Schnee in Bayern: Auto überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen

München - Die Lage im Freistaat und vor allem in den bayerischen Schneegebieten spitzt sich weiter zu. In fünf Landkreisen gilt inzwischen der Katastrophenfall.

Schnee ohne Ende in Bayern: Ein Wegkreuz in Wessobrunn ist tief eingeschneit.
Schnee ohne Ende in Bayern: Ein Wegkreuz in Wessobrunn ist tief eingeschneit.  © DPA

Allein das Betreten von verschneiten Wäldern in großen Teilen Süddeutschlands kann aufgrund der Wetterverhältnisse zurzeit lebensgefährlich sein.

Darauf hat die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände hingewiesen. Präsident Philipp Freiherr zu Guttenberg sagte der Bild am Freitag: "Hier besteht akute Lebensgefahr."

Der Schaden für die Wälder sei schon sichtbar: "Es zeichnen sich aber aufgrund der riesigen Mengen schweren und nassen Schnees bereits jetzt massive Schäden ab. Der viele Schnee lässt einzelne Bäume wie Streichhölzer abbrechen oder sie fallen durch die hohe Schneelast einfach um."

In Aying bei München brach am Donnerstag ein Baum unter der Schneelast zusammen und erschlug einen neunjährigen Jungen.

Auf den verschneiten Zugstrecken kommt die Deutsche Bahn (DB) nicht mehr mit dem Räumen hinterher. Sie stellte deswegen den Regionalverkehr in Teilen Süd- und Ostbayerns ein. In den Regionen Kempten, Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden fallen aufgrund des Wetters auch in den nächsten Tagen die Züge aus.

Bei der niederbayerischen Waldbahn und der Bayerischen Oberlandbahn südlich von München ist derzeit kein Betrieb möglich.

Das Landratsamt Traunstein rief am Donnerstag den Katastrophenalarm aus. Die schweren Schneemassen seien eine Gefahr für die Menschen, teilte ein Sprecher mit. Für den Landkreis Miesbach und Teile des Berchtesgadener Lands hatten die Behörden zuvor schon den Katastrophenfall erklärt.

+++ TAG24 informiert im Ticker über die Wetterlage in Bayern +++

Update 19.15 Uhr: Unfall auf schneebedeckter Straße: Auto überschlägt sich

Die Fahrerin verlor die Kontrolle über ihr Auto, das sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb.
Die Fahrerin verlor die Kontrolle über ihr Auto, das sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb.  © News5/ Goppelt

Auf der St2222 zwischen Streudorf im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und Arberg kam es am Freitagabend zu einem Unfall verunfallte am Freitagabend (11.01.2019) eine Autofahrerin.

Die 25-Jährige geriet auf schneebedeckter Straße ins Schleudern und landete im Graben, wo sich das Auto überschlug und auf dem Dach liegenblieb.

Ersthelfer konnten die Frau befreien. Sie erlitt leichte bis mittelschwere Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Die Staatsstraße war für die Bergungsarbeiten voll gesperrt.

Update 19.00 Uhr: Mehr als 140 Unfälle in Oberfranken auf winterlichen Straßen

Winterliche Verhältnisse haben auf den Straßen in Oberfranken am Freitag zu mehr als 140 Unfällen geführt. Die Rettungs- und Hilfsdienste eilten von einem Einsatz zum nächsten, wie die Polizei mitteilte. 18 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Schwerere Unfälle ereigneten sich gegen Mittag unter anderem auf der Autobahn 73 bei Bad Staffelstein (Landkreis Lichtenfels) und später in Naila (Landkreis Hof). Dort rutschte eine 57-Jährige mit ihrem Wagen in eine Straße und kollidierte mit einem anderen Auto. Die Frau wurde in ihrem Fahrzeug eingeklemmt und musste von der Feuerwehr herausgeschnitten werden.

Die A73 war nach einem Unfall für einige Zeit komplett gesperrt.

Update 17.00 Uhr: Tödlicher Unfall mit Schneeräumfahrzeug

Der Fahrer eines Schneeräumfahrzeugs ist in Oberbayern tödlich verunglückt. Der 48-Jährige räumte am Freitag die Bundesstraße 307 in Lenggries (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Auf einer Brücke kippte das Fahrzeug um und stürzte in einen Wasserzulauf der Isar. Nach Angaben der Polizei gestaltete sich die Bergung schwierig. Nur mit Hilfe eines Krans konnten die Einsatzkräfte den Wagen so weit anheben, dass der Mann aus dem Führerhaus befreit werden konnte.

Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag.

Update 16.20 Uhr: Hochwasserexperten sehen keine Gefahr durch Schneeschmelze

Selbst wenn die gewaltigen Schneemassen im Alpenraum eines Tages wieder tauen, droht aus Sicht von Experten kein größeres Hochwasser. "Im Alpenraum, wo viel Wasser abfließt, ist das Flussbett tiefer sowie breiter und kann mehr Wasser aufnehmen", erklärten die Fachleute vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) am Freitag in Augsburg. Selbst bei Warmlufteinbrüchen sei der Einfluss von Wärme in Luft, am Boden oder durch Strahlung im Winter begrenzt - und damit auch die Intensität der Schneeschmelze. "Aus der Schneeschmelze allein entstehen deshalb im alpinen Raum keine extremen Hochwasser."

Hintergrund für die geringe Gefahr ist demnach, dass die Einzugsgebiete der Flüsse im Alpenraum im Gegensatz zum Mittelgebirge und Flachland sehr große Höhenunterschiede aufweisen. Infolgedessen erfasse die Schneeschmelze nur Teilbereiche der Einzugsgebiete.

Update 16 Uhr: Bundeswehr mit 350 Soldaten im Schnee-Einsatz

Ein Kettenfahrzeug der Bundeswehr im Einsatz.
Ein Kettenfahrzeug der Bundeswehr im Einsatz.  © DPA

m Kampf gegen die Schneemassen im Süden Bayerns ist die Bundeswehr nach eigenen Angaben mit 350 Soldaten im Einsatz. Sie befreien Dächer von den schweren Schneemassen, versorgen Bewohner in schwer zugänglichen Orten und transportieren Helfer mit gepanzerten Kettenfahrzeugen.

300 weitere Kräfte seien in Bereitschaft versetzt worden, erklärte ein Bundeswehrsprecher am Freitag. Die Bundesregierung in Berlin erklärte, dass die Zahl der Einsatzkräfte von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk (THW) oder Bundespolizei notfalls aufgestockt werden könne.

Für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen und Teile des Berchtesgadener Lands gilt der Katastrophenfall. Viele Straßen sind dort wegen Lawinengefahr und umgestürzter Bäume gesperrt.

Update 15.30 Uhr: DLRG-Helfer befreien Traunsteiner Dächer von Schnee

Zumeist sind sie mit Booten auf dem Wasser unterwegs - nun helfen Einsatzkräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dabei mit, die Dächer im Landkreis Traunstein von der Schneelast zu befreien. "Alle unsere Fahrzeuge sind mit Allrad ausgestattet, um auch in extreme Lagen zu kommen", erklärte der Leiter Einsatz des Landesverbands Bayern, Sven Slovacek, am Freitag. Zudem verfügten die Retter über spezielle Ausrüstung, mit der sie auch auf Dächern sicher arbeiten könnten. 70 Helfer aus Oberfranken und dem Oberbayern waren am Freitag mit 17 Fahrzeugen im Einsatz. Ein Sanitätstrupp half derweil in Miesbach.

Die Retter sollten deshalb zunächst bis diesen Samstag in Traunstein an der Seite unter anderem des Bayerischen Roten Kreuzes, der Feuerwehr und der Bundeswehr helfen. Sollte danach noch Bedarf herrschen, müssten sie abgelöst werden, hieß es.

Update 15.10 Uhr: "Nostalski-Rennen" in Krün abgesagt

Nach den heftigen Schneefällen fällt das "Nostalski-Rennen" mit alten Holzlatten in Krün (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) an diesem Samstag aus. Die Veranstalter sagten den sportlichen Wettkampf ab, nachdem das Landratsamt am Freitag für die Region den Katastrophenfall ausgerufen hatte.

Bei dem Rennen hätten die Teilnehmer mit nostalgischer Ski-Ausstattung einen Torlauf gefahren. Viele Straßen im südlichen Oberbayern sind wegen Lawinengefahr und umgestürzter Bäume gesperrt.

