Vergiftetes Pausenbrot: Jetzt werden die Leichen wieder aus den Särgen geholt

Schloß Holte-Stukenbrock – Beim Biss in die Pausenstulle drohte Mitarbeitern eines Anlagenbauers offensichtlich Krankheit und Tod. Nach dem Fund von giftigem weißem Bleipulver auf einem Pausenbrot in dem ostwestfälischen Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock untersucht die Polizei jetzt einen mutmaßlichen spektakulären Kriminalfall.

Der mutmaßliche Täter hat in einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock gearbeitet.
Der mutmaßliche Täter hat in einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock gearbeitet.  © DPA

Bei zwei schweren Erkrankungen in der Firma hat sich bereits der Verdacht auf Schwermetallvergiftungen konkretisiert. 21 weitere Todesfälle der Vergangenheit werden neu aufgerollt (TAG24 berichtete). War jahrelang ein skrupelloser Giftmischer in dem Unternehmen unterwegs?

Seit Mitte Mai sitzt ein 56-Jähriger in Untersuchungshaft und schweigt. Die Ermittler werfen dem Mann vor, das giftige Schwermetall Bleiacetat in Pulverform auf die Pausenstulle eines Kollegen gestreut zu haben. Die Menge sei ausreichend gewesen, Organe schwer zu schädigen.

In seiner Wohnung hatten die Ermittler Stoffe gefunden, aus denen giftige Substanzen hergestellt werden können. Darunter sind Quecksilber, Blei und Cadmium.

"Zuerst waren wir von einem schlechten Scherz unter Kollegen ausgegangen, nicht von einem Mordversuch", sagte der Personalchef des Verdächtigen, Tilo Blechinger. Kurz zuvor hatten Staatsanwaltschaft und Polizei mitgeteilt, dass die Ermittlungen ausgeweitet werden.

Auf seinem Pausenbrot entdeckte ein Mann eine seltsame Substanz. (Symbolbild)
Auf seinem Pausenbrot entdeckte ein Mann eine seltsame Substanz. (Symbolbild)  © 123RF

Das löste in dem Unternehmen mit in Deutschland rund 1000 Mitarbeitern neue Aufregung aus.

Blechinger geht aber davon aus, dass die 21 Todesfälle nicht alle mit dem Gift in Verbindung stehen. Die Polizei gehe auf Nummer sicher und untersuche auffällige Todesfälle der vergangenen 18 Jahre. "Da sind auch Unfälle dabei", sagt der Personalchef des Anlagenbauers.

Rätselhaft ist das Motiv. Der Verdächtige schweigt bislang in der Untersuchungshaft. Zu Spekulationen und Vermutungen im Kollegenkreis des Unternehmens will sich die Polizei nicht äußern. "Da laufen die Ermittlungen, deshalb sagen wir dazu nichts", sagt der Sprecher der Bielefelder Polizei, Achim Ridder.

Der Verdächtige, der nach Angaben seines Arbeitgebers 38 Jahre lang "auffällig unauffällig" in dem Betrieb unterwegs war, flog durch die Aufnahme einer Videokamera auf. Nach einem ersten Verdacht hatten sich Vorgesetzte und Betriebsrat schnell darauf geeinigt, den Fall zu überprüfen. Ein Mitarbeiter hatte zuvor auf einer Stulle helles Pulver entdeckt und seinen Vorgesetzten eingeschaltet. Die Kamera hatte dann aufgezeichnet, wie der Kollege das giftige Pulver auf einem Pausenbrot verteilte.

Jetzt sollen tatsächlich mehrere Leichen exhumiert werden, das berichtet die Neue Westfälische. Sollten dann Blei, Quecksilber oder andere giftige Substanzen nachgewiesen werden können, muss die Polizei nachweisen, dass der 56-Jähriger dahinter steckt.

Titelfoto: 123RF


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