500 Jahre alt! Verloren geglaubter Schatz wieder da

Dresden/Weißenberg - Mehr als 70 Jahre waren sie verschollen. Nun sind neun längst verloren geglaubte Buch- und Schriftenschätze aus der Reformationszeit wieder da.

Museumsdirektor Sebastian Walther (31) hat die Bücher auf dem Dachboden des Weißenberger Museums gefunden.
Museumsdirektor Sebastian Walther (31) hat die Bücher auf dem Dachboden des Weißenberger Museums gefunden.  © Holm Helis

Einst gehörten sie zum unschätzbar wertvollen Bestand der sächsischen Landesbibliothek (heute SLUB). Dass sie nun dorthin wieder zurückkehren konnten, verdankt Sachsen einem glücklichen Zufallsfund - auf dem Dachboden des Museums "Alte Pfefferküchlerei" in Weißenberg bei Bautzen.

Wie lange die Schätze dort schon schon lagerten, ist nicht klar. Jetzt hat sie Museumsdirektor Sebastian Walther (31) aufgestöbert.

"Natürlich ist es für jeden Historiker gewissermaßen wie Weihnachten, wenn man nach über 70 Jahren der Erste ist, der so einzigartige Zeugnisse der Reformationszeit in den Händen hält", so Walther. Es handelt sich um Predigt- oder Erbauungsschriften aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Das älteste Buch ist von 1525, auch Martin Luthers "Kirchen Postilla" von 1554 ist wieder da.

Neben ihrem Alter sind die Bücher wegen der handschriftlichen Vermerke von besonderer Bedeutung.

Widmung eines Luther-Begleiters

Luthers "Kirchen Postilla" von 1554 gehörte Caspar Eberhards, der selbst zu Lebzeiten des Reformators in Wittenberg studierte.
Luthers "Kirchen Postilla" von 1554 gehörte Caspar Eberhards, der selbst zu Lebzeiten des Reformators in Wittenberg studierte.

"Ein Band enthält zum Beispiel eine eigenhändige Widmung von Johannes Bugenhagen, einem der wichtigsten Wegbegleiter Martin Luthers", erklärte SLUB-Generaldirektor Achim Bonte (54).

Ein anderes Buch gehörte Caspar Eberhards (1523-1575), der zu Lebzeiten Luthers in Wittenberg studierte und später dort Pfarrer und Professor wurde. "Vergegenwärtigt man sich, wann diese Drucke und Handschriften entstanden und welchen Weg sie durch die Jahrhunderte mit all ihren Kriegen und Veränderungen genommen haben, so ist es beinahe ein kleines Wunder, dass uns diese Schätze bis heute erhalten sind", sagte Walther.

In der SLUB sollen sie nun digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Noch immer aber fehlen 200.000 Werke, die in der Bombennacht 1945 vernichtet oder danach als Kriegsbeute abtransportiert worden waren.

Gemeinsam präsentieren Sebastian Walther, SLUB-Generaldirektor Achim Bonte (54) und Abteilungsleiterin Jana Kocourek (48) die kostbaren Bücher.
Gemeinsam präsentieren Sebastian Walther, SLUB-Generaldirektor Achim Bonte (54) und Abteilungsleiterin Jana Kocourek (48) die kostbaren Bücher.  © Holm Helis
In diesem Museum lagen die Schätze unerkannt unterm Dach.
In diesem Museum lagen die Schätze unerkannt unterm Dach.  © Holm Helis
Zwischen Akten und anderen Büchern wurden die Werke entdeckt.
Zwischen Akten und anderen Büchern wurden die Werke entdeckt.  © Holm Helis

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