Schiri-Legende Urs Meier: "Die Auslegung der Handspielregel ist wirklich katastrophal!"

München - Urs Meier (60) war über viele Jahre hinweg Schiedsrichter bei der Fifa, pfiff unter anderem das Champions-League-Finale 2002 (Real Madrid - Bayer 04 Leverkusen [2:1]). In einem Interview mit der AZ sprach er jetzt über die Handspielregel und kritisierte die Unparteiischen heftig.

Urs Meier kritisiert die Auslegung der Handspielregel scharf.
Urs Meier kritisiert die Auslegung der Handspielregel scharf.  © DPA

"Die Auslegung der Handspielregel ist wirklich katastrophal – und zwar auf allen Ebenen, in der Bundesliga und international. Ich kann nur noch den Kopf schütteln", so der Schweizer. "Aktuell wird fast immer Elfmeter gepfiffen, wenn der Ball die Hand berührt."

Eigentlich sei die Handregel sehr einfach. "Der Schiedsrichter muss entscheiden, ob Absicht vorliegt oder nicht, ob die Bewegung der Hand natürlich oder unnatürlich ist – und ob die Hand zum Ball geht oder eben der Ball zur Hand. Das sind die Kriterien", erläutert Urs Meier.

Und trotzdem wird immer wieder fälschlicherweise auf Strafstoß entschieden, wenn der Ball "aus kurzer Distanz mit Wucht an die Hand geschossen wird". Für den 60-Jährigen nicht nachzuvollziehen.

Bei der Partie Fortuna Düsseldorf gegen den FC Bayern München am vergangenen Bundesliga-Spieltag beispielsweise: Mats Hummels bekam den Ball aus kürzester Distanz im eigenen Sechzehner an den Arm. Schiedsrichter Felix Zwayer ließ zunächst weiterspielen, dann griff der VAR ein - Handelfmeter.

Für dieses häufig unnötige Eingreifen der Video Assistant Referees hat Urs Meier eine Erklärung. "Ich glaube, dass von oben viel Druck auf die Video-Schiedsrichter ausgeübt wird und deshalb Angst und Verunsicherung herrschen", vermutet der 60-Jährige.

Urs Meier über Handspielregel: Schiedsrichter wieder stärken

Fortuna Düsseldorf gegen FC Bayern: Felix Zwayer schaut auf den Bildschirm für den Videobeweis und entscheidet anschließend auf Elfmeter.
Fortuna Düsseldorf gegen FC Bayern: Felix Zwayer schaut auf den Bildschirm für den Videobeweis und entscheidet anschließend auf Elfmeter.  © DPA

Urs Meier findet, man sollte die Schiedsrichter auf dem Spielfeld wieder stärken und entscheiden lassen, ob ein Handspiel absichtlich oder eben nicht war.

"Natürlich ist es richtig, dass bei klaren Fällen per Video-Schiedsrichter eingeschritten wird, wenn der Feldschiedsrichter ein Vergehen nicht gesehen hat. Aber das sind Ausnahmen", so der ehemalige Fifa-Schiedsrichter.

Urs Meier würde es begrüßen, wenn der Fußball wieder zu dem Modell von früher zurückkehren würde.

Meier: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz – und dort soll der Schiedsrichter die Situationen bewerten und entscheiden."

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