Schnitzeljäger gefährden Sachsens höchsten Baum

Bei der modernen Schnitzeljagd „Geocaching“ werden versteckte Schätze mit GPS-Gerät aufgespürt.
Bei der modernen Schnitzeljagd „Geocaching“ werden versteckte Schätze mit GPS-Gerät aufgespürt.

Von Hermann Tydecks

Sebnitz - Sachsens höchster Baum im Kirnitzschtal ist in Gefahr: Schnitzeljäger versteckten im Wipfel der Riesen-Fichte einen Schatz. Die Nationalpark-Wächter sind sauer!

Mit stolzen 60 Metern ist diese gemeine Fichte höher als ein 17-Geschosser, etwa drei Jahrhunderte wuchs sie ungestört in der Sächsischen Schweiz - bis jetzt! Ihr Wipfel wurde als Schatzversteck für die moderne Form der Schnitzeljagd missbraucht! Beim sogenannten „Geocaching“ suchen Teilnehmer mit einem GPS-Gerät nach Schätzen („Caches“), deren Geokoordinaten im Internet angegeben sind.

„So einen Cache hat jemand in Form eines blauen Plastikkästchens an den Baumstamm in 55 Meter Höhe gebunden“, ärgert sich Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr (52).

Ein solches Katapult wurde bei der Bergungsaktion eingesetzt. Der geborgene Schatz („Cache“) aus dem Baumwipfel enthielt nur ein Notizheft.
Ein solches Katapult wurde bei der Bergungsaktion eingesetzt. Der geborgene Schatz („Cache“) aus dem Baumwipfel enthielt nur ein Notizheft.

Das Problem: Ohne Rinde und Geäst der Fichte zu schädigen, kommt niemand an den Schatz heran! Die Baum-Hüter mussten ihn herunterholen.

„Dabei kam ein Katapult zum Einsatz“, so Mayr. Damit wurde ein Seil hoch an die Fichte geschossen, um den Aufstieg ohne baumschädigende Steigeisen zu ermöglichen. Bergsteiger Matthias Böttger (51) hievte sich dann von Ast zu Ast bis hoch zum Kästchen. Darin enthalten war ein Notizblock, worin sich Finder eintragen konnten. Zum Glück war es noch leer.

„Die Schatzsucher sind willkommen, Geocaching ist ja auch eine spannende Art, Natur zu erleben“, sagt Parksprecher Mayr. „Doch bitte nicht außerhalb der markierten Wege, das schädigt die Natur!“

Sachsens höchste Fichte steht im Kirnitzschtal.
Sachsens höchste Fichte steht im Kirnitzschtal.

Fotos: Mike Jäger, imago


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