Schmuck-Unternehmen verkauft Silber in Millionenhöhe, das es gar nicht gibt

Mannheim - Die Stadt Pforzheim ist bekannt für ihre florierende Schmuckproduktion. Einem dortigen Schmuck-Unternehmen ging es aber nicht glänzend. Die Firmenleitung sah laut Anklage nur einen einzigen Ausweg - Betrug.

Gesetzbücher stehen am Landgericht Mannheim.
Gesetzbücher stehen am Landgericht Mannheim.  © Uwe Anspach/dpa

Drei Männer müssen sich von Freitag (9 Uhr) an vor dem Landgericht Mannheim verantworten, weil sie nicht oder nur ungenügend vorhandenes Silber verkauft und einen Edelmetall-Diebstahl vorgetäuscht haben sollen.

Durch die Scheinverkäufe haben der angeklagte ehemalige Geschäftsführende Alleingesellschafter und sein Prokurist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Liquiditätsprobleme ihrer Firma beheben wollen.

Das Pforzheimer Unternehmen produzierte und vertrieb Schmuck. Durch den Betrug sei einer Geschäftspartnerin durch mehrere Geschäfte in den Jahren 2010 und 2011 ein Schaden von fast einer Million Euro entstanden.

Der Ex-Firmenchef hat laut Anklage überdies mit einem weiteren damaligen Angestellten des Unternehmens der Polizei wahrheitswidrig einen Diebstahl gemeldet. Ziel sei gewesen, die Ursache der Fehlbestände an Edelmetallen zu verschleiern.

Der Angestellte soll dabei die Strafanzeige erstattet und sein damaliger Chef Angaben zum angeblichen Tatablauf gemacht haben. Darüber hinaus wird dem früheren Firmenleiter Insolvenzverschleppung vorgeworfen.

Prozess hat begonnen

Update 13.30 Uhr: Ein ehemaliger Pforzheimer Schmuckunternehmer und seine beiden früheren Angestellten stehen seit Freitag unter anderem wegen Betrugs, Untreue und Insolvenzverschleppung vor Gericht. Der ehemalige Firmenleiter und sein Prokurist sollen vorgegeben haben, an einen Geschäftspartner Silber verkauft zu haben, in dessen Besitz sie gar nicht gewesen seien. Die Staatsanwaltschaft geht dabei von Betrug in zwölf Fällen 2010/11 aus. Grund seien Liquiditätsproblem der Firma gewesen. Betroffen sei ein langjähriger Geschäftspartner, dessen Vertrauen ausgenutzt worden sei. Dieser habe einen Schaden von nahezu einer Millionen Euro erlitten.

Das Hauptangeklagte Ex-Firmenchef ließ seinen Anwalt vor dem Landgericht Mannheim vermitteln, dass er den Vorwurf des Betrugs nicht gelten lasse. Es gehöre zu den "Spezialitäten" des Schmuckgeschäfts, dass Edelmetall nicht bei den Unternehmen "im Keller" gehortet werden müsse. Es könne auch dann veräußert werden, wenn die verkaufende Firma sicher sei, auf andernorts gelagertes Material zurückgreifen zu können. Dies sei in diesem Fall mit mehr als einer Tonne Silber so gehandhabt worden.

Zum Vorwurf der Insolvenzverschleppung gegen seinen 56-jährigen Mandanten sagte der Verteidiger, es habe damals eine gute Fortführungsprognose bestanden, weil sich ein Geschäft mit einem renommierten Schmuckunternehmen angebahnt habe. Deshalb habe kein Grund für das Anmelden einer Insolvenz bestanden.

Der Ex-Firmenchef hat laut Anklage überdies mit seinem Sohn, der im Außendienst des väterlichen Unternehmens tätig war, wahrheitswidrig einen Diebstahl gemeldet. Ziel sei gewesen, die Ursache der Fehlbestände an Edelmetallen zu verschleiern. Der Sohn soll dabei die Strafanzeige erstattet und sein Vater Angaben zum angeblichen Tatablauf gemacht haben. Der 34-Jährige gab zu Protokoll, er sei davon ausgegangen, dass Edelmetalle fehlten, nachdem ihm das sein Vater so berichtet habe.

Schmuck liegt in einer Auslage eines Geschäfts. (Symbolbild)
Schmuck liegt in einer Auslage eines Geschäfts. (Symbolbild)  © kwangmoo/123RF

Titelfoto: kwangmoo/123RF

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