prozent.

Im Amazonas-Becken befindet sich der größte tropische Regenwald der Welt. Er gilt als lebenswichtig und unverzichtbar zur Bekämpfung der globalen Erderwärmung.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist als Klima-Hardliner bekannt

Jair Bolsonaro bei einer Rede vor dem brasilianischen Stahlkongress. Der Präsident will die Umweltregulierung im Land schwächen.
Jair Bolsonaro bei einer Rede vor dem brasilianischen Stahlkongress. Der Präsident will die Umweltregulierung im Land schwächen.  © Eraldo Peres/AP/dpa

Jair Bolsonaro, der rechtskonservative Präsident des Landes, meinte am Dienstag, die Bedeutung des Waldbrands werde überschätzt. Zu dieser Zeit des Jahres seien Brände völlig normal, da die Landwirte Feuer einsetzten, um den Boden zu bewirtschaften und Platz für die Viehzucht zu schaffen.

Der 64-jährige Präsident hat bereits einiges auf dem Kerbholz: So scherzte er kürzlich während eines öffentlichen Auftritts: "Wenn die absurden Abholzungszahlen wahr sind, dann bin ich Captain Chainsaw!"

Zudem behauptete er laut "Guardian", NGOs (Nichtregierungsorganisationen) hätten die Feuer im Amazonas-Regenwald gelegt. Einen Beweis dafür hatte er jedoch nicht.

Bolsonaro ist als Klimaschutz-Skeptiker bekannt. Erst vor Kurzem erließ er ein Dekret zur Reduzierung der Größe des Nationalen Umweltrats von 100 auf 21 Mitglieder. Die Zuständigkeit für die Abgrenzung der indigenen Gebiete möchte er langfristig vom Justizministerium auf das Landwirtschaftsministerium übertragen.

Zu seinen politischen Programmpunkten gehört auch eine stärkere Hilfe für Bergbau- und Agrarunternehmen, damit diese ihre Aktivitäten ins Amazonas-Innere ausweiten können. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2019 ist die internationale Besorgnis über die zunehmende Entwaldung in Brasilien gewachsen.

Deutschland und Norwegen haben aus der Politik des Präsidenten bereits Konsequenzen gezogen. Anfang August gaben beide Länder die Aussetzung der Umweltfinanzierung für Nachhaltigkeitsprojekte in Brasiliens Wäldern bekannt.

Bilder und Videos gehen viral, Promis äußern sich auf Instagram

Die schockierenden Bilder vom Amazonas-Becken gehen um die gesamte Welt und werden tausendfach in den sozialen Netzwerken geteilt. Leonardo DiCaprio ist einer der bekanntesten Stars, die sich um die Zukunft des Planeten sorgen. Auf Instagram teilte der Filmschauspieler eine Luftaufnahme von Unternehmer und Umweltaktivist Nick Rose. Dieser schrieb folgende Worte:

"Furchterregend, zu wissen, dass der Amazonas der größte Regenwald des Planeten ist, der 20% des Sauerstoffs der Erde erzeugt. Die Lunge der Welt brennt und das schon seit 16 Tagen."

Kritisch äußerte er sich auch über die fehlende Berichterstattung - in den internationalen Medien werde die Katastrophe kaum behandelt und sogar weitgehend ignoriert, so Nick Rose.

Eine Gruppe von Menschen beobachtet die Flammen bei einem Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes.
Eine Gruppe von Menschen beobachtet die Flammen bei einem Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes.  © Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa
Obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass es in Brasilien zu dieser Jahreszeit aufgrund hoher Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit brennt, übersteigen die diesjährigen Brände alles bisher Dagewesene. Ein Farbbild aus dem Weltall zeigt das Ausmaß.
Obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass es in Brasilien zu dieser Jahreszeit aufgrund hoher Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit brennt, übersteigen die diesjährigen Brände alles bisher Dagewesene. Ein Farbbild aus dem Weltall zeigt das Ausmaß.  © NOAA/NASA/dpa

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