Update 14.25 Uhr: Dächer im Raum Berchtesgaden von Schneelast bedroht

Die Helfer kämpfen gegen die Schneemassen.
Die Helfer kämpfen gegen die Schneemassen.  © DPA

Im Raum Berchtesgaden kämpfen die Helfer weiter gegen die Schneemassen. Die Straßen waren am Freitag großenteils freigeräumt - die Sorge galt danach den Dächern.

Mehr als 450 Gebäude seien bedroht, bisher seien knapp 100 bereits von der Last befreit, berichteten die Einsatzbehörden am Freitag.

Rund 800 Kräfte von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk (THW), Feuerwehr und anderen Organisationen seien im Einsatz. Der Schnee lag vielfach mehr als einen Meter hoch auf den Dächern, die Rede war sogar von bis zu zwei Metern.

"Es sind zunächst die Dächer zu räumen", sagte Landrat Georg Grabner (CSU). Er hatte am Donnerstag für Teile seines Landkreises Berchtesgadener Land den Katastrophenfall ausgerufen, um unter anderem Hilfe der Bundeswehr anfordern zu können. Es gehe aber weiter auch um Verkehrswege.

Vor allem unter Schneelast brechende Bäume bedrohten den Verkehr. Ein Hubschrauber solle sobald wie möglich beginnen, Bäume an der weiterhin gesperrten Strecke in den Ortsteil Buchenhöhe von der Last zu befreien. Dort sind weiter rund 300 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. "Wir müssen auch die Lawinensituation im Auge behalten", sagte Grabner.

Für diesen Sonntag ist Regen angesagt. Danach soll es wieder Schnee geben. "Die Arbeit wird weitergehen", so Grabner. Wann der Katastrophenfall beendet werden könne, sei derzeit offen.

Update 14 Uhr: Markus Söder besucht Schnee-Region

Nach den heftigen Schneefällen im Süden des Freistaats will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an diesem Samstag eine der stark verschneiten Regionen besuchen. Er werde an einer Lagebesprechung der Einsatzkräfte im Landratsamt von Bad Tölz-Wolfratshausen teilnehmen, teilte die Staatskanzlei am Freitag in München mit.

Begleitet wird Söder in Bad Tölz vom bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Beide wollen sich in der Region über die Rettungseinsätze und Arbeit der Hilfsorganisationen informieren.

Für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen und Teile des Berchtesgadener Lands gilt der Katastrophenfall. Viele Straßen sind gesperrt und Dächer müssen von Schneemassen geräumt werden.

Markus Söder wird in die Schnee-Region reisen und sich selbst ein Bild machen. (Archivbild)
Markus Söder wird in die Schnee-Region reisen und sich selbst ein Bild machen. (Archivbild)  © DPA

Update 13.45 Uhr: Luftrettung im Dauereinsatz

Schneebruch, erhöhte Lawinengefahr oder umstürzende Bäume - das extreme Winterwetter kann nicht nur in den Bergen zur tödlichen Gefahr werden. Wenn Rettungskräfte eine Unglücksstelle zu Fuß oder mit dem Auto nicht mehr erreichen können, sind die Luftretter häufig die letzte Hoffnung. Wie die ADAC Luftrettung in München am Freitag mitteilte, sind ihre Hubschrauber im Süden Deutschlands seit Tagen im Dauereinsatz.

Das extreme Winterwetter bringt aber auch die erfahrenen Crews der Rettungshubschrauber an ihre Grenzen. Vor allem das Landen sei bei den momentanen Schneeverhältnissen schwierig, erklärte ein Sprecher der ADAC Luftrettung. Denn die Hubschrauber würden im Landeanflug so viel Schnee aufwirbeln, dass die Piloten fast nichts mehr sehen könnten.

Teilweise sei das Landen in steilen Gebieten gar nicht mehr möglich. Die Retter müssten sich dann mithilfe von Seilwinden aus den Hubschraubern abseilen. Das seien gefährliche Einsätze.

Doch obwohl die Luftrettung auch bei Eis und Schnee im Einsatz sei, stehe die Sicherheit der Rettungskräfte immer an erster Stelle, betonte der Sprecher. Bei Eisregen oder Sichtweite unter 800 Metern seien Einsätze daher ausgeschlossen.

Mehr zum Thema Wetter:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0