Ehemalige Bewohner erschüttert: Was ist nur aus Schloss Übigau geworden?

Seit Jahren ist das Schloss Übigau mehr oder weniger dem Verfall ausgesetzt.
Seit Jahren ist das Schloss Übigau mehr oder weniger dem Verfall ausgesetzt.

Dresden - Das barocke Dresdner Schloss Übigau verfällt seit Jahren. Die Heidelberger Besitzerin Ingrid Schinz (64) sichert das leerstehende Haus nur geringfügig gegen den Ruin.

Die Dresdnerin Elfriede Schubert (75) erlebt den Verfall mit Trauer: Sie wohnte als Kind in der barocken Perle am Elbufer. Sachsens ehemaliger Landeskonservator Gerhard Glaser (80) richtet unterdessen eine klare Forderung an die Stadt Dresden.

„Ich stand vor dem Schloss und habe bitterlich geweint“, beschreibt Elfriede Schubert den Moment, als sie 2008 das Barockjuwel nach Jahrzehnten erstmals wieder sah. Schubert lebte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als kleines Mädchen im Dachgeschoss des Schlosses. „Unsere Familie wurde hier einquartiert, nach 18 Monaten mussten wir raus.“

Die Verwaltung des VEB Dampfkesselbau Übigau zog ein.





Elfriede Schubert (75) lebte als kleines Mädchen auf Schloss Übigau.
Elfriede Schubert (75) lebte als kleines Mädchen auf Schloss Übigau.  © Steffen Füssel

Jetzt hofft sie, dass etwas mit dem Schloss geschieht: „Man sollte über eine Enteignung nachdenken. Es tut sich seit Jahren nichts.“ Die Voraussetzungen für eine Enteignung sind allerdings momentan nicht gegeben, schätzt die Stadtverwaltung auf Anfrage von Stadtrat Thomas Löser (45, Grüne) ein. Die Stadtverwaltung müsste erst versuchen per Vorkaufsrecht das Schloss zu kaufen.

Sachsens ehemaliger Landeskonservator Gerhard Glaser (80) fordert genau das: „Hier sollte die Stadt das Vorkaufsrecht ziehen. Ansonsten steht eines der bedeutendsten Barockbauwerke vor dem Ruin!“

Die Stadt prüft gegenwärtig, ob sie diesen Weg gehen will. Eine Entscheidung steht noch aus. Stadtrat Thomas Löser meint: „Die Stadt sollte es nur kaufen, wenn sie einen Investoren in der Hinterhand hat. Dass die Stadt es erwirbt, selbst saniert und betreibt, halte ich für ausgeschlossen.“

Ausgang offen...

Schon von Außen bietet das Haus keinen schönen Anblick mehr.
Schon von Außen bietet das Haus keinen schönen Anblick mehr.  © Steffen Füssel

Die Schlossherrin kann, wenn sie will...

Während in Dresden das Schloss Übigau verfällt, sorgt sich Besitzerin Ingrid Schinz in Heidelberg um ein ganzes Industriedenkmal.

Das Areal der ehemaligen „Landfriedschen Tabakfabrik“ hat sie wie Schloss Übigau im Jahr 2009 geerbt.

Anders als in Dresden geht es mit dem dortigen Industriedenkmal aber voran: 2014 setzte Frau Schinz öffentlichkeitswirksam den Schlussstein für einen sanierten Schornstein.

„Ich bin auch froh darüber, dass es meinem Team gelungen ist, den Schornstein komplett zu sanieren und zu versiegeln, sodass er auch den nächsten Generationen erhalten bleibt“, so ihre Worte in einer damaligen Mitteilung.

Solch Transparenz fehlt bislang in Dresden. Ein Schinz-Vertreter verweigerte der Morgenpost auch auf mehrfache Nachfragen jegliche Informationen.

Titelfoto: Steffen Füssel