Horror-Bilanz einer irren Kreuzung: 30 Unfälle und ein Todesfall

Schneeberg – Seit nunmehr drei Jahren versuchen Behörden, einen gefährlichen Unfallschwerpunkt zu entschärfen.

Der Kleinwagen hatte am 15. Oktober dem Transporter die Vorfahrt genommen. Für die Beifahrerin kam jede Hilfe zu spät.
Der Kleinwagen hatte am 15. Oktober dem Transporter die Vorfahrt genommen. Für die Beifahrerin kam jede Hilfe zu spät.  © Niko Mutschmann

Seit der Verkehrsfreigabe im Sommer 2016 kracht es an der Kreuzung B93/S282 immer wieder. Im Oktober war nun erstmals ein Todesopfer zu beklagen (TAG24 berichtete). Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Noch bei Tageslicht hatte eine VW-Fahrerin einem Transporter die Vorfahrt genommen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die 35-Jährige Beifahrerin so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb. Vier weitere Personen im Kleinwagen verletzten sich, drei davon schwer.

Die Kreuzung ist berüchtigt. Im ersten Jahr nach der Freigabe ereigneten sich 18 schwere Unfälle mit 17 Verletzten. Die Unfallkommission des Erzgebirgskreises vereinbarte mit dem Landesstraßenbauamt (Lasuv) ein Bündel von Maßnahmen – von Geschwindigkeitsbegrenzungen bis Einziehen von Abbiegerspuren.

Dennoch erhöhte sich die Zahl der Karambolagen auf inzwischen 30 – dazu nun der Todesfall.

Bald sollen Blitzer installiert werden

Inzwischen wurden zwei Abbiegespuren eingezogen. Dennoch kracht es immer wieder auf der „Weißbacher Kuppe“.
Inzwischen wurden zwei Abbiegespuren eingezogen. Dennoch kracht es immer wieder auf der „Weißbacher Kuppe“.  © Daniel Unger

„Die Kreuzung ist eine Beleidigung des Ingenieurberufs“, meldet sich jetzt der Ex-Bauamtsleiter von Schneeberg, Karl Graupner, aus dem Ruhestand zu Wort. Die Bergstadt habe bei den Planungen immer auf einen Kreisel gedrängt. „Das ist damals abgeschmettert worden.“

„Die Kreuzung ist richtliniengerecht geplant und gebaut worden, ist sehr übersichtlich und die Verkehrsführung ist einfach begreifbar“, sagt hingegen Isabel Pfeiffer vom Lasuv.

Ein Kreisverkehr würde den vorrangigen Verkehr der Staatsstraße in seiner Flüssigkeit stark behindern. „Kein Sicherheitsauditor kann allerdings von vornherein menschliches Fehlverhalten wie die Missachtung der Vorfahrt ausschließen.“

Die Unfallkommission des Erzgebirgskreises nimmt den tödlichen Unfall dennoch zum Anlass, die Kreuzung erneut zu prüfen. Zunächst will man aber die staatsanwaltlich beauftragten Ermittlungen abwarten.

Inzwischen wollen Landkreis und Polizei an der Gefahrenstelle die Geschwindigkeit kontrollieren. Im kommenden Jahr werden stationäre Blitzer installiert.

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