Heute gründen die Sorben ihr eigenes Parlament

Schleife - Erstmals in ihrer Geschichte gründen die Sorben heute ihr eigenes Parlament, den "Serbski Sejm". Das Projekt ist auch in den eigenen Reihen umstritten.

Die sorbische Farben - ab heute erstmals überhaupt in einem eigenen Parlament der Minderheit.
Die sorbische Farben - ab heute erstmals überhaupt in einem eigenen Parlament der Minderheit.  © DPA / Miriam Schönbach

"Es ist soweit. Das erste Parlament der Wenden und Sorben tritt zum ersten Mal zusammen", lautet die Einladung des Ältestenrats und des Wahlleiters ins Sorbische Zentrum nach Schleife in der Lausitz.

Den Auftakt bildet ein ökumenischer Gottesdienst.

"Es handelt sich um kein Parlament im Sinne einer öffentlichen Wahl. Das ,Parlament' ist eher mit einem Verein zu vergleichen", heißt es barsch von den Domowina, die seit Jahrzehnten die Sorben vor allem in kulturellen Angelegenheiten vertreten.

"Es handelt sich um keine Volksvertretung."

Der Linke-Landtagsabgeordnete Heiko Kosel (52), selbst Mitglied im neuen Sejm, schüttelt darüber den Kopf: "Wir sind eine Art Vorparlament." Der Sejm sei wichtig, weil doch gerade die bisherigen Vereinsstrukturen der Domowina als "ineffektiv" gelten würden.

Der Sejm aber biete die Möglichkeit für eine effektive Mitbestimmung - bei den Themen Schulen, Sprache, Kultur. Diese Dinge wiederum könnten künftig von der Politik "abgegeben" werden. An den Sejm. Effekt: mehr Autonomie für die sorbische Minderheit. Das komme der Lausitz als Ganzes zugute.

"Denn gute Minderheitenpolitik ist immer auch gute Regionalpolitik", so Kosel. Ebenfalls begrüßt wird der Sejm von seinen Landtagskollegen Marko Schiemann (63, CDU) und Harald Baumann-Haske (60, SPD).

Heiko Kosel (52).
Heiko Kosel (52).

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