Sarrazin-Buch über Islam: Grüne warnen vor "Brandbeschleuniger für Hass und Gewalt"

Berlin - Kurz vor Erscheinen des neuen Buches von Thilo Sarrazin (73) über den Islam haben die Berliner Grünen dem umstrittenen Bestseller-Autor ("Deutschland schafft sich ab") vorgeworfen, Hass und Gewalt zu schüren.

Der Berliner Grünen-Landeschef Werner Graf (38) kritisiert Sarrazins Islam-Kritik.
Der Berliner Grünen-Landeschef Werner Graf (38) kritisiert Sarrazins Islam-Kritik.  © dpa/Paul Zinken

"Wer pauschal gegen einzelne Religionen hetzt, legt damit den Grundstein für rechtsextreme Gewalt und ist damit Teil des Problems", erklärte der Landesvorsitzende Werner Graf (38).

"Für Thilo Sarrazin ist der Islam an allem schuld. Das ist nicht nur diskriminierend, sondern völlig ignorant."

Und der Grünen-Politiker legte nach, indem er sagte, Sarrazin liefere "einen Brandbeschleuniger für Hass und Gewalt".

Der frühere Berliner Finanzsenator Sarrazin stellt seinen neuen Titel "Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" am Donnerstag in Berlin vor.

Bisher ist über den Inhalt außer den Verlagsankündigungen wenig bekannt.

Autor Thilo Sarrazin (73) wehrt sich gegen Vorwürfe, es sei ein Hassprediger gegen den Islam. (Bildmontage)
Autor Thilo Sarrazin (73) wehrt sich gegen Vorwürfe, es sei ein Hassprediger gegen den Islam. (Bildmontage)  ©  DPA; Verlag/FBV (Bildmontage)

Mit seinem Bestseller "Deutschland schafft sich ab" und umstrittenen Thesen zur Einwanderung im August 2010 hatte Sarrazin Entrüstungsstürme und Debatten über Islamkritik und Vererbung von Intelligenz ausgelöst.

Kürzlich hatten einige SPD-Politiker angekündigt, nach Erscheinen des neuen Buchs erneut Sarrazins Parteimitgliedschaft prüfen zu wollen (TAG24 berichtete). Zwei frühere Versuche waren gescheitert.

Im aktuellen "Stern" warnte Sarrazin davor, dass Muslime in zwei oder drei Generationen die Mehrheit in Deutschland stellen würden: "Sie können dann die Gesetze ändern, Deutschland und Europa so gestalten, wie sie es haben wollen", sagt er in einem Streitgespräch mit dem Hamburger Magazin.

Sarrazin forderte, den weiteren Zuzug von Migranten unbedingt zu verhindern: "Die immer größer werdenden islamischen Communities beanspruchen in physischer und geistiger Hinsicht mehr und mehr öffentlichen Raum."

Trotz dieser Rhetorik wies er im "Stern" den Vorwurf empört zurück, damit an die "Volk-ohne-Raum"-Nazi-Propaganda zu erinnern.

Auf den Einwand, er sei ein Hassprediger, antwortete er: "Das ist eine haltlose Beleidigung, mit der Sie das Wirken muslimischer Hassprediger verharmlosen. Ich predige keinen Hass. Ich habe in meinem Buch abgewogen formuliert."

Titelfoto: DPA; Verlag/FBV (Bildmontage)


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