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Schlag gegen Cyberkriminalität - Polizei verhaftet europaweit Tatverdächtige

Europa - Mehrere Verdächtige, darunter auch fünf Deutsche, wurden bei einer internationalen Razzia gegen Cyberkriminalität festgenommen.
Das Darknet ist ein Sammelsurium illegaler Internetmachenschaften.
Das Darknet ist ein Sammelsurium illegaler Internetmachenschaften.

Europa - Mehrere Verdächtige, darunter auch fünf Deutsche, wurden bei einer internationalen Razzia gegen Cyberkriminalität festgenommen. Ziel der Ermittlungen ist die Zerschlagung krimineller Handlungen im sogenannten Darknet. Illegale Streaming-Dienste sowie schädliche Software standen ebenfalls im Augenmerk der Ermittler.

Internationalen Ermittlern ist ein erheblicher Schlag gegen Internetkriminalität gelungen. Dabei wurden in einer europaweiten Razzia zahlreiche Verdächtige festgenommen, die unter Verdacht stehen, Betreiber sowie Nutzer von illegalen Internetplattformen zu sein.

Im Zuge der Untersuchungen in Deutschland wurden laut Aussage des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) 69 Wohnungen und Firmenräume inspiziert und insgesamt neun Personen, welche unter dringendem Tatverdacht stehen, festgenommen.

Es sei eine äußerst erfolgreiche Untersuchung gewesen und ein „bedeutender Schlag gegen die deutschsprachige Underground-Economy-Szene", ließen das BKA und die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft verlauten. Bei den vorläufig festgenommenen Verdächtigen konnten die Ermittler diverse Speichermedien, Computer, Bargeld und Waffen beschlagnahmen.

Auch in weiteren Ländern Europas wie in Frankreich, den Niederlanden, Litauen, Bosnien-Herzegowina, der Schweiz und in Russland wurden zur selben Zeit Razzien bei verdächtigen Personen abgehalten.

Das Darknet – Eine Parallelwelt im Internet

Polizeilich erfasste Fälle von Cyberkriminalität in Deutschland von 2008 bis 2014.
Polizeilich erfasste Fälle von Cyberkriminalität in Deutschland von 2008 bis 2014.

Die vermeintlichen Straftaten wurden von den verdächtigen Personen im sogenannten Darknet begangen. Das Darknet ist eine Art Parallelwelt, das neben dem frei zugänglichen Internet existiert. Im Dark-Web gelangen Nutzer in den Vorteil, sich über kriminelle Aktivitäten frei informieren beziehungsweise illegale Waren erstehen zu können – und das mitunter vollkommen unerkannt.

Dieser Fakt verwandelt das Darknet in vielen Bereichen zu einem kriminellen Marktplatz für den Kauf und Verkauf zahlreicher Waren wie Drogen, Waffen, Falschgeld oder gefälschten Ausweisdokumenten.

Wer sich im Darknet bewegt, ist entweder neugierig oder möchte unerkannt bleiben. In vielen Fällen ist die Anonymität aufgrund von illegalen Geschäften erwünscht.

Allerdings kann die Verschleierung der eigenen Datenspur auch von Nutzen sein, wenn der Zugang aus einem repressiven politischen System erfolgt und Nutzern andernfalls eine Strafverfolgung droht. Andere wiederum wollen sich beim Surfen im World Wide Web lediglich ihrer Privatsphäre sicher sein.

Um die Anonymität des Nutzers optimal zu gestalten und keinerlei Informationen über die Herkunft des Users auszugeben, wird der Kauf und Verkauf von Waren im Darknet mit einer eigenen Währung, den sogenannten Bitcoins, vollzogen.

So bleibt der Käufer oder Verkäufer anonym und dubiose Geschäftsbeziehungen lassen sich diskret abwickeln. Bitcoins können von Nutzern im Vorfeld käuflich erstanden werden und geben so keinerlei Aufschluss über Transaktionspartner.

Auch wenn es nahezu ausgeschlossen ist, zufällig ins Darknet zu geraten, lauern auch im frei zugänglichen World Wide Web permanent Gefahren für wenig umsichtige Nutzer. „Ins Internet – mit Sicherheit“ lautet der Name eines Projekts, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ins Leben berufen wurde und aktuell über bekannte Sicherheitsrisiken im Web und technische Lücken bekannter Software informiert.

Doch nicht nur für Nutzer, auch für Anbieter ist Internetkriminalität ein großes Problem: „Die Glücksspielbranche kämpft seit Jahren um einen seriösen Ruf in Deutschland, muss sich aber permanent gegen dubiose Anbieter im Internet zur Wehr setzen und hat deswegen mit rückläufigen Umsatzzahlen zu kämpfen“, so die Einschätzung des Verantwortlichen für Datenschutz und Sicherheit bei Casino-24.com des Status quo.

Fünf Deutsche festgenommen – Hauptverdächtiger ist Bosnier

Das Darknet wird mit steigender Frequenz genutzt und dient zum Teil auch weltweit koordinierten Verbrechensorganisationen zur Kommunikation und zum Warenaustausch.

