Nach Satire über AfD und Chemnitz: Morddrohungen gegen Schlecky Silberstein

Berlin - Am 7. September hatte Comedian Schlecky Silberstein (37) mit seinem Team in Berlin-Lichtenberg eine Parodie auf die Vorfälle in Chemnitz gedreht. Dabei wurden nicht nur die Demonstranten, sondern auch Polizei und Medien auf die Schippe genommen.

Christian Brandes alias Schlecky Silberstein hat Ärger mit der AfD.
Christian Brandes alias Schlecky Silberstein hat Ärger mit der AfD.  © DPA/Screenshot Youtue Bohemian Browser Ballet

Die Berliner AfD fand den Dreh aber alles andere als witzig. Sie veröffentlichten am Freitag ein Video mit dem Titel "Fakevideo-Firma versteckt sich." Darin erklären sie, dass die "mutmaßliche Produktionsfirma" einen AfD-Stand fälsche und eine Fake-Nazidemo drehe.

"Beim Dreh in Berlin-Lichtenberg versammelten sich schnell Anwohner, die den Verdacht schöpften, wir wollten eine gefakte Nazi-Demo in Berlin inszenieren. Geduldig erklärten wir das Set und die Story, bemerkenswert vielen Menschen mussten wir auch die Kunstfreiheit erklären", erklärt Schlecky Silberstein in seinem Blog.

Doch nun erhalte Silberstein Morddrohungen.

In Reportermanier stand plötzlich der AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel vor der Haustür der Produktionsfirma. Er wolle sie wegen des Drehs zur Rede stellen, da seine Partei diskreditiert werde. Zudem seien rechtliche Schritte eingeleitet worden. "1. zivilrechtlich wegen Urheberrechtsverletzung durch die unerlaubte Nutzung eines kaum verfremdeten Parteilogos und 2. strafrechtlich wegen Vortäuschung einer Straftat, mit dem Ziel die AfD zu verleumden."

Der Politiker filmte das Klingelschild ab, "wo viele Kommentatoren sehr erregt über den jüdischen Namen meines Partners waren", wie der Comedian erklärt.

Seitdem bekomme auch Schlecky Silberstein Morddrohungen. Er wirft der AfD vor, diese Reaktionen bewusst geschürt zu haben: "Natürlich wusste jeder bei der Partei, dass wir eine Satire drehen. Wir haben das komplette Set mit entsprechenden Hinweise zugekleistert. Hansel 'besuchte' uns, als wir uns schon längst als Auftraggeber des Satire-Drehs zu Erkennen gegeben hatten. Und dennoch stellte er sich taktisch blöd. Man kann auch sagen: Er hielt an der perfiden Lüge fest."

Für den 37-Jährigen war das ein klassisches autokratisches Vorgehen. "Die eigenen Anhänger sollen das Vertrauen in das wichtige Korrektiv namens Medien verlieren. Nicht umsonst ist überall auf der Welt und überall in der Geschichte Schritt eins nach der Machtübernahme die Einschränkung der Kunst- und Pressefreiheit."

Nach eindringlichen Worten an die Protestwähler beschreibt er den systematischen Druck der AfD. "Wer Künstler und Journalisten bedroht und in den eigenen Kommentarspalten toleriert, dass Medienschaffende und ihre Familien dem Mob präsentiert werden, der kann keine Alternative sein."

Titelfoto: DPA/Screenshot Youtue Bohemian Browser Ballet


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