Schock! Waggonbau Niesky meldet Insolvenz an

Die Waggons aus Niesky werden in alle Welt geliefert, seit mehr als 100 Jahren.
Die Waggons aus Niesky werden in alle Welt geliefert, seit mehr als 100 Jahren.  © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Niesky - Neuer Tiefschlag für die Lausitz. Der traditionsreiche Waggonbau Niesky (WBN) hat Insolvenz angemeldet.

Zwar sind die Auftragsbücher voll, aber die Firmenmutter will kein Geld mehr zuschießen.

"Wir haben zu viele Aufträge unter dem Strich mit Verlusten abgeschlossen. Uns drohte kurz- und mittelfristig ein Liquiditätsproblem", sagt Geschäftsführer Eduard Janßen. Darum habe er beim zuständigen Amtsgericht Dresden die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Insolvenzverwalter ist der Dresdner Anwalt Jürgen Wallner.

Von der Insolvenz betroffen sind 280 Mitarbeiter. Sie werden noch drei Monate abgesichert, die Arbeitsagentur übernimmt. Vor allem 100 weitere Zeit- und Leiharbeiter müssen bangen. Bei Zulieferern sind es nochmals mehr als 500 Jobs.

Besonders bitter: "Wir haben genügend Aufträge", so Janßen. Gerade arbeite die Firma eine Bestellung des Schweizer Güterwagenvermieters Wascosa im Wert von 43 Millionen Euro ab. "Die Auftragsbücher sind bis 2020 gefüllt", ergänzt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall für Ostsachsen.

Minister: Die Insolvenz kann auch eine Chance sein

Im Waggonbau Niesky (WBN) arbeiten viele Maschinenbau-Spezialisten.
Im Waggonbau Niesky (WBN) arbeiten viele Maschinenbau-Spezialisten.  © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Darum sei es schlimm, wenn die Kollegen zu Beginn des neuen Jahres eine solche Nachricht erhielten.

"Die kommen sich verarscht vor." Habe doch die Mutterfirma Quantum Capital Partners AG aus München lange Zeit Gewinne mitgenommen.

Auch Janßen, der erst seit November Chef in Niesky ist, schüttelt den Kopf. Zwar verfüge die Waggonbau mit ihrem unmittelbaren Eigner über keinerlei Rücklagen. Aber selbst die übergeschaltete Holding halte sich zurück. Ziel sei trotzdem die Sanierung der WBN.

Unterstützung sagte unter anderen Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (43, SPD) zu. Er betonte darüber hinaus: "Ich sehe in der Insolvenz auch eine Chance für einen Neustart des Unternehmens."

Gleichwohl stünden auch Gesellschafter und Gläubiger in der Verantwortung.

Ein Aus für den WBN würde die Region hart treffen, schließlich sind im nahen Görlitz bei Siemens und Bombardier Hunderte weitere Jobs bedroht. Eine Region, in der übrigens auch der neue Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer (42, CDU), seinen Wahlkreis hat.