Während der Razzia soll den Ermittlern in Bosnien-Herzegowina ein besonders dicker Fisch ins Netz gegangen sein. Ein 27-jähriger Bosnier gilt als Hauptverdächtiger. Ihm soll seit 2012 eine Schlüsselrolle als Chef-Administrator beim technischen Betrieb der Untergrund-Foren zugefallen sein.

Auch in weiteren Städten Deutschlands konnten die Ermittler Erfolge verbuchen. Festgehalten werden derzeit auch drei Männer aus Niedersachsen im Alter von 19 bis 28 Jahren. Über Handelsplattformen im Darknet sollen die Verdächtigen Drogengeschäfte abgewickelt haben.

Für diesen Vorwurf spricht zusätzlich der Fund von 36 Kilogramm Amphetamin, 2,3 Kilogramm Ecstasy, 1,5 Kilogramm Kokain und zwei Kilo Haschisch in den Wohnungen zweier Verdächtiger. Die konfiszierten Drogen besitzen einen Verkaufswert von etwa 250.000 Euro.

Des Weiteren konnten in Niedersachsen ein 29-jähriger und im Münsterland ein 21-jähriger Mann dingfest gemacht werden. Beide Personen werden laut der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt verdächtigt, als Administratoren für Foren im Darknet zu fungieren, in denen mit Waffen, Drogen und gefälschten Ausweisen gehandelt wird.

Zusätzlich sollen die Verdächtigen aus den illegalen Geschäften finanziellen Nutzen gezogen haben. Beide Personen sitzen laut Bundeskriminalamt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Der 21-jährige Verdächtige soll obendrein Betreiber einer Plattform sein, auf der kostenpflichtige Programme wie Filme oder Sportveranstaltungen aus dem Pay-TV illegal und kostenlos offeriert werden. Ob der Mann aus dem Münsterland ein Einzeltäter oder Teil eines kriminellen Verbrecherrings ist, wird Teil der Untersuchungen sein.

Insgesamt konnten die Ermittler Bargeld und Vermögensgegenstände im Wert von ca. 150.000 Euro sicherstellen. Zudem wurden bei der Razzia mehrere Schusswaffen, Betäubungsmittel und zahlreiche Speichermedien gefunden, die als Beweismaterial dienen.

Die wichtigsten Informationen und Fragen zum Darknet:

Was ist das Darknet?

Darknet oder im Deutschen auch „Dunkles Netz“ ist die Bezeichnung für ein parallel zum öffentlichen World Wide Web verlaufendes Netzwerk, welches konzipiert ist, um einen unkomplizierten und nicht verfolgbaren Datenaustausch zu ermöglichen. Das Darknet stellt eine gegensätzliche Variante des Internets dar, in welchem die Anonymität des Nutzers oberste Priorität besitzt. Dies begünstigte die Entstehung krimineller Marktplätze, auf denen seither mit illegalen Waren gehandelt wird.

Warum ist das Darknet entstanden?

Auf illegalen Tauschbörsen, vornehmlich Peer-to-Peer-Netzwerken, gestaltete sich der Handel mit illegalen Waren oder Dienstleistungen über das Internet riskant, da eine Strafverfolgung seitens der Polizei über die gängige Datenspeicherung verhältnismäßig leicht zu bewerkstelligen war. Mit dem Darknet ist die Möglichkeit gegeben, sämtlichen Datentransfer oder illegale Tauschgeschäfte anonym abzuwickeln, ohne Gefahr zu laufen, über Dritte enttarnt zu werden.

Wie wird das Darknet betreten?

Der Zugang zum Darknet gestaltet sich schwierig und Bedarf fachmännischen Kenntnissen. In der Regel werden Personen von bereits aktiven Usern ins Deep Web eingeladen. Eine andere Zugangsmöglichkeit bietet das „Tor"-Netz. Die Anwendung mit dem Namen „The Onion Router" ist legal als Open-Source-Software zu erstehen, so torproject.org. Alle sich im Darknet befindlichen Computer schaffen eine Art Kettenverschlüsselung, bei der Daten im Sekundentakt von verschiedensten Verschlüsselungen umwickelt und wieder befreit werden.

So ist es nahezu unmöglich, das Aufrufen einer Webseite nachzuverfolgen. Jedoch wird „Tor" nicht nur von Menschen genutzt, die Straftaten verschleiern wollen, sondern häufig auch von Personen, die aufgrund des politischen Systems in ihrem Land gehindert werden, sich frei im Internet zu bewegen.

Wer bekämpft die Cyberkriminellen?

Laut Angaben ist die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT) in Gießen seit 2010 für schwere oder komplexe Internetstraftaten in Deutschland zuständig. Kooperiert wird mit dem Bundeskriminalamt (BKA) wie auch mit anderen Landeskriminalämtern.

Foto/Grafik: Shutterstock.com, mopo24.de